Rechtsextremismus

Nazi-Szene in Dortmund stagniert laut Studie

Nazi-Demo in Dortmund. Foto: Dirk Bauer, WAZ FotoPool

Nazi-Demo in Dortmund. Foto: Dirk Bauer, WAZ FotoPool

Foto: WAZ FotoPool

Dortmund.   Dortmund gilt weiter als Hochburg für Neonazis in NRW. Doch laut einer Studie stagniert die Szene in der Stadt. Der Grund sei der wachsende Widerstand in der Stadtgesellschaft. Dennoch geben einige Ergebnisse der Studie Anlass zur Sorge.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Eine Studie im Auftrag der Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie in Dortmund kommt zu dem Ergebnis, dass die Nazi-Szene in der Stadt stagniert. Dennoch gehe von den Rechtsradikalen eine große Gefahr aus.

Im Jahr 2009 veröffentlichte eine Arbeitsgruppe der Universität Bielefeld unter Prof. Heitmeyer im Auftrag der Stadt Dortmund eine Studie zum Rechtsextremismus in Dortmund. Diese Studie ist nun basierend auf Daten aus dem Jahr 2011 fortgeschrieben worden.

Szene wächst nicht weiter

Die rechtsextreme Szene in Dortmund wachse demnach nicht weiter, die Gruppenstärke stagniere seit 2009. Ein Grund dafür sei die gewachsene Sensibilität der Stadtgesellschaft, die in den ergangenen Jahren mehr Engagement gegen Rechts zeigt. Die Autonomen Nationalisten seien jedoch äußerst lernfähig und agierten immer professioneller. Rechtsextreme Gewalt gehe insbesondere von der Gruppe „Skinheadfront Dorstfeld“ aus.

Die maßgebliche rechtsextreme Gruppe in Dortmund sind der Studie zufolge die Autonomen Nationalisten. Diese Rechtsextremen verfolgten eine „doppelte Agenda“, indem sie einerseits mit gezielten Aktionen in der Öffentlichkeit provozieren und auf der anderen Seite im Verborgenen Andersdenkende und Migranten terrorisieren. Die Dortmunder Neonazis sähen sich in einem Kampf um die Deutungshoheit in der Stadt und versuchten im alltäglichen Diskurs Fuß zu fassen. Dazu würden die Nazis unter anderem auch die Fan-Szene von Borussia Dortmund nutzen und versuchen, dort Gruppen zu unterwandern. Dies, so die Studie, sei jedoch kein Dortmund-spezifisches Problem, alle Großstädte mit Fußball-Bundesligisten hätten mittlerweile dieses Problem.

Aufmarsch in Dortmund verliert an Attraktivität

Über das Internet sei die Nazi-Szene gut vernetzt, auch international. Außerdem habe es Kontakte Dortmunder Neonazis zur Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gegeben. Der immer Anfang September in Dortmund stattfindende Aufmarsch zum so genannten Anti-Kriegstag, ursprünglich Aushängeschild der Dortmunder Autonomen, habe inzwischen an Anziehungskraft in der rechten Szene eingebüßt, so die Autoren der Studie. Der Widerstand in der Stadt zwinge die Rechten, andere Strategien zu entwickeln.

Das rechte Parteien-Spektrum spielt laut Studie keine Rolle in Dortmund. Auch die rechts-populistische Partei Pro NRW habe in der Stadt keine Strukturen aufbauen können. Dennoch böten manche Probleme in der Stadt den Nährboden für Rechtspopulisten und somit Anlass zur Sorge. So würden Projekte wie das Asylbewerber-Heim in Hacheney oder der Bau einer Moschee in Hörde menschenfeindliche Tendenzen in der Stadt offenbaren. Die Debatten um diese Projekte würden dann oftmals mit fremdenfeindlichen Argumenten geführt. Die Autoren der Studie ermahnen dabei auch die Vertreter der demokratischen Institutionen, die ebenfalls oftmals fremdenfeindlich argumentieren würden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (25) Kommentar schreiben