Auszeichnung

Nelly-Sachs-Preis geht an Margaret Atwood

Foto: REUTERS

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Dortmund. Margaret Atwood bekommt den Nelly-Sachs-Preis 2009 – aber wahrscheinlich erst 2010. Auf die kanadische Schriftstellerin legte sich nun die Fachjury fest. Wobei die dramatische Haushaltssituation in Dortmund auch dies überschattet.

Die Verschiebung der – ursprünglich für den 13. Dezember vorgesehenen – Preisverleihung betreibt Jörg Stüdemann, derzeit Kulturdezernent und Kämmerer in Personalunion. Für den Festakt im Rathaus fehle schlicht das Geld.

Mit 15.000 Euro dotiert

Es wäre eine Zäsur für die Kultur. Seit 1961 wird der renommierte Literaturpreis vergeben – alle zwei Jahre aufs Neue. Erstmals in der Geschichte der Auszeichnung würde mit diesem Turnus gebrochen. Stüdemann zeigt auf das abgrundtiefe Loch im Haushalt und sagt: „Eine Verleihung 2009 ist nicht vertretbar.”

Soll heißen: nicht finanzierbar. Die Auszeichnung ist mit 15.000 Euro dotiert. Die Kosten können aber leicht auf das Doppelte steigen – allemal dann, wenn, wie in diesem Fall, die Preisträgerin samt Tross aus Toronto einfliegt.

Die Hiobsbotschaft von der drohenden Verlegung der Zeremonie drückt spürbar auf die Gemüter der Juroren, die unter Leitung von Birgit Jörder konferierten. Gesprächsthema Nummer eins: nicht die Preisträgerin, sondern die Folgen der Etatmisere.

Haushaltssperre erfasst fast jeden

„Das Neue an dieser Haushaltssperre ist: Sie ereilt fast jeden, in irgendeiner Form”, erläuterte Stüdemann. Ehe Veranstaltungsausgaben nicht mehr gedeckt seien und die Kommunalaufsicht eingreife, streiche er lieber selbst. „Auch, wenn es sicher allen Kulturinteressierten weh tut.”

Mit Margaret Atwood setzte sich schließlich die erklärte Favoritin auf den Nelly-Sachs-Preis 2009 durch. Die 69-jährige kanadische Schriftstellerin galt seit langem als heiß gehandelte Anwärterin auf die Auszeichnung. Unabhängig vom Termin, sagte sie ihre Teilnahme an der Preisverleihung bereits telefonisch zu.

Lyrik, Sachbücher, Kurzgeschichten, Essays – Margaret Atwood gilt als wahre Schreib-Maschine. Eine Frau mit ungeheurem Output. Eines ihrer bekanntesten Werke: „Der Report der Magd”, geschrieben 1985, und später von Volker Schlöndorff als „Die Geschichte der Dienerin” verfilmt.

Der Titel ihres aktuellen Buches mutet an wie das literarische Werk zur Dortmunder Haushaltskrise: „Payback – Schulden und die Schattenseite des Wohlstands”. Aber: Jede Ähnlichkeit mit wahren Begebenheiten und/oder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ist nicht beabsichtigt und wäre rein zufällig.

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