Flüchtlings-Unterkünfte

Leere Traglufthallen kosten die Stadt Dortmund viel Geld

Zwei von sechs Traglufthallen stehen an der Stadtkrone-Ost. Sie sind die einzigen, die genutzt werden.

Zwei von sechs Traglufthallen stehen an der Stadtkrone-Ost. Sie sind die einzigen, die genutzt werden.

Foto: Archivfoto: Oliver Schaper

Dortmund.  170 Flüchtlinge leben in zwei Traglufthallen in Dortmund. Vier Hallen stehen leer und kosten die Stadt viel Geld. Und es gibt ein weiteres Problem.

Sechs Traglufthallen, die je 300 Menschen beherbergen könnten, stehen in Dortmund. Weil immer weniger Flüchtende nach Dortmund gekommen sind, leben aktuell nur 170 Menschen in zwei Hallen an der Stadtkrone Ost. Die übrigen vier stehen leer und kosten die Stadt viel Geld.

An vier der sechs Traglufthallen, noch kein Jahr alt, sind darüber hinaus die Außenfolien beschädigt. Wieso, darüber streiten sich die beteiligten Firmen. Als Ende 2015 in der Spitze wöchentlich bis zu 300 Flüchtlinge nach Dortmund kamen, orderte die Stadt sechs Hallen zur Unterbringung. Jene an der Stadtkrone-Ost waren als erstes fertig, dann die zwei an der Hagener Straße in Kirchhörde; im August die an der Lindenhorster Straße. Die Stadt hat die Unterkünfte für zehn bis zwölf Millionen Euro - den genauen Betrag nennt sie nicht - bei der Berliner Firma Areal gekauft.

Im August wurden Streitigkeiten zwischen Areal-Geschäftsführer Manfred Kersch und Subunternehmern bekannt, die Bauteile geliefert haben. Die polnischen Firmen Interhall und Grimar werfen Kersch vor, ihnen noch 380.000 Euro zu schulden. Dem Holzunternehmen Beese aus Unna soll Areal noch 52.000 Euro schulden. Kersch weist das alles zurück. Durch mangelhafte Arbeiten der Firmen habe vielmehr er den Schaden. Richter dürften in beiden Fällen entscheiden.

Schäden an den Außenfolien

Aktuell reklamiert Areal bei Interhall/Grimar Schäden an den Außenfolien von vier Hallen. Diese werden laut Kersch von einer Schicht aus drei Folien bedeckt. An einer gebe es Schäden bei der Verarbeitung und an den Schweißnähten. Slawek Mercik, Sprecher für Interhall/Grimar, erklärte, die Schäden seien durch UV-Strahlung entstanden.

Areal habe den Firmen die falschen Folien zur Verfügung gestellt. Kersch wiederum sagt, die Folien seien nach den Vorgaben der Subunternehmer gekauft worden. Wie groß die Schäden sind, ob sie ausgebessert werden können oder gar neue Folien her müssen - das lasse er derzeit "ein Institut" prüfen, sagt Kersch. Die Stadt habe Areal aufgefordert, "die Schäden zu beheben", teilte auf Anfrage eine Sprecherin mit: "Mehrkosten für die Stadt entstehen nicht."

Die hat immerhin schon die laufenden Kosten für Energie und Bewachung für vier ungenutzte Hallen zu zahlen - es dürften deutlich mehr als 10.000 Euro pro Monat sein. Eine genaue Zahl nannte die Pressestelle der Stadt gestern auf Anfrage nicht.

Dortmund hat reichlich Platz für Flüchtlinge

Grundsätzlich stellt sich deshalb die Frage, wie lange die teure Infrastruktur noch vorgehalten wird. Bis Ende des Jahres wolle man entscheiden, ob die Traglufthallen stehen bleiben oder abgebaut und eingelagert werden, erklärte Sozialdezernentin Birgit Zoerner am Montag auf Anfrage. Denn zurzeit gibt es in den 19 Unterkünften für Flüchtlinge in Dortmund reichlich Platz.

Aktuell sind dort 2099 Menschen untergebracht, 1829 Plätze sind frei. Denn seit Monaten weist das Land keine Asylbewerber mehr zu, die von der Stadt untergebracht werden müssen. "Zuzüge gibt es nur im Rahmen von Familienzusammenführungen", erklärt Birgit Zoerner. "Aber es ist für uns immer schwer abschätzbar, wie sich die Flüchtlingszahlen in der Zukunft entwickeln."

Dortmunds Traglufthallen auf einen Blick:

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