Dieselfahrverbot

Dortmund: Ruhrallee wird zur Tempo-30-Zone

Wissen auf einen Blick: Was genau ist Stickstoffdioxid?

Überhöhte Stickstoffdioxid-Werte sorgen immer wieder für Ärger. Aber was genau ist Stickstoffdioxid? Die Erklärung gibt es im Video.

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Dortmund/Münster.   Im Streit mit der Umwelthilfe wird es in Dortmund kein Dieselfahrverbot geben. Statt dessen plant die Stadt unter anderem eine Umweltspur.

Der Streit um zu hohe Stickoxidwerte in Dortmund wird es keine Diesel-Fahrverbote geben. Das hat das Oberverwaltungsgericht in Münster am Mittwochmittag bekannt gegeben. Die Stadt Dortmund und die Deutsche Umwelthilfe haben dem Ergebnis einer Schlichtung zugestimmt, teilte das OVG mit.

Um Fahrverbote für ältere Diesel-Fahrzeuge zu verhindern werde die Stadt Dortmund verschiedene ändere Verkehrseinschränkungen vornehmen, berichtete das OVG:

  • Auf der Ruhrallee soll der Verkehr auf Tempo 30 gedrosselt werden
  • Auf der Brackeler Straße soll in den kommenden Wochen eine Umweltspur eingerichtet werden
  • Im Bereich zwischen dem Borsigplatz und der Straße "Im Spähenfelde" werde die Straße zur Tempo-30-Zone - aber nur für etwa 200 Meter
  • Das Lkw-Fahrverbot auf der B1 wird verschärft und gilt künftig rund um die Uhr auch für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen Gesamtgewicht

Ampelsteuerung soll verändert werden

Im Detail soll der Verkehr auf der Ruhrallee auch dadurch gesenkt werden, dass die Signalsteuerung der Fußgängerampeln auf der Kreuzung Ruhrallee/Rheinlanddamm so eingestellt werde, dass sich keine 'grüne Welle' mehr ergebe, heißt es in der Mitteilung des OVG. Dies gelte in Fahrtrichtung Innenstadt.

Die Umweltspur dürften nur Linienbusse, Elektrofahrzeuge und Radfahrer nutzen, heißt es in dem Verkehrskonzept. Alle anderen Fahrzeuge müssten die dann übrigbleibende mittlere Fahrspur nutzen. Ausnahmen gelten nur an den Einmündungen zur Lünenere Straße und zur Straße Im Spähenfelde auf der Nordseite der Brackeler Straße.

Monatliche Mitteilungen an die Deutsche Umwelthilfe

Die Stadt erhoffe sich durch Umweltspur und Tempo-30, dass sich der Verkehr auf der Brackeler Straße im genannten Bereich um ein Fünftel verringere; das hätten Modelrechnungen ergeben, berichtete das OVG. Das Landesamt für Umwelt werde dazu einen Messcontainer reaktivieren, um den Verkehr zu zählen. Ergebnisse würden der Deutschen Umwelthilfe monatlich mitgeteilt.

Lastwagen dürfen künftig auch tagsüber zwischen A40 und A44 die Stadt nicht mehr über die B1 passieren. Sie werden über die Autobahnen A1, A2 und A45 entsprechend umgeleitet. Die dafür nötigen Schilder werden entsprechend verändert, teilte die Stadt mit.

Dortmund: Gesamtkonzept zur Luftreinhaltung umfasst 17 Seiten

Insgesamt umfasse das Gesamtkonzept zur Verbesserung der Luftqualität 17 Seiten, berichtete das OVG. Es seien nicht nur kurzfristige, "sondern auch mittel- und langfristige Maßnahmen" vorgesehen, um die Umweltbelastung auf den Straßen in Dortmund zu verringern. Als weitere Maßnahmen sieht das Konzept unter anderem vor:

  • Ein Marketing-Konzept für die städtischen P+R-Anlagen, um mehr Pendler zum Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn zu bewegen
  • Umstieg auf E-Autos: Die Stadt will den Anteil von Pkw mit Elektroantrieb in ihrem Fuhrpark im Jahr 2022 auf 80 Prozent ausweiten. Bisher sind 31 Autos in Betrieb, Ende 2020 sollen es 76 Fahrzeuge sein
  • Städtische Nutzfahrzeuge sollen überwiegend den Euro-6-Standard erfüllen
  • Die Stadt will mehr Taxis mit E-Antrieb auf die Straßen kriegen und plant dafür unter anderem bis Ende 2021 Schnell-Ladesäulen am Hauptbahnhof ausbauen
  • Zudem sollen zu den bisherigen 180 Stromladesäulen im Stadtgebiet weitere 400 hinzukommen, die meisten davon bis Ende 2021
  • Auch für die Linienbusse der DSW21 sollen einige E-Fahrzeuge beschafft werden
  • Besondere Ticketvergünstigungen wie Gratis-Drei-Montagstickets für Neubürger und Gratis-Zwei-Monatstickets für Ältere, die ihren Führerschein abgegeben sollen weitergeführt werden
  • Arndt- und Nordstraße sollen als zwei wichtige Fahrradachsen in der Innenstadt im Jahr 2021 als Fahrradstraßen ausgebaut werden
  • Die Stadt will bis Ende 2021 zusätzlich 1000 Fahrradbügel in der Innenstadt einrichten
  • Die Zahl der Autoparkplätze in der Innenstadt wird weiter reduziert

Dieselfahrverbot: Schlichtungsgespräche zu Oberhausen, Gelsenkirchen und Bochum im Februar

Auch mit Vertretern der Stadt Bonn hatte es am 14. Januar Vergleichsverhandlungen gegeben. Das Ergebnis verkündet das OVG am Donnerstag.

Überhöhte Stickstoffdioxid-Werte (NO2) sind der Grund für Fahrverbote für ältere Diesel in Stuttgart, Hamburg und Darmstadt. Andere Städte könnten folgen, wenn der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel nicht eingehalten wird. In Dortmund und Bonn wurde der Grenzwert in den zurückliegenden Monaten immer mal wieder überschritten.

Stadt Essen startet "umweltsensitive" Ampelschaltung

Am 11. Februar stehen Gespräche für die Städte Wuppertal und Hagen an. Einen Tag später geht es um Oberhausen, Gelsenkirchen, Bochum, Bielefeld, Paderborn und Düren.

In Essen sollen unterdessen ab Februar erste Maßnahmen starten, die Luftqualität zu verbessern. Auf der viel befahrenen Alfredstraße soll eine intelligente Ampelschaltung helfen, dass der Verkehr besser fließt. Diese sogenannten umweltsensitive Signalsteuerung ist zentraler Bestandteil des Vergleichs, den die Stadt Essen und das Land NRW mit der Deutschen Umwelthilfe vor dem OVG in Münster im vergangenen Jahr geschlossen hatten. (dae/mit dpa)

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