Millionenstiftung steht am Rande des Ruins

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Vor 30 Jahren starb der schwerrreiche Bauunternehmer Heinrich Feldhoff. Er hinterließ ein Millionen schweres Immobilienimperium, das er in eine soziale Stiftung für die Ärmsten der Stadt einbrachte. Durch Misswirtschaft und Unfähigkeit der Verwalter gerie

Als die WR im Herbst 2003 erstmals über den verwahrlosten Zustand der Feldhoff-Häuser berichtete, wurde eine Kettenreaktion ausgelöst: Der Mieterverein schaltete sich ein, das Wohnungsamt der Stadt interessierte sich plötzlich, die Stiftungsaufsicht der Bezirksregierung kontrollierte die Arbeit des Stiftungsvorstandes. Hinter vorgehaltener Hand bedauerte einer der Beamten, dass das die erste Stiftung sei, "die bewusst in den Konkurs geführt" werde...

In kürzester Zeit gab es so viele Sitzungen des Stiftungs-Kuratoriums wie nie zuvor, denn die Banken spielten nicht mehr mit. Ein Vorstandsmitglied kündigte seine Mitarbeit. Ein neuer Buchprüfer musste im Galopp die Wirtschaftlichkeitsrechnung nebst Vermögensaufstellung erstellen. "Die wirtschaftliche Lage ist durch permanente Liquidätsengpässe gekennzeichnet", heißt es darin.

Viele der ungepflegten Feldhoff-Wohnungen in der Nordstadt standen bereits leer; Mieten blieben aus. Geld für Sanierungen fehlte. Rechnungen blieben unbezahlt, Bankschulden wuchsen. Den Schulden von rund 5,6 Mio. E stand 2004 nur noch ein errechnetes Immobilienvermögen von 5,85 Mio. E gegenüber. Also 250 000 E im Plus - nicht auf dem Konto, sondern als theoretischer Buchwert.

Die Sparkasse gewährte zur Vermeidung des Bankrotts und eines Skandals ein hohes zinsloses Darlehen. Gegenforderung: die Einschaltung der Wirtschaftssozietät Dr. Rölfs & Partner. Sie verhandelte mit anderen Gläubigerbanken und erstellte ein Sanierungskonzept.

Alter Vorstand wurde ausgetauscht

DEW, Banken, Stadt: Alle stundeten stillschweigend Geldbeträge, verzichteten auf Zwangsmaßnahmen. Bei einer Gläubigerversammlung wurden Handwerkern Vergleiche angeboten - für Rechnungen im Gesamtwert von ca. 200 000 E. Die meisten willigten ein - bei einem Angebot von 34 Prozent. Möglich durch das neue Darlehen.

Der alte Vorstand um Rechtsanwalt Dr. Andreas Gerling wurde ausgetauscht - wegen "Bedenken der finanzierenden Banken", auch die Stiftungsaufsicht äußerte "nachdrücklich ihren Unmut über Hausverwaltung und Geschäftsführung", so ein Protokoll.

Rechtsanwalt und Notar Harald Günther wurde auf Wunsch der Sparkasse als neuer Vorstand eingesetzt. Zudem eine neue Hausverwaltung installiert, "die sich in anderen Sanierungsfällen bewährt hat": die GrundTransfer GmbH, die dem Ex-CDU-Ratsherrn Hans-Georg Hovermann gehört, der allerdings 2003 selbst eine 48-Millionen-Pleite hingelegt hat.

Helmut Lierhaus (Mieterverein) kritisiert unverblümt: "Da Hovermann Häuser auf Stiftungsgrund gehören, wäre eine personelle Trennung wohl besser gewesen." Der habe ihm zwar versichert, Ziel sei es, die Stiftung zu sanieren: "Aber ich hab' das Gefühl, die wickeln nur ab."

Zur Entschuldung sollten drei der noch 13 vorhandenen Immobilien laut Sanierungsplan veräußert werden. Doch die Umsetzung verläuft schleppender als erwartet. Vorstand Günther: "In meiner Zeit ist noch nichts verkauft worden." Es sei lediglich etwas in der Schwebe: Aber der Kauf sei nicht vollzogen.

Begründen Kenner die Beinahe-Pleite mit absoluter Misswirtschaft, formuliert Günther das so: "In der Vergangenheit wurde über die Verhältnisse gelebt." Man habe den Stiftungszweck zu sehr erfüllen wollen. Habe bei den Ausschüttungen vergessen, auch Rücklagen zu bilden für Instandsetzungen. "Es hat keinen Zweck, auf früheren Vorständen rumzuhacken", sagt Günther. "Und zu Gerling sagen wir nichts!" Jedenfalls sei nicht die Insolvenz das Ziel.

Eine Prognose, wie lange es die Stiftung noch geben wird, wollte Günther auf Anfrage unserer Redaktion indes nicht wagen. "Dazu müsste ich in einer Glaskugel lesen können."

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