Mordversuch

Nach versuchtem Mord auf Shoppingtour: Teenager vor Gericht

Zwei junge Frauen aus Erfurt haben versucht einen Bekannten umzubringen, um mit seinem Geld einkaufen zu gehen.

Zwei junge Frauen aus Erfurt haben versucht einen Bekannten umzubringen, um mit seinem Geld einkaufen zu gehen.

Dortmund/Erfurt.  Zwei 19-Jährige haben in Erfurt versucht, einen Mann zu ermorden. Danach fuhren sie weiter nach Dortmund, um mit seinem Geld shoppen zu gehen.

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Sie raubten einem Bekannten am Roten Berg in Erfurt das Auto, brachten ihn dabei fast um und deckten sich dann in Dortmund mit neuen Klamotten ein: So lauten die Vorwürfe gegen Patricia H. und Justine P., zwei 19-jährige Erfurterinnen, die sich seit Mittwoch vor dem Erfurter Landgericht verantworten müssen.

Beide Frauen sind des gemeinschaftlichen schweren Raubes angeklagt. Der Hauptangeklagten H. wirft Staatsanwalt Martin Scheler zudem versuchten Mord vor. H. soll ihrem 30-jährigen Bekannten vom Rücksitz des Autos aus mehrfach mit einem Klappmesser in den Rücken gestochen haben.

Zum Prozessauftakt verlas Scheler lediglich die Anklage. Doch obwohl der erste Verhandlungstag schon nach einer Stunde vorbei war, brachten die Anklage und die Erläuterungen Schelers gegenüber der Presse etwas mehr Licht in den Fall, der im Februar deutschlandweit für Aufsehen gesorgt hatte und an einen schlechten, weil viel zu unrealistischen Krimi erinnerte.

Die Frauen sollen unter Drogen gestanden haben

Beide Angeklagte kündigten an, sich im Verfahren äußern zu wollen. Die Mitangeklagte P. hat das schon ausführlich gegenüber der Polizei getan. Auf ihren Angaben beruht die Darstellung des Tatablaufes, den Scheler in der Anklage zusammenfasste.

Die beiden Frauen standen demnach unter Drogen – sowohl in Erfurt als auch in Dortmund, wo sie mit dem geraubten Auto eine Parkhaus-Schranke durchbrachen und bei einer irren Fahrt durch die Stadt mehrere Unfälle produzierten. Scheler geht wegen der Drogen von einer verminderten Schuldfähigkeit aus, was das von der Staatsanwaltschaft angestrebte Strafmaß etwas reduzieren könnte.

Sie lernten ihr Opfer im Internet kennen

Bei den Unfällen wurde niemand verletzt. Der Gesamtschaden an sieben beteiligten Autos summierte sich allerdings auf über 35.000 Euro. Ob die Unfälle in das Urteil einfließen oder die Angeklagten wegen des Drogenkonsums in diesem Punkt als schuldunfähig angesehen werden, muss das Verfahren zeigen.

Wie die Ermittlungen ergaben, lernte die Hauptangeklagte Patricia H. ihr 30-jähriges Opfer im Internet kennen. Sie hatte offenbar schon deutlich länger Kontakt zu dem Mann aus Sömmerda als Justine P., die ihn aber auch bereits vor der Tat gekannt haben soll. Am Abend des 7. Februar brachen sie zu dritt zu einer Aussichtsplattform nahe der Steiger-Kaserne auf. Der Mann kaufte Getränke für alle.

Das Auto sollte zu Geld gemacht werden

Handyauswertungen deuten an, dass die Frauen nur deshalb in den grauen Passat stiegen, weil sie ihn rauben und bei einem zwielichtigen Kontakt in Dortmund zu Geld machen wollten. Patricia H. hatte bereits im Dezember 2017 in Erfurt beim Raub eines Autos geholfen, mit dem später eine Tankstelle in Dortmund überfallen wurde.

Um ihr Ziel am 7. Februar zu erreichen, sollen die Frauen dem Mann Antidepressiva ins Getränk gemischt haben. Der Mann stellte aber einen seltsamen Geschmack fest und trank nur einen Schluck. Statt einer Ohnmacht ergriff ihn nur ein Schwindel. Als der Plan zu scheitern drohte, lockten die Frauen den Fahrer unter dem Vorwand, dort würde die Oma einer der beiden wohnen, zum Roten Berg.

Auf den Mann wurde mehrfach eingestochen

H. saß auf der Rückbank, und als der Mann vor dem angegebenen Haus hielt, soll sie mehrmals mit einem Klappmesser in seinen Rücken gestochen haben. Wohl nur, weil er mit der Hand nach hinten griff und weitere Stiche abwehren konnte, blieb es beim Mordversuch.

Der Mann floh. Als die jungen Frauen von ihrer kurzen Verfolgung abließen, kehrte er sogar noch einmal zum Auto zurück und schaffte es zumindest, bei einem Handgemenge sein Handy zurück zu erbeuten. Der Notruf rettete ihm womöglich das Leben – er wurde in der Nacht notoperiert.

Auto und Geldbörse waren auf dem Weg nach Dortmund. Dabei wählten die Frauen den Weg durch den Schmücke-Tunnel. Die Polizei weiß das anhand eines Blitzer-Fotos, das als gemessene Geschwindigkeit stolze 170 km/h angab.

Mit dem Geld des Mannes gingen sie in Dortmund shoppen

Mit der Geldkarte des Mannes hoben die Frauen 450 Euro ab. Die Geheimzahl muss Patricia H. gekannt haben – vielleicht hatte sie den Bekannten einmal am Bankautomaten beobachtet.

Recht sicher ist laut Staatsanwalt Scheler zudem, dass die Angeklagten in Dortmund shoppen gingen und Kleider kauften. Warum sie dennoch die Gebühr im Parkhaus nicht bezahlen konnten? Auf die Frage dachte Staatsanwalt Scheler gestern kurz nach. „Sie hatten kein Kleingeld“, vermutete er dann.

Wegen des Alters der Angeklagten wird der Prozess unter den Maßgaben des Jugendstrafrechtes geführt.

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