Verhandlung

Missbrauch nach Pokalfeier – Sexualstraftäter vor Gericht

Foto: Stefan Wette

Dortmund.  Nach dem BVB-Pokalsieg soll ein Sexualstraftäter eine Frau in sein Auto gelockt und missbraucht haben. Erst jetzt wurde ein DNA-Test angeordnet.

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Nur anderthalb Jahre genoss der mehrfach vorbestrafte Sexualtäter die Freiheit, da soll er schon wieder rückfällig geworden sein. Seit Mittwoch muss sich der 41 Jahre alte Dortmunder wegen sexueller Nötigung vor dem Landgericht Dortmund verantworten. Ihm droht die Sicherungsverwahrung, aus der er erst Anfang 2015 entlassen worden war.

Er scheut die Öffentlichkeit. Den Kameras wendet er im Gerichtssaal den Rücken zu. Seine Verteidiger versuchen zudem, die Öffentlichkeit für das komplette Verfahren auszuschließen. Vergeblich. Die 36. Strafkammer weist ihren Antrag zurück.

Angeklagter schon wegen Kindesmissbrauch bekannt

Mit einem Trick soll sich der Angeklagte am 28. Mai 2017 das Vertrauen einer 29-jährigen Dortmunderin erschlichen haben. Es war der frühe Morgen nach dem Pokalendspiel, auf dem Friedensplatz hatten die BVB-Fans gefeiert. Laut Anklage suchte die Frau nach einem ihrer Freunde, da stellte sich ihr der Angeklagte als angeblicher Mitarbeiter des Ordnungsamtes vor. Er bot ihr an, sie zu dem Parkhaus zu fahren, in dem ihr Auto stand. Arglos willigte sie ein.

Der 41-Jährige soll aber tatsächlich seinen Wagen auf die Autobahn gelenkt haben. Bei Tempo 180 soll er sie begrapscht, ihr in den Schritt gefasst haben. Aus Angst vor einem Unfall wehrte sie sich zunächst nicht. Erst später soll sie gesagt haben, dass sie das nicht wolle.

Erst in Gevelsberg, die Autobahn soll er verlassen haben, nutzte sie nach ihren Worten eine rote Ampel und flüchtete durch die Beifahrertür. Gemerkt hatte sie sich das Kennzeichen des Autos. Schnell kam die Polizei auf den 41-Jährigen. Für sie war er kein Unbekannter. Bis 1998 soll sein Vorstrafenregister zurückreichen. Missbrauch von Kindern soll darunter sein, auch Vergewaltigung. Zuletzt soll er 2004 Sicherungsverwahrung bekommen haben. Nach seiner Entlassung kam er in ein Resozialisierungsprogramm für Sexualstraftäter. Stimmt die Anklage, änderte es ihn wohl nicht.

DNA-Gutachten wurde erst jetzt in Auftrag gegeben

In Gang kommt das Verfahren am Mittwoch nicht. Nicht einmal die Anklage wird von Staatsanwältin Sonja Frodermann verlesen. Denn die Verteidigung möchte erst das Ergebnis eines DNA-Gutachtens abwarten, das die Kammer Anfang der Woche in Auftrag gegeben hatte. Richter Helmut Hackmann deutet Kritik an, weil das Gutachten nicht schon von der Polizei in Auftrag gegeben wurde: „Die Polizei sagt auch, wir machten jetzt ihre Arbeit.“

Ein längst überfälliges Gutachten: Zeigt es, dass der Angeklagte auch an intimen Stellen der 29-Jährigen seine DNA-Spuren aus Hautzellen hinterließ, dürfte das die Angaben der Frau untermauern. Entsprechend müsste er seine Verteidigungsstrategie ändern - bislang hat er die sexuelle Belästigung nicht zugegeben.

Ein weiteres Problem: Die Hagener Rechtsanwältin Heike Tahden-Farhat, die das Opfer in der Nebenklage vertritt, hat früher einmal den Angeklagten verteidigt, fanden seine Anwälte heraus. Das war zwar 2013, ist rechtlich vermutlich auch unbedenklich, könnte aber vom Angeklagten als Vertrauensbruch verstanden werden. So entschließt die Nebenklageanwältin sich schnell, das Mandat niederzulegen: „Das Urteil soll später ja rechtskräftig werden und nicht an dieser Frage scheitern.“ Die 29-Jährige, eine selbstbewusst wirkende junge Frau, stimmt dem Entschluss zu.

Angeklagter soll Kfz-Werkstatt für Tuning betreiben

Jetzt wird das Strafverfahren erst am 11. Dezember starten. Um die Verteidigung des Angeklagten wird man sich keine Sorge machen müssen. Ihn vertritt Adam Ahmed aus München, der auf seiner Homepage ein Zitat der Wochenzeitung „Die Zeit“ über seine Person nennt: „Einer der bekanntesten Strafverteidiger der Republik.“ Der zweite Verteidiger ist Thomas Feltes, besser bekannt als Kriminologie-Professor der Bochumer Uni. Andreas Ruch aus Feltes Kanzlei komplettiert das Verteidigertrio.

Ganz mittellos scheint der Angeklagte trotz seiner früheren Inhaftierungen also nicht zu sein. Es heißt, er soll in Dortmund eine Kfz-Werkstatt für Tuning betrieben haben.

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