Anbieterwechsel ging schief

1&1-Kunden warten seit Juli auf Telefon-Anschluss

Mit ihrem Festnetz-Telefon kann Irma Reiswich seit Mitte Juli nichts anfangen. Die Gebühr wird aber abgebucht.

Mit ihrem Festnetz-Telefon kann Irma Reiswich seit Mitte Juli nichts anfangen. Die Gebühr wird aber abgebucht.

Foto: Rüdiger Barz

Scharnhorst.  Irma und Waldemar Reiswich aus dem Wambeler Holz sind am 20. Juli von Vodafone zu 1&1 gegangen. Dieser Anbieterwechsel stand unter keinem guten Stern: Bis heute funktionieren Telefon und Internet nicht.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Frust ist groß. "Wir brauchen doch das Telefon", betont Irma Reiswich (59). "Schon um meine Schwiegermutter anzurufen, die mit 94 noch in ihrer eigenen Wohnung in Oestrich lebt", erzählt die Scharnhorsterin. Seit Monaten telefoniere sie notgedrungen mit dem Handy: "Das ist natürlich viel teurer als im Festnetz."

Woran es liege, sei nach wie vor unklar, schildern Irma Reiswich und ihre Nachbarin Brigitte Oetzel, die ihr in dieser Sache hilft. Ärgerlich sei auch, dass der angekündigte Techniker von 1&1 verschiedene Male nicht erschienen sei. "Man sitzt da und wartet, und keiner kommt."

Schon der vierte Router

Einen ganzen Ordner füllt die Korrespondenz, die Brigitte Oetzel für ihre Nachbarin schon geführt hat. Dort hat sie unzählige Telefonate und E-Mails dokumentiert. Die Leitung bis zum Router sei in Ordnung, habe es nach dem Besuch eines Telekom-Technikers geheißen, dann wieder, die Leitung müsse fehlerhaft sein, denn eine Schaltung sei nicht möglich. "Mittlerweile ist der vierte Router installiert, ohne Erfolg", erläutert Brigitte Oetzel. Vielleicht stimme auch etwas mit dem Port nicht, den Vodafone freigeschaltet haben müsste.

In einem Telefon-Gespräch mit 1&1, das sie im Namen ihrer Nachbarin führte, habe ein Mitarbeiter sie auf das Sonderkündigungsrecht hingewiesen, da die Leitung eine geringere Datenkapazität als vorgesehen habe. "Ich hatte den Eindruck, er wollte diese Kündigung." Angesichts der Misere "kriege ich einen solchen Hals, wenn ich den Werbespot von 1&1 sehe, wo sich einer von einem Hochhaus abseilt und ein Transparent entrollt, das vom besten Netz Deutschlands spricht."

Nicht länger als 24 Stunden

Brigitte Oetzel hat auch die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde eingeschaltet. Deren Sprecher Michael Reifenberg konnte sich zum konkreten Fall wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern, teilte aber mit, dass bei einem Anbieterwechsel die Verbindungsunterbrechung nicht länger als 24 Stunden dauern dürfe. Firmen drohten bei Fehlverhalten Bußgelder.

1&1 arbeite daran, die Störung am Anschluss von Familie Reiswich zu beheben, teilte Sprecherin Kerstin Corea auf Anfrage dieser Redaktion mit. Die Ursache der Störung liege ihr noch nicht vor, doch werde man der Sache auf den Grund gehen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (4) Kommentar schreiben