Opfer Nebenkläger

Mordkomplott gegen Lehrer: Prozess gegen Schüler im Januar

Der Pädagoge sollte laut Staatsanwaltschaft auf dem Lehrerparkplatz der Martin-Luther-King Gesamtschule in Dortmund in einen Hinterhalt gelockt werden.

Der Pädagoge sollte laut Staatsanwaltschaft auf dem Lehrerparkplatz der Martin-Luther-King Gesamtschule in Dortmund in einen Hinterhalt gelockt werden.

Foto: Bernd Thissen / FUNKE Foto Services (Archiv)

Dortmund.  Drei jungen Männern wird versuchter Mord vorgeworfen. Sie sollen einen Lehrer in einen Hinterhalt gelockt haben, um ihn mit Hämmern zu töten.

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Vor dem Dortmunder Landgericht beginnt am 9. Januar des kommenden Jahres der Prozess vor der Großen Strafkammer gegen drei junge Männer. Dem Trio werden versuchter Mord und die Verabredung zu einem Verbrechen vorgeworfen. Die inzwischen 17, 18 und 19 Jahre alten Männer sollen einen Lehrer der Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dortmund in einen Hinterhalt gelockt haben, um ihn dort mit Hämmern zu töten. Das Landgericht hat eine entsprechende Anklage der Staatsanwaltschaft zugelassen. Insgesamt sind zehn Verhandlungstage angesetzt. Der Lehrer wird den Prozess als Nebenkläger verfolgen. Nach jetzigem Stand wird die Verhandlung öffentlich sein.

Das Trio soll dem Lehrer am 9. Mai dieses Jahres auf einem abgelegenen Teil des Lehrerparkplatzes einen medizinischen Notfall vorgegaukelt haben. Der hingeeilte Pädagoge wurde allerdings schnell stutzig - möglicherweise hat ihm das das Leben gerettet. Laut Anklage habe er die Situation von Anfang an als bedrohlich empfunden, die jungen Männer nicht aus den Augen gelassen und ihnen nicht den Rücken zugedreht. Schließlich entschied er sich, über das Sekretariat der Schule einen Krankenwagen zu rufen. Das Trio konnte die Tat nicht vollenden.

Staatsanwaltschaft sah keine Gründe für Untersuchungshaft

Besonders perfide: Wie spätere Auswertungen der Handys der Angeklagten ergaben, hatten sie sich am Anfang der darauffolgenden Woche per WhatsApp dazu verabredet, noch einen weiteren Versuch zu starten. Dazu kam es nicht, weil ein Mitschüler das Komplott gegen den Lehrer vom Donnerstag bereits am Wochenende seiner Mutter offenbart und die Alarm geschlagen hatte. Schließlich griff die Polizei zu. Die jungen Männer bleiben bis zum Prozess allerdings auf freiem Fuß. Gründe für einen Antrag auf Untersuchungshaft sah die Staatsanwaltschaft nicht.

Treibende Kraft hinter den Taten soll der jüngste Angeklagte sein. Als Motiv wurde spekuliert, dass er sich über schlechte Noten durch den Lehrer geärgert habe. Im Zuge der Ermittlungen hatte er zunächst keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht und sich von einem Rechtsbeistand vertreten lassen. Bislang ist keiner aus dem Trio polizeilich in Erscheinung getreten.

Schüler wurden nach den Vorfällen auf andere Schulen verwiesen

Der älteste der drei Angeklagten ging zum Tatzeitpunkt nicht auf die Schule. Die beiden jüngeren wurden kurz darauf von der Schule suspendiert und dann nach Angaben der Bezirksregierung auf andere Schulen in Dortmund verwiesen. Der Lehrer, der nach dem Auffliegen des Komplotts zunächst „außer Dienst“ war, sollte hingegen an die Schule zurückkehren. Er hatte auf seinem Facebook-Profil zu den Vorfällen Stellung genommen. Dort sprach er von einer „Welle der Zuneigung und Anerkennung“, die ihn trage, und dankte seinem Umfeld für die Unterstützung und der Polizei. Außerdem sprach er sich ausdrücklich gegen Hass und Hetze aus. An der Schule war zum neuen Schuljahr im Sommer die frühere Leiterin planmäßig in den Ruhestand gegangen. Ihre Nachfolgerin wollte sich zu den Vorfällen nicht mehr äußern.

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