Bestandsaufnahme

Die zwei Seiten der Sportstadt Dortmund im Schatten des BVB

Wie is die Sporstadt Dortmund zu bewerten? Die Sport- und Freizeitbetriebe sehen viel erreicht; der Stadtsportbund meint, dass  es noch viel zu tun gebe. Foto: Rottmann

Wie is die Sporstadt Dortmund zu bewerten? Die Sport- und Freizeitbetriebe sehen viel erreicht; der Stadtsportbund meint, dass es noch viel zu tun gebe. Foto: Rottmann

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Gern schmücken die Würdenträger der Stadt ihre Reden mit Titeln wie „Fußballhauptstadt Dortmund“ oder „Sportstadt Dortmund“. Aber wie ist es um die Sportangebote wirklich bestellt? Die Sport- und Freizeitbetriebe haben sich selbst ein gutes Zeugnis ausgestellt, was Widerspruch hervorruft.

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„Fußballhauptstadt Dortmund“, „Sportstadt Dortmund“. Gern schmücken die Würdenträger der Stadt ihre Reden mit diesen Titeln. Sport, das weiß man nicht nur in der Marketingabteilung der Stadt, gehört zu den wichtigen weichen (Image- und Freizeit- ) und harten Faktoren (Wirtschaft). Und: Sport ist Lebensqualität. Aber wie ist es mit der Qualität der Sportangebote wirklich bestellt?

Angeregt durch die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts, die seit 2007 zu einem Vergleich deutscher Sportstädte herangezogen werden und dabei immer wieder zu unterschiedlichen Platzierungen Dortmunds in den Rankings führten, haben die Sport- und Freizeitbetriebe sich selbst ein Zeugnis ausgestellt: mit einem gutem Ergebnis. Allerdings eines, das Jörg Rüppel, Chef des Stadtsportbundes (SSB) so nicht stehen lassen will.

Die Standpunkte im Überblick:

Alle Bäder erhalten

Punkten kann Dortmund beispielsweise beim Breitensport mit seiner vielseitigen Vereinsstruktur (zurzeit 550 Sportvereine) und der Zahl der organisierten Aktiven (zurzeit 155 000).

Gute Werte gibt es auch im Bereich Leistungs- und Spitzensport, der nicht nur an Ligazugehörigkeiten festzumachen ist (Schlagwort Deutschland-Achter).

Positive Bewertungen erhalten auch der große und vielseitige Sportstättenbestand (Hallen und Plätze) und der Ausbau der Sportstätteninfrastruktur (mit zwei Kunstrasenprogrammen, drei neuen Sporthallen für Schulen).

Dass es im Gegensatz zu anderen Städten gelungen sei, die komplette Bäderlandschaft – über die Sportwelt gGmbH und Vereinsarbeit – zu erhalten, stehe auf der Habenseite.

Zudem die große Zahl sportlicher Veranstaltungen oder der Einsatz der Sportpauschale des Landes NRW, die ausschließlich den städtischen und den vereinseigenen Sportstätten zugute komme. Immerhin gut 1,5 Millionen Euro jährlich.

Auf der Minus-Seite stehen folgende Fakten: Bei aller echten Liebe – Dortmund hat mit dem BVB nur einen Bundesligisten. Ein Grund: Verschiebungen im Sponsoringbereich.

Deutliche Defizite werden auch bei der Qualität der Sportstätteninfrastruktur und der städtischen Bäderlandschaft attestiert. Insbesondere wegen fehlender finanzieller Mittel konnten notwendige Sanierungsmaßnahmen in den letzten Jahren oft nicht zeitnah durchgeführt werden. Nur ein paar Beispiele: Das Stockheidebad müsste grundsaniert werden für zwei Millionen Euro. Im Volksbad gibt es einen Zehn-Meter-Turm, der seit Jahren nicht mehr nutzbar ist.

Duschen im Tauchanzug

Viele der über 80 Turnhallen und rund 30 Sporthallen sind in die Jahre gekommen. Teils gibt es bauliche Mängel (lose Deckenkonstruktionen), teils sind die sanitären Anlagen Nutzern kaum noch zuzumuten. „In manche Duschen würde ich nur mit Taucheranzug gehen. Besuchern kann man das kaum zumuten“, sagt Rüppel.

Auch in Punkto Reinigung und Wartung gibt es noch viel Luft nach oben. Kurz: Mit dem Neubau der drei Mehrfachturnhallen wird sich die Lage entspannen, aber die Turn- und Sporthallen müssten „grundsätzlich auf Vordermann“ gebracht werden, steht für Rüppel fest.

Stichwort: Plätze. Die Ascheplätze müssten grundsaniert werden. Sie sind zum einen nicht mehr zeitgemäß, zum anderen ein Faktor, der Chancengleichheit bei Vereinen zunichte mache. „Vereine mit Kunstrasen ziehen solchen ohne die Kinder und Jugendlichen ab.“ Bei rund 100 Sportplätzen und Kosten für einen Kunstrasenplatz von rund 700 000 Euro kann man nicht alle auf einmal angehen – „aber das Kunstrasenprogramm muss weiter ausgebaut werden.“

Stichwort: Trainingszeiten. „Kein Verein ist ausreichend mit Hallenzeiten versorgt“, weiß Rüppel. Die neuen Sporthallen (unter anderem in Dorstfeld und Hörde) könnten zwar zur Entspannung beitragen, „aber immerhin mussten wir 40 Jahre darauf warten“, so Rüppel.

Pluspunkte für den Chef des Stadtsportbundes: „Es gibt weiterhin und bis 2014 weder Hallen- noch Platznutzungsgebühren wie in anderen Städten.“

Und: Die Sportfördermittel der Stadt für die Vereine seien zwar um 20 Prozent gekürzt worden, „sollen aber bis 2014 stabil bleiben. Das ist gut und bedeutet weitgehende Planungssicherheit für die Vereine“, so Rüppel.

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