Mehrere Brände

Dortmunder Rittergut wird zwangsversteigert – mit Brandruine

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Das Rittergut Haus Steinhausen in Dortmund-Holzen soll zwangsversteigert werden. 1999 brannte das frisch sanierte Herrenhaus ab, 2015 brannten Wehrturm und Torhaus (hier im Bild).

Das Rittergut Haus Steinhausen in Dortmund-Holzen soll zwangsversteigert werden. 1999 brannte das frisch sanierte Herrenhaus ab, 2015 brannten Wehrturm und Torhaus (hier im Bild).

Foto: Katrin Figge

Dortmund.  600.000 Euro für ein Rittergut im idyllischen Dortmunder Süden? Klingt gut – wenn da nicht mehrere „Abers“ wären. Ein Problem ist der Lärm.

Es steht kein guter Stern über dem Haus Steinhausen in Holzen: Nach zwei verheerenden Bränden 1999 und 2015 wird das uralte, denkmalgeschützte Rittergut im Dortmunder Süden zwangsversteigert. Verkehrswert: 600.000 Euro.

Der markante Wehrturm entstand 1628, die Geschichte des Rittergutes dürfte allerdings viel weiter zurückgehen. In den 90ern wurde die Anlage aufwendig saniert, aber schon 1999 brannte das große Herrenhaus komplett ab. Damals stand der damalige Besitzer vor Gericht. Seit dem Brand stehen nur noch die mächtigen Grundmauern des alten Wohnhauses. Als Ersatz wurde ein neues Wohnhaus an den Stall angebaut.

2015 brannte es erneut: Es traf den sanierten Wehrturm, das angrenzende Torhaus und die Remise. Brandursache: unklar. Seitdem wird der markante Stufengiebel-Turm nur von einem Behelfsdach geschützt.

Zwei Brände auf Gut Steinhausen binnen sechs Jahren

2016 sollte der Gutshof offenbar weiterverkauft werden – zumindest findet sich im Internet eine alte Immobilienanzeige, die als Kaufpreis 390.000 Euro angibt. Darin hieß es unter anderem: „Dachstuhl letztes Jahr abgebrannt, aktuell Übergangsdach, Mauerwerk unbeschädigt“. Zum Wohnhaus hieß es damals: „Als stilgerechter Anbau an die Stallungen befindet sich auf dem Grundstück ein bezugsfertiges Einfamilienhaus mit 100qm Wohnfläche.“

Der Zustand des Wohnhauses ist laut Gutachten äußerlich in Ordnung. Es sei aber unklar, ob das Gebäude überhaupt dort stehen darf – wegen des Denkmalschutzes war der Anbau womöglich illegal. Der Zustand der anderen Gebäude sei stark sanierungsbedürftig, die Brandruinen gelten teils als einsturzgefährdet. Ob die Gebäude überhaupt wieder „denkmalwürdig“ aufgebaut werden können sei fraglich.

Rittergut sanierungsbedürftig und teils einsturzgefährdet

Das komplette Gebäudeensemble steht unter Denkmalschutz – als Bau- und Bodendenkmal. Im Einzelnen gehören dazu: Herrenhaus, Wohnturm, Torhaus, Steinbrücke zum Torhaus und mehrere Bruchstein-Fundamente. Dazu gibt es noch mehrere Ställe und Unterstände auf dem Gelände.

Wer das Haus Steinhausen kauft, muss sich der Probleme des Denkmalschutzes bewusst sein, warnt Stadtsprecher Christian Schön. Das sei leider nicht immer so: „Oft werden Kosten und Auflagen unterschätzt, und am Ende wird das Gebäude wieder verkauft.“ Die Stadt Dortmund könne nur beraten – kaufe aber nicht selbst. Und ein solches Objekt einfach von der Denkmalliste zu streichen sei nicht leicht, erklärt der Stadtsprecher.

Dortmunder „Haus Steinhausen“ grenzt direkt an die A1

Das 40.000 Quadratmeter große Grundstück ist als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen, liegt mitten im Landschaftsschutzgebiet und ist von Feldern und Wiesen umgeben. Eigentlich ein Traumgrundstück im idyllischen Grünen – mit einem großen Aber: Es grenzt direkt an die A1. Auch die A45 und das Westhofener Kreuz sind nur 500 Meter entfernt. Der Lärm ist deutlich hörbar. Außerdem führt eine Hochspannungsleitung über das Gelände.

Der Versteigerungstermin für Haus Steinhausen ist am 11. August, sofern er bis dahin nicht aufgehoben wird. Vielleicht finden sich ja Interessierte mit viel Liebe für das markante Rittergut im Dortmunder Süden – und mit einem großen Geldbeutel.

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