Feste Größe im Kreuzviertel

Ein Hauch von Flower-Power

Foto: WR RALF ROTTMANN

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Der „Aktionskreis kritischer Kinderladen” feiert seinen 40. Geburtstag.

1969 - ein Jahr, das Geschichte geschrieben hat. Ob Flower-Power, erste Mondlandung oder Studentenunruhen: Ereignisse, die die Welt bewegten. „Auf zu Neuem”, das Lebensgefühl einer ganzen Generation.

Und eine Auffassung, der sich auch junge Eltern anschlossen. Das Alte hinterfragen, es kritisch unter die Lupe nehmen und nachhaltig zu verändern, war das Anliegen einer Handvoll Dortmunder, allesamt Studierende mit Nachwuchs. Sie lehnten ab, was gängige Praxis war: Kindergärten, die ausschließlich Fünfjährige besuchen durften und die lediglich als Verwahranstalt dienten. Vater Bernd Ammermann erinnert sich an damals: „Wir wollten unsere Kinder entgegen den üblichen Erziehungsrichtlinien zu mehr Selbstständigkeit erziehen.”

Als „Spinner” wurden die Eltern bezeichnet

Eine neuartige Betreuungseinrichtung musste her, eine, die speziell auf die Bedürfnisse der Kleinsten zugeschnitten war. Eine prominente Fürsprecherin fanden die jungen Eltern in keiner geringeren als der damaligen Dozentin der Universität und der späteren Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süßmuth. Sie unterstützte die Gründung eines Kindergartens, der sich den Namen „Aktionskreis kritischer Kinderladen” (AKK) gab und in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert.

Einfach sei die Anfangszeit nicht gerade gewesen: „Spinner hat man uns genannt”, sagt Bernd Ammermann. Gehört hat er nicht auf die Unkenrufe - Unberirrbar setzten die Mütter und Väter ihre Aufbauarbeit fort. Ein umgebautes Ladenlokal im Kreuzviertel wurde gefunden, Erzieher eingestellt und fertig war der Kinderladen!

Das Konzept: „Kinder sollten sich auch im jungen Alter ernst genommen fühlen. 'Geht nicht, verstehst du nicht', sind keine altersgerechten Antworten”, erklärt Bernd Ammermann. Vierzig Jahre später hat sich an dieser Einstellung nicht viel geändert: „Regeln stellen wir nicht einfach auf - wir besprechen sie”, sagt Erzieherin Silke Aßmann. Der Begriff „anti-autoritär” ist ihr dabei ein Dorn im Auge: „Man könnte dann vorschnell annehmen, dass wir den Kindern alles durchgehen lassen”, so ihre Vermutung.

Als offenes Haus sei der Kinderladen gedacht: „Eltern sind in unsere Arbeit immer mit integriert.” Nicht nur theoretisch bei den regelmäßigen Elternabenden: Wäsche waschen, Fahrdienste anbieten, Renovierungs- oder Reinigungsarbeiten übernehmen, gehören zum ehrenamtlichen Pflichtprogramm. Die Eltern bereuen es nicht: „Es sind Freundschaften entstanden, die auch lange nach der Kindergartenzeit noch halten”, sagt Bernd Ammermann.

Er erinnert sich gerne an jene Zeit zurück, als er und seine Frau im monatlichen Wechsel bis zu fünf Kinder an einem Nachmittag betreut haben. „Ein Erlebnis”, sagt er schmunzelnd, bei dem man viel vom eigenen Familienleben preisgegeben habe.

Der AKK: Eine Erfolgsgeschichte, die in der dieser Form wohl einzigartig ist. 35 Kinder werden von fünf Erzieherinnen betreut. Man sei gut aufgestellt, bestätigt Silke Aßmann. Sie freut sich, dass diese vergleichsweise kleine Einrichtung ihren festen Platz in der Stadt gefunden hat.

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