Feldhoff-Mieterin ist dem Chaos treu

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Rita Czichowski lebt seit 1957 an der Evertsraße 1, ist gar schon seit 1956 Mieterin in Feldhoff-Häusern. Sie kannte und schätzte den Baumeister Heinrich Feldhoff; doch seit die Stiftung die Häuser verwalte, sei der Niedergang ein unaufhaltsamer. "Wü

Das Haus Evertstraße 1/Mallinckrodtstraße 317 hat seine Blütezeit hinter sich. Mit dem Grau der Fassade könnte Rita Czichowski leben - auch wenn eine freundlichere Farbe zum Lebensqualität beitragen würde. Ihre Wohnung indes gleicht einer Insel: sauber und gepflegt, wie es niemand vermutet, der das zerschundene Treppenhaus begeht. Die 75-Jährige ist dort wie im Hof beinahe an Müll gewöhnt. Dass sie die Einzige ist, die mal wische: normal.

"Aber über meine Etage hinaus nach oben geh' ich nicht mehr: Da liegen tote Tauben." Tatsächlich! Der Weg hinauf zu den Kadavern verdeutlicht den Niedergang des einst schmucken Stadthauses: Löcher klaffen in den Treppenhauswänden, Putz bröselt. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte Ex-Stiftungsvorstand, Rechtsanwalt Dr. Andreas Gerling, lapidar: "Herr Feldhoff hat uns leider nur alte Bausubstanz hinterlassen" Dem Baumeister werde extreme Sparsamkeit nachgesagt: Er habe gern ein Löffelchen Sand zu viel untergemischt... Rita Czichowski ist entsetzt über "diese arroganten Erben", denen jeglicher Respekt fehle.

Sie zeigt stolz ihr kleines, blau gekacheltes Bad, ihre Einbauküche, den Kachelofen, die Eckbank: "Das hat alles mein Mann selbst gemacht", schwelgt sie in Erinnerungen. Nein, die Frau möchte nicht wegziehen! Allein der Gedanke quält sie. "Wo hätt' ich das alles, wenn ich umzieh'?" Nur deshalb habe sie das Chaos im Haus ertragen, in dem "man teils nicht mehr wusste, wer hier wohnte oder nur mal eine leere Wohnung als Unterschlupf nutzte". Sie zeigt auf zerbrochene Scheiben an Etagentüren: "Polizei hatten wir oft hier." Als ihr Mann noch gelebt habe, habe der vieles repariert. Nun tue niemand mehr was. "Da, das Treppenhausfenster, haben wir Mieter mit Mülltüten zugeklebt, damit nicht noch mehr Tauben reinfliegen."

"Ist es rechtens, dass eine Stiftung das Erbe veräußert?"

2004 habe sie geglaubt, dass mit der neuen Hausverwaltung Hovermann wieder mehr Ordnung einziehen würde: "Die leeren Wohnungen hat er entmüllt." Ein erster Lichtblick nach Jahren - aber dabei sei's auch geblieben. "Als damals ein Beamter der Stiftungsaufsicht aus Arnsberg im Haus gewesen sei, hat er bedauert, nicht wirklich was tun zu können. Er meinte, das sei die erste Stiftung, die in Konkurs geführt würde."

Gerade erst habe sich ein Mann als neuer Besitzer des Hauses gemeldet. "Dabei hieß es von der Stiftung, dass dieses Haus nicht verkauft werden solle, weil es sich trage. Ist das überhaupt rechtens, dass eine Stiftung das Erbe veräußert? Und wo ist das Geld vor Jahren geblieben, als Häuser an der Gneisenau- und Lützowstraße verkauft wurden?"

Sie fühlt sich Feldhoff verpflichtet: "Spätestens wenn ich ausziehe, ist der doch endgültig vergessen!" Sie räumt ein, auch Feldhoff habe stets nur das Nötigste repariert: Aber er hat was für die Nordstadt tun wollen." Sie höre ihn wie heute sagen: "An meinem Habe wird niemand was verdienen. Alles kommt denen zu Gute, die sich selbst nicht helfen können!"

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