Nach Großbrand in Somborn

Nachbarn haben Feuer vorher geahnt

Zwei Drittel des Hauses brannten an Neujahr. Der vordere Teil wurde bereits bei einem Brand 2013 zerstört.

Foto: Helmut Kaczmarek

Zwei Drittel des Hauses brannten an Neujahr. Der vordere Teil wurde bereits bei einem Brand 2013 zerstört.

Somborn.  Großeinsatz für 50 Feuerwehrleute an der Somborner Dünnebecke: Das Fachwerkhaus des ehemaligen Hofs Schulte-Somborn steht an Neujahr lichterloh in Flammen. Eine schwarze Rauchsäule steigt auf. Stunden benötigen die Wehrleute, um den Brand zu löschen. Eine Situation, die die Nachbarn lange befürchtet haben.

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Um 15.30 Uhr hört Hans-Ulrich Schröer einen lauten Knall. Nichts Ungewöhnliches am Neujahrstag. Als kurz danach Martinshörner durch die Bauernschaft hallen und nach draußen geht, sieht er meterhohe Flammen aus dem Dach des benachbarten ehemaligen Gehöfts Schulte-Somborn schlagen.

„Wir sind ratlos“

20 Stunden nach Ausbruch des Feuers stehen Hans-Ulrich Schröer, Annette, Ernst-August und Tim Watermann an der Toreinfahrt von Schröers Haus. Ihnen steht die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. „Das war die ganze Zeit unsere Sorge“, sagt Schröer.

Schon 2013 stand der vordere Teil des alten Bauernhauses in Brand. Immer wieder kam es zu kleineren Feuern. Regelmäßig riefen die Nachbarn die Feuerwehr, weil Jugendliche und Erwachsene die Bauruine für Treffen nutzten und Zerstörungen anrichteten. „Jetzt stehen wir hier und sind ratlos.“

Schwarze Rauchsäule

Hans-Ulrich Schröer wohnt keine 50 Meter von dem abgebrannten Bauernhaus entfernt. Als er am Neujahrsnachmittag einen „sehr lauten“ Knall hört, vermutet er: „Wahrscheinlich ein Polen-Böller“, vermutet er. Als er vor die Haustür tritt, stehen die Flammen meterhoch über dem Dachstuhl nebenan. Eine schwarze Rauchsäule zieht über das Dorf.

„Gott sei Dank stand der Wind günstig und zog Richtung Autobahn“, sagt Ernst-August Watermann. Wäre er aus Nordwesten – in Gegenrichtung – gekommen, wäre das einer Katastrophe gleich gekommen: nicht wegen des Feuers, sondern wegen des Rauchs.

Pferde in Gefahr

Familie Watermann betreibt gegenüber einen Reiterhof. 70 Pferde – zumeist in Privatbesitz – leben in den Stallungen. „Anders als bei Wohnungen, kann man an einem Stall die Fenster und Türen nicht luftdicht verschließen“, erklärt Tim Watermann. „Wir hätten die Tiere evakuieren müssen. Sie sind aber alle einzeln eingestallt, und das wäre nicht so einfach gegangen.“

Der Hofbesitzer weist auf die Panik von Pferden bei Feuer hin. Allein schon das Blaulicht der Feierwehrautos habe am Montag die Pferde in der Reithalle scheuen lassen. In Windeseile brachten die Besitzer ihre Tiere vom Sandplatz, der direkt gegenüber vom brennenden Gebäude liegt, in die Ställe und Hallen.

Kriminalpolizei ermittelt

„Meine größte Sorge waren die Reifen“, sagt Ernst-August Watermann. Seit Jahren weisen die Nachbarn des ehemaligen Hofs auf die illegal entsorgten Autoreifen im Inneren des Gebäudes hin. „Den Ruß hätten die Pferde nicht überlebt.“

Nun ermittelt die Kriminalpolizei. „Wir konnten die Brandstelle noch nicht angucken, weil das Haus einsturzgefährdet ist“, erklärt Polizeisprecher Kim-Ben Freigang auf Anfrage. „Wir gehen von Brandstiftung aus, weil das Gebäude unbewohnt ist und darum ein technischer Defekt ausgeschlossen werden kann. Wir ermitteln aber in alle Richtungen.“

Bauordnungsamt kontrolliert

Investor Gerd Hüsemann, ist am Telefon froh, dass weder Mensch noch Tier zu Schaden gekommen sind. „Das ist ja jetzt schon zum dritten oder vierten Mal passiert, dass es gebrannt hat.“ Sein Plan, auf dem 7200 Quadratmeter großen Grundstück eine Wohnanlage zu errichten, scheiterte am Baurecht. „Im März 2015 wurde ein Prozess zugunsten der Stadt entschieden“, erklärt Stadtsprecherin Heike Thelen auf Anfrage.

Regelmäßig ist das Bauordnungsamt vor Ort, kontrolliert die Sicherungspflicht von Investor Hüsemann. Dennoch, so schildern es auch die Nachbarn, dringen immer wieder Jugendliche und Erwachsene in das Gebäude ein. Rundum zeugen zerstörte Glasbausteine, Graffiti-Schmierereien und Müllablagerungen davon.

Neuer Anlauf

Im vergangenen Jahr hat Gerd Hüsemann einen neuen Anlauf gestartet. Aufgrund einer veränderten Gesetzeslage, habe er einen Antrag auf einen „Vorhaben bezogenen Bebauungsplan“ bei der Stadt gestellt. Der Bescheid steht noch aus. „Ich wäre überglücklich, wenn ich nach mehr als sechsjährigem Kampf aus der Ruine etwas machen könnte“, sagt er. Die Nachbarn wären es wohl auch.

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