LEG-Wohnung

Dortmunder Familie verbringt Silvester und Neujahr ohne Strom

Frustriert wartet die Familie vor dem leeren Kühlschrank auf Hilfe. Licht bringt nur der Blitz des Fotografen.

Frustriert wartet die Familie vor dem leeren Kühlschrank auf Hilfe. Licht bringt nur der Blitz des Fotografen.

Foto: Oliver Schaper

Wellinghofen.  Einen langen Jahreswechsel ohne Strom mussten LEG-Mieter mit zwei kleinen Kindern in Dortmund erleben. Der Notruf der Wohnungsgesellschaft versprach bereits an Tag eins schnelle Hilfe. An Tag drei wartete die Familie noch immer.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Kein Festessen, kein Lieblingsfilm, kein kühler Sekt oder warmer Punsch: Der Jahreswechsel fiel bei Familie Mlynarski in Wellinghofen diesmal eher traurig aus. Seit Silvestermorgen musste die vierköpfige Familie in ihrer Wohnung an der Silberhecke 35 ohne Strom auskommen. Fast drei lange Tage, bis Dienstagnachmittag.

Unter der Reparatur-Hotline der LEG, zu deren Bestand das Mehrfamilienhaus mit sieben Parteien gehört, versprachen die Servicemitarbeiter den Mlynarskis bereits am Sonntag um 10.40 Uhr Hilfe. Es geschah aber nichts. Nach vielen weiteren Runden in der Warteschleife stellte man die verzweifelten Eltern irgendwann tatsächlich an den Strom-Notfalldienst weiter, wie Ewelina Mlynarski erzählt. „Es werde jemand kommen, hieß es. Man könne uns aber nicht sagen wann.“ Seit dem Gespräch traute sich die Familie aus Angst, den Techniker zu verpassen, nicht mehr aus dem Haus. Um die verängstigten Kinder abzulenken beispielsweise oder einfach mal irgendwo einen heißen Tee zu trinken.

Wenn nichts passiert, darf der Mieter handeln

Spätestens am Abend hätten die Mieter selbst jemanden beauftragen und die Kosten mit der Miete verrechnen können, erklärt Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins. „Ersatzvornahme nennt sich das.“

Aber Ewelina und Sebastian Mlynarski dachten ja, jeden Moment käme Hilfe. „Ich kann nicht einmal Milch für meine Kinder warm machen“, sagte die Mutter. Die Verzweiflung schwang mit. Im Kühlschrank erwärmten sich die guten Lebensmittel für den Feiertag, der Gefrierschrank taute ab. Die Familie verbrachte die meiste Zeit im Dämmerlicht. „Kerzen sind uns wegen der Kinder zu gefährlich.“ Natürlich waren auch die Akkus der Handys durch die Daueranrufe bei der Hotline schnell leer. Nachbarn sorgten für neue Ladung und etwas Trost. Wenigstens waren Heizung und Warmwasser nicht von dem Ausfall betroffen.

Abgeschoben in die Warteschleife

„Wir haben immer wieder bei der LEG angerufen, aber man hat uns einfach zurück in die Warteschleife gestellt.“ Wie ein Hohn wirkt da das blaue LEG-Schild im Hausflur mit der Überschrift „Ihr direkter Draht zu uns!“, das 24-Stunden lang „Soforthilfe“ verspricht. Ratlos fragte das Ehepaar beim lokalen Stromversorger DEW21 um Hilfe an. Ohne Auftrag des Eigentümers konnte aber auch DEW nichts unternehmen.

Am Dienstag schließlich, dem ersten Arbeitstag im neuen Jahr, erreicht das Paar den technischen Notdienst. Der Mitarbeiter sagt, über die Feiertage hätten sie nicht gearbeitet. Was das denn für ein Notdienst sei? Der gelte nur für wichtige Fälle. Wichtige Fälle? „Wenn es brennt zum Beispiel“, lautete die Antwort. Fälle also, in denen eindeutig die Feuerwehr zuständig ist.

Familie verbringt Tage wartend zuhause

So vergingen im Mietshaus an der Silberhecke Stunden und Tage mit der Hoffnung auf Hilfe. Ewelina Mlynarski: „Wir müssen zuhause warten und können nicht einmal zu Freunden ausweichen, weil wir nicht wissen, ob jemand kommt.“

Am Dienstagmorgen sind die Eltern mit den Nerven am Ende. Vor 8.30 Uhr ist es in der Wohnung zu dunkel, um überhaupt in den Tag zu starten. Der Vierjährige bekommt nicht seine warmen Cornflakes am Morgen und es wird wieder kein warmes Mittagessen geben. Und auch kein Fernsehen, kein Internet, kein Radio. „Es sind viele Kleinigkeiten, von denen man aber abhängig ist. Gottseidank haben wir liebe Nachbarn, die uns helfen.“

Endlich Hilfe und eine lapidare Entschuldigung

Um 14.45 Uhr am Dienstag endlich lässt die LEG den Schaden reparieren, ein Kurzschluss in der Zuleitung des Zählerkastens, schnell behoben. Der Elektriker sagt, er habe den Termin neu als Notfall ab 14 Uhr auf dem Plan gehabt. Da war der Notfall fast drei Tage alt.

„Für den Stromausfall entschuldigen wir uns vielmals – und auch für die internen Kommunikationsprobleme, die über den Jahreswechsel zwischen unserem Serviceteam und dem Notdienst entstanden sind“ , schreibt die LEG-Pressestelle knapp. Ob mehrere Teams aneinander vorbeigeredet haben oder was genau schieflief, kann auch Pressesprecherin Judith Gillies auf Nachfrage nicht erklären. Die Hauptsache aber ist: Es wird wieder hell um die kleine Familie. Nun sind auch sie endlich angekommen im neuen Jahr. Sie stellen den Kühlschrank hoch, schließen die Ladegeräte an, atmen durch und halten fest: „Silvester war nicht schön.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (3) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik