Zwei Kugeln im Körper

Dortmunder schießt mit Luftgewehr auf Taube im Kreuzviertel

An der Sonnenstraße wurde diese Stadttaube angeschossen.

An der Sonnenstraße wurde diese Stadttaube angeschossen.

Foto: Silke Schneider

Dortmund.  Tauben sind bei vielen Stadtbewohnern unbeliebt. Ein Dortmunder schoss mit einem Luftgewehr auf eine Taube. Nun ermittelt die Polizei.

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Hartnäckiger Taubenschiss verschandelt das Stadtbild Dortmunds. Beim Kampf gegen die von vielen ungeliebten Vögel in entnervter Bürger hat im Kreuzviertel zu einem verbotenem Mittel gegriffen: Er schoss mit einem Luftgewehr auf eine Taube und verletzte sie schwer. Nun ermittelt die Polizei.

Vor allem im Innenstadtbereich und am Brackeler Hellweg/Ecke Leni-Rommel-Straße irren die "Ratten der Lüfte", wie sie mancher beschimpft, umher. Das bestätigt die Stadt Dortmund auf Anfrage. So auch an der Sonnenstraße.

In Höhe der Hausnummer zwei bis sechs hat ein Unbekannter Ende Juli (Samstag, 29. 7.) mit einem Luftgewehr auf eine Stadttaube geschossen. Das haben Röntgenaufnahmen bestätigt. Die Stadttaube überlebte den Schuss. Silke Schneider, die sich selbst als Tierrechtlerin bezeichnet, nahm die verletzte Stadttaube an sich und brachte sie in die Tierarztpraxis von Dr. Neumann-Aukthun nach Ense, eine Kleinstadt am Rand des Sauerlands. Schneider vermutet, dass der Täter sich durch den Taubendreck belästigt fühlte und die Taube loswerden wollte.

Tierschützerin nimmt sich Tauben an

Schneider kümmert sich seit Februar um Stadttauben in Dortmund, sie baute dazu auch die Facebook-Seite "Grey Pigeon Dortmund" auf. Angefangen hat sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit mit Aufklärungsarbeit über die Stadttaube. Mittlerweile wird sie zusätzlich von Bürgern gerufen, wenn irgendwo Stadttauben verunglückt sind.

Die Krallen der Tauben sind laut Schneider oftmals so verschnürt, dass die Tiere sich nicht mehr bewegen können. Schuld sind Haare und lose Fäden aus der Kleidung, in denen sich die Tauben verfangen. Silke Schneider nimmt die verletzten Tauben dann an sich und bringt sie zum Tierarzt. So auch die Taube am 29. Juli.

Kugel im Flügel

In der Praxis von Dr. Neumann-Aukthun in Ense stellte sich heraus, dass die Stadttaube angeschossen worden war. Sie wurde von zwei Luftgewehrkugeln, sogenannten Diabolos, getroffen. Einer befand sich im Flügel, der andere im Körper zwischen Schulterblatt und Bauchraum. "Wir haben öfter angeschossene Tauben in Behandlung. Dass eine Taube aber von zwei Kugeln getroffen wurde, habe ich so noch nicht gesehen", sagt Dr. Neumann-Aukthun. Die Kugel im Flügel konnte entfernt werden. Die andere saß zu tief. Die Taube wird mit ihr weiterleben müssen.

Anfang August erstattete Silke Schneider Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei. Polizeisprecherin Nina Vogt bestätigte die Anzeige. Sie vermutet in dem Fall einen Verstoß gegen das Tierschutz- und Waffengesetz sowie eine Sachbeschädigung.

Eine Anzahl an Vorfällen, bei denen auf Stadttauben geschossen wird, könne die Polizei Dortmund indes nicht nennen: Das Schießen auf eine Taube wird nicht gesondert aufgenommen, sondern gilt als Sachbeschädigung.

Geburtenkontrolle und betreute Taubenschläge bessere Alternativen

Silke Schneider sagt, sie könne den Ärger um Taubenkot verstehen. Sie hat Vorschläge zur Lösung des Problems. Eine Lösung könnte die Geburtenkontrolle sowie der betreute Taubenschlag sein. Bisher gibt es einen Taubenturm am Stadtgarten, in dem 35 Taubenpärchen unterkommen können.

Erika Scheffer vom Tierschutzverein Groß-Dortmund bestätigt auf Anfrage, dass betreute Taubenschläge Abhilfe schaffen würden: "Die Stadttauben würden sich aus dem Stadtgebiet zurückziehen, weil sie sich 80 Prozent der Zeit in den Taubenschlägen aufhalten und dort brüten würden."

Auch Taubenschiss könnte verhindert werden

Positiver Nebeneffekt: Es gäbe weniger durchfallartigen Taubenschiss, weil die Tauben in den Schlägen artgerechtes Futter und sauberes Wasser erhalten. Das bestätigt auch Tierärztin Neumann-Aukthun: "Im Normalfall besteht der Taubenkot aus einem grünen Kringel mit einer weißen Haube und hat oftmals eine Feder oben drauf."

Der grünlich dünne Kot der Stadttauben könne mehrere Gründe haben: Darmparasiten, Hungerkot durch zu wenig Futter, eine falsche Ernährung oder auch Salmonellen, die für den Menschen aber nicht ansteckend seien.

Gipseier sind "die einzig zulässige Methode"

Wenn Silke Schneider von Privatleuten angefragt wird, macht sie die Nester der Stadttauben ausfindig und tauscht die echten Eier gegen künstliche aus, um die Taubenpopulation einzudämmen. "Das", sagt sie, "erfolgt alles in Absprache mit der Stadt, dem Ordnungsamt und dem Veterinäramt. Auf eigene Faust unternehmen wir nichts."

Ein Stadtsprecher teilte auf Anfrage mit, dass das Veterinäramt in der Bindung der Tauben an Taubenschlägen sowie dem Austausch der Eier gegen Gipseier "die einzig zulässige Methode" zur Eindämmung der Population sehe. Zu Silke Schneider äußerte sich der Stadtsprecher nicht konkret, bestätigte aber eine private Initiative, die sich des Themas Stadttauben annehmen möchte.

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