Kontrolleure auf beiden Augen blind?

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Die 1975 gegründete Heinrich-Feldhoff-Stiftung, die nach seriösen Schätzungen heute über ein Vermögen von mindestens 7 Millionen Euro verfügen müsste, steht kurz vor dem Abgrund. Das ist nicht von heute auf morgen passiert. Gab es keine Kontrollen? War di

Gemeinnützige Stiftungen sind steuerlich begünstigt. Natürlich verlangt der Staat in einem solchen Fall nach Aufsicht. Beim Regierungspräsidenten in Arnsberg ist die Stiftungsaufsicht angesiedelt. Sie ließ und lässt sich jedes Jahr vom Vorstand der Heinrich-Feldhoff-Stiftung einen Jahresbericht und eine wirtschaftliche Zukunftsprognose vorlegen.

Diese Papiere sind offenbar über viele Jahre in Arnsberg nur abgeheftet worden. Schon die Jahresabrechnung 1999, von einem Steuerberater zusammengestellt, die unserer Redaktion vorliegt, enthält deutliche Hinweise auf eine Schieflage: Die Mietkonten des umfangreichen Immobilienbesitzes mit ca. 150 Wohneinheiten wiesen damals schon ein Defizit von 454 205,35 DM aus. Ein Handwerker (Name der Redaktion bekannt), der auf unbezahlten Rechnungen sitzen blieb, behauptet: "Ich selbst habe 2002 die Stiftungsaufsicht angerufen und gewarnt: Hallo, da brennt's!" Getan habe sich nichts.

Den Anspruch einer echten Aufsicht kann Winfried Jäger aber auch nicht stellen. Er ist als Sachbearbeiter Einzelkämpfer bei der Bezirksregierung in Arnsberg. Soll heißen. Die Stiftungsaufsicht, die für 350 steuerbegünstigte Stiftungen zuständig ist, besteht aus einer Person. Da muss schon ein unüberhörbares Alarmsignal ertönen: Das kam im Oktober 2003. Als unsere Zeitung zum ersten Male über den allenthalben erkennbaren Niedergang in der Stiftung berichtete, und Helmut Lierhaus, Mieterverein Dortmund ("ein besorgniserregender Zustand"), die Berichte Arnsberg schickte.

In der Tat passierte danach eine ganze Menge. Klammheimlich wurden der Vorstand, Dr. Andreas Gerling und Walter Dahms, ausgetauscht. Das ging um so einfacher, weil Banken unruhig geworden waren. Die WFA, bei der die Feldhoff-Stiftung mit Zins und Tilgung deutlich in Verzug war, drohte Anfang 2004 mit Zwangsverwaltung. Die Sparkasse Dortmund sprang ein, "um einen Skandal zu vermeiden" (so der heutige Hausverwalter Hans-Georg Hovermann, früherer CDU-Fraktionschef im Rat der Stadt), und gewährte ein zins- und tilgungsloses Darlehen in sechsstelliger Höhe, das freilich das Grundbuch eines Feldhoff-Hauses in der Arnoldstraße belastet. Entsprechende Schreiben darüber liegen unserer Redaktion vor.

Es gibt viele Gerüchte und Ungereimtheiten. Es gibt aber auch viele Signale, die der Stiftungsaufsicht eigentlich nicht entgehen konnten.

Klammheimlich Vorstand erneuert

So machte der Steuerberater der Stiftung 1992 auf einen "Vermögensabgang" aufmerksam. 2001 stellte er fest, dass eine ordnungsgemäße Sanierung für die Stiftung nicht finanzierbar sei. Also war schon klar, dass die Verwahrlosung ohne Änderung in der strategischen Ausrichtung nicht aufzuhalten ist.

Geradezu harmlos nimmt sich dagegen im Geschäftsbericht von 2003 nach dem Verkauf dreier Häuser zu Spottpreisen (Lützowstraße 74, 250 000 Euro; Arnoldstraße 5, 280 000 Euro; Gneisenaustraße 67 und 91, 730 000 DM) der Hinweis aus, dass die Kontenlage "angespannt" sei.

Es ist unter strengster Geheimhaltung vieles passiert nach den Berichten in unserer Zeitung. Aber die Macher im Hintergrund können auch alles unter der Decke halten: Denn steuerprivilegierte Stiftungen sind zwar im übertragenen Sinne durch die Allgemeinheit alimentiert, sind aber der Öffentlichkeit nicht zur Auskunft verpflichtet. Die Folge: Wo immer unsere Zeitung auch nachfragte, ging alles auf Tauchstation: die Stadt, die schon 2004 160 000 Euro an Grundbesitzabgaben stundete, die Stiftungsaufsicht in Arnsberg sowieso.

Und der heutige Verwalter des verbliebenen Wohnungsbestandes, Hans-Georg Hovermann, unterstützt vom 2004 neu eingesetzten Stiftungsvorstand, Rechtsanwalt Harald Günther, warf mit Freude Nebelkerzen. Noch kein einziges Haus sei unter seiner Regie verkauft worden. Da waren die Verträge für den Verkauf von fünf Häusern an einen türkischen Investor längst unterschrieben.

Lesen Sie morgen:

Ist die Feldhoff-Stiftung noch zu retten?

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