Gräber

Kleinkrieg zwischen Gräberpflegern auf Dortmunder Friedhof

Nur eines der Gräber auf dem Südwestfriedhof, in dem ein Schild von Friedhofsgärtner Christian L. steckt und das so aussieht. Es komme immer wieder vor, dass Konkurrenten seine Firmenschilder in verwahrloste Gräber steckten, sagt dieser.

Nur eines der Gräber auf dem Südwestfriedhof, in dem ein Schild von Friedhofsgärtner Christian L. steckt und das so aussieht. Es komme immer wieder vor, dass Konkurrenten seine Firmenschilder in verwahrloste Gräber steckten, sagt dieser.

Foto: Stephan Schütze

Dortmund.  Auf einem Friedhof in Dortmund tobt wohl ein harter Konkurrenzkampf unter Friedhofsgärtnern. Ein Gräberpfleger spricht von einer "gezielten Kampagne".

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Verwahrloste Gräber auf dem Südwestfriedhof und keine Antwort auf Briefe und Anrufe: Laut der Genossenschaft der Friedhofsgärtner haben sich einige Kunden über Christian L. beschwert. Der Gräberpfleger spricht von einer "gezielten Kampagne" gegen sich - eine Friedhofsbesucherin hat beobachtet, dass ein Konkurrent Laub auf L.s Gräber wirft.

Udo Bieder (63) war erschrocken, als er das Grab seiner Eltern auf dem Südwestfriedhof besuchte. Es war verwahrlost. Eichensämlinge wuchsen bereits 20 Zentimeter hoch aus dem Boden. Dabei hat Bieder Friedhofsgärtner Christian L. mit der Grundpflege für zwei Gräber beauftragt. Für 228 Euro im Jahr.

Er habe nach seiner unerfreulichen Entdeckung mehrfach versucht, Friedhofsgärtner Christian L. anzurufen, erzählt Udo Bieder. Vergeblich. Weil auch das frühere Ladenlokal der Friedhofsgärtnerei seit Jahren geschlossen ist, habe er das Kündigungsschreiben für die Pflege per Einschreiben an die aktuelle Rechnungsadresse geschickt. Von der Post erfuhr er: "Man konnte die Kündigung nicht zustellen."

Anrufe und Briefe seien ignoriert worden

Udo Bieder wandte sich daraufhin an die Genossenschaft der Friedhofsgärtner und erhielt das Angebot, dass diese das Grab säubert und bis Ende des Jahres pflegt. Kostenlos. Das ist inzwischen geschehen.

"Unser Berufsstand kommt in Verruf", erklärt dazu Martin Struck, Geschäftsführer der Genossenschaft der Friedhofsgärtner. Deshalb habe der Vorstand beschlossen, "den betroffenen Leuten zu helfen und die Pflege bis Ende des Jahres kostenlos zu übernehmen." Die Firma von Christian L. sei "leider ein Dauerthema". Kundenanrufe auf Band oder Briefe an Christian L. seien ohne Reaktion geblieben.

"Bis Totensonntag ist alles tipptopp"

Unsere Redaktion hat Christian L. am Mittwoch zwei Mal angerufen und beide Male erreicht. Er bezeichnet die Vorwürfe als "Stimmungsmache"; denn er sei der einzige Friedhofsgärtner in Dortmund, der nicht der Genossenschaft angeschlossen sei.

Doch Christian L. räumt auch ein, dass er dieses Jahr mit der Pflege der ihm angedienten Gräber hinterherhinke, weil ein Mitarbeiter im Sommer ein Studium in Griechenland angefangen habe und die anderen Mitarbeiter sich nicht so gut auskennen würden. "Aber bis Totensonntag ist alles tipptopp."

Konkurrenten sollen Laub auf seine Gräber geworfen haben

Zudem habe er nur alte Bestandskunden, führt Christian L. an. Die Aufträge seien 25, die Kunden im Schnitt 75 Jahre alt. "Je älter, umso schwieriger werden sie. Die investieren nicht mehr." Sie hätten aber immer noch das alte Bild der Grabstelle vor Augen. Doch nach 25 Jahren seien der Boden verwurzelt und die alten Pflanzen nicht mehr schön. Da reiche eine Grundpflege eben nicht. Zudem komme es vor, dass Konkurrenten seine Firmenschilder in andere, relativ verwahrloste Gräber steckten. "Ganz gerne vor dem Wochenende."

Das kann man glauben oder nicht, aber tatsächlich kann seit dem Tod von Christian Ls. Vater und Vorgänger im Jahr 2009 von Friedhofsruhe auf dem Südwestfriedhof keine Rede sein. So berichtete am Mittwoch eine Friedhofsbesucherin unserer Redaktion, sie habe beobachtet, dass die Mitarbeiter eines Konkurrenten von Christian L. gezielt Laub auf eines der von ihm betreuten Gräber geworfen hätten.

Wer keine Rechnung zahlt, der bekommt keine Pflege

Doch Udo Bieder hat nicht wegen des Laubs die Grabpflege bei Christian L. gekündigt. Zur Frage, wieso er nicht auf Kündigungs-Einschreiben reagiere, meinte Christian L., so eine Abholkarte für Einschreiben könne auch schon mal "irgendwo dazwischen stecken" und verloren gehen.

Außerdem brauchten die Kunden doch gar nicht zu kündigen, weil es keine Verträge im eigentlichen Sinne gebe, sagt Christian L., der nach eigener Aussage rund 450 Aufträge für Grabpflege hat, die meisten davon auf dem Südwestfriedhof. Wenn der Kunde zu Anfang des Jahres die Rechnung nicht zahle, dann gebe es auch keine Pflege. So einfach sei das.

Doch darauf will sich Udo Bieder nicht verlassen und jetzt das Kündigungsschreiben selbst in den Briefkasten der aktuellen Rechnungsadresse werfen - unter Zeugen.

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