Hat die Stiftung noch eine Chance?

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In sechs Folgen unserer Serie "Ein Erbe zerfällt" haben wir den Niedergang der Heinrich-Feldhoff-Stiftung beschrieben. Sie wurde durch Misswirtschaft, Unvermögen, aber auch durch dubiose Machenschaften an den Rand des Ruins gebracht. Die letzte Folge bele

Nach unserem ersten Bericht im Oktober 2003 verlangte die Stiftungsaufsicht der Bezirksregierung die Ablösung des Vorstandes Dr. Andreas Gerling und Walter Dahms. Es gab massive Zweifel an den Bilanzen. Vor allem Zweifel daran, dass sie es schaffen könnten oder auch nur wollten, das Ruder noch einmal herumzureißen.

Ein Kritikpunkt: Dr. Gerling, der trotz mehrerer Anfragen für uns nicht zu sprechen war, mischte vieles durcheinander, was eigentlich trennscharf hätte auseinander gehalten werden müssen. Er war Stiftungsvorstand, als Rechtsanwalt auch Justitiar der Stiftung. Schließlich hatte er zum eigenen Nutz und Frommen auch noch eine Hausverwaltung, die nicht nur irgendwelche Häuser verwaltete, sondern auch die der Feldhoff-Stiftung.

Gerling war auch derjenige, der über seine Hausverwaltung Handwerker mit Sanierung und Reparaturen in den einstmals zur Stiftung gehörenden 16 Mietshäusern mit über 180 Wohnungen beauftragte. Es gibt massive Widersprüche zwischen dem, was für Unterhaltungsarbeiten ausgegeben worden sein soll und was tatsächlich ausgeführt worden ist. So ist dem Investor Vedat Akman, der gerade fünf Häuser der Stiftung erwarb, gesagt worden, in das Haus Mallinckrodtstraße 217/219 seien 360 000 E für Renovierungen geflossen. Akman: "Da sehen Sie keine Investitionen für 100 000 E." Wo ist das Geld geblieben?

Die Stiftungsaufsicht verlangte seinerzeit aber nicht nur die Auswechslung des Vorstandes, sondern auch ein Sanierungskonzept. Damit wurde die renommierte Wirtschaftssozietät "Rölfs Partner" beauftragt, die auch schon dem BVB wieder auf die Beine half. Das Ergebnis im November 2004 hörte sich dramatisch genug an: Umgehender Verkauf mehrerer Häuser, um von den Erlösen die immensen Schulden zu reduzieren. Der Schuldenstand damals: 5,6 Mio. E. Der theoretische Buchwert des Immobilienbestandes: 5,85 Mio. E.

Das von "Rölfs Partner" damals gesetzte Zeitziel für den Häuserverkauf: zweites Quartal 2005. Bis dahin wurde aber tatsächlich nichts verkauft. Die Schulden wuchsen. Auch wurde der Preis nicht realisiert, der für die jetzt an Akman veräußerten fünf Objekte als Wert in der Bilanz 2002 standen: 3,1 Mio. E. Akman verriet nur einen "siebenstelligen" Kaufpreis. Schon die Bewertung der verkauften Objekte durch "Rölfs Partner" sieht 2004 ganz anders aus als die des Steuerberaters der Stiftung: nicht 3,1 Mio. E, sondern lediglich 1,3 Mio. E.

Nordstadt macht Verkäufe nicht leicht

"Rölfs Partner" müssen damals vorhergesehen haben, dass der Verkauf nicht so leicht zu machen sein würde. Deshalb schlugen sie gleichzeitig eine "alternative Vorgehensweise" vor. Ohne Verkauf sei "eine positive Fortführungsprognose nach unserem Darfürhalten nicht zu gewährleisten." Was also tun?

Antwort im Originalton von "Rölfs Partner": "Dementsprechend sollte die Stiftung dann unter freihändiger Veräußerung sämtlicher Immobilien möglichst kurzfristig abgewickelt werden, um weiteren Schaden von den Beteiligten (#1#20) abzuwenden."

Darauf läuft zur Zeit alles hinaus. Obwohl Hausverwalter Hans-Georg Hovermann der Redaktion sagte, man wolle die "Abwicklung" nicht, hat in Wirklichkeit wohl niemand mehr Interesse daran, weiterhin am Totenbett der Stiftung zu verharren. Schon gar nicht mit Wiederbelebungsversuchen.

Die caritativen Verbände, die über Jahre reichlich bedient wurden, haben die Stiftung ohnehin längst aufgegeben. Seit 2000 gibt es keine Ausschüttungen mehr. Die AWO, die über 460 000 DM kassierte, hat sich zumindest bereit erklärt, die nächsten fünf Jahre Grabpflege und Gebühren für die Familiengruft Feldhoff auf dem Südwestfriedhof (Feld 23A, Grab 561-567) zu übernehmen.

Manfred von Kölln, Geschäftsführer der Caritas, ist seit 1990 Mitglied des Stiftungskuratoriums. Ein Zufall, dass die Caritas beim Geschenkesegen am besten abschnitt? Sie bekam insgesamt rund 800 000 DM. Auch noch, als Geld besser in die Rücklagen gewandert wäre, um den Niedergang des heute maroden Wohnungsbestandes aufzuhalten. Von Kölln lehnte es ab, mit uns darüber zu reden.

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