Totschlags-Prozess

Dortmund: Frauenleiche in Koffer - Angeklagter schweigt

Weil er im Sommer 2019 seine Ehefrau getötet haben soll, wird am Dortmunder Schwurgericht nun gegen einen 24 Jahre alte Afghanen verhandelt (Symbolbild).

Weil er im Sommer 2019 seine Ehefrau getötet haben soll, wird am Dortmunder Schwurgericht nun gegen einen 24 Jahre alte Afghanen verhandelt (Symbolbild).

Foto: Oliver MÜLLER / WAZ FotoPool

Dortmund.  Sechs Monate nach dem Fund einer Frauenleiche in einem Koffer beginnt der Prozess. Der Angeklagte schweigt. Er soll seine Ehefrau getötet haben.

Der 24-jährige Angeklagte verbirgt sein Gesicht hinter einem roten Aktendeckel, als er in den Gerichtssaal geführt wird. Müde sieht der zuletzt in Zwickau lebende Afghane aus, als die Richter seine Personalien aufnehmen. Und während der anschließenden Verlesung der Anklage blickt der Mann nur stumm geradeaus. „Er will keine Angaben zur Sache machen“, teilt sein Verteidiger Christian Isselhorst am Montag zum Prozessbeginn mit. Das gelte auch für den bisherigen Lebensweg und die Frage, wie die Ehe bisher verlaufen war.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seine Ehefrau Ende Juli in Dortmund brutal getötet zu haben. 76 Stichverletzungen zählten die Rechtsmediziner bei der Obduktion der Leiche. Darüber hinaus muss der Täter sein Opfer auch mit einem Schnürsenkel stranguliert haben. Die Leiche wurde zwei Tage nach der Tat in einem Koffer gefunden, den vermutlich der Täter in einer Garage abgestellt hatte.

Blutlache auf dem Wohnzimmerboden

Als die Polizei zum ersten Mal in die mutmaßliche Tatwohnung gerufen wurde, fehlte von dem toten Körper noch jede Spur. Ein Freund der Wohnungsinhaberin hatte die Beamten alarmiert, weil er auf dem Boden des Wohnzimmers eine große Blutlache entdeckt hatte. Bei der Mieterin der Wohnung handelte es sich um eine Freundin der Ehefrau des Angeklagten. Bei ihr hatte die junge Afghanin schon mehrere Wochen gewohnt, nachdem es unter den Eheleuten offenbar einen heftigen Streit gegeben hatte.

In der Wohnung befanden sich damals auch die beiden Kinder der Mieterin. Auf diese hatte die Afghanin aufpassen sollen. Offenbar haben das fünfjährige Mädchen und der neun Jahre alte Junge so gut wie nichts von der Auseinandersetzung und der Bluttat mitbekommen. Der Junge soll später jedoch einer Polizistin von einem „Onkel“ erzählt haben, der ihn in seinem Zimmer eingeschlossen habe. „Der Onkel hatte ganz viele rote Punkte im Gesicht“, gab die Polizistin am Montag die Worte des Kindes wieder. Wahrscheinlich handelte es sich bei den Punkten um Blutspritzer.

Blutspuren in der ganzen Wohnung

Neben der großen Blutlache im Wohnzimmer fanden sich Blutspuren auch an zahlreichen anderen Orten der Wohnung. An den Wänden, an der Wohnungstür und an den Fenstern. Das Opfer war nach Erkenntnissen der Rechtsmediziner tatsächlich verblutet, nachdem die Messerklinge zahlreiche schwere innere Verletzungen verursacht hatte.

Die Staatsanwaltschaft hat den 24-Jährigen wegen Totschlags angeklagt. Aktuell sei keines der Mordmerkmale sicher nachzuweisen, heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft. 76 Messerstiche seien für sich genommen kein Merkmal, das aus einem Totschlag einen juristischen Mord werden lasse. Für Mord sieht das Gesetz zwingend eine lebenslange Haftstrafe vor. Bei Totschlag liegt der Strafrahmen zwischen fünf und 15 Jahren. (dpa)

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