Oberbürgermeister-Stichwahl

Die Grünen empfehlen weder Sierau noch Littmann

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Wer ist den Grünen grün genug? Hilke Schwingeler (links) und Remo Licandro (rechts) moderierten die Diskussion mit Ullrich Sierau und Dr. Annette Littmann.

Wer ist den Grünen grün genug? Hilke Schwingeler (links) und Remo Licandro (rechts) moderierten die Diskussion mit Ullrich Sierau und Dr. Annette Littmann.

Foto: Peter Bandermann

Dortmund.  Am 15. Juni treten Dortmunds Wähler erneut zur Oberbürgermeister-Wahl an, weil sich bei der Wahl am 25. Mai keiner der Kandidaten durchsetzen konnte. Nach einer Diskussion zwischen Amtsinhaber Ullrich Sierau und seiner Herausforderin Annette Littmann empfehlen die Grünen keinen von beiden.

Nach einer fast zwei Stunden dauernden öffentlichen Diskussion zwischen Sierau (SPD) und Littmann (CDU) fassten 40 Kreisverbands-Mitglieder hinter verschlossenen Türen den Beschluss, kein Votum für die Wähler abzugeben. Denn beide Kandidaten hätten für ein sechsjähriges Amt keine durchschlagenden Angebote für auch grüne Politik gemacht.

Aufruf für eine hohe Wahlbeteiligung

Sierau kommt bei den Grünen als Mensch nicht an, wenngleich er politisch interessant ist. Er wurde für seinen Führungsstil und fürs öffentliche Abwatschen kritisiert. Dr. Annette Littmann hat mit ihrer Politik-Ausrichtung keine Chancen bei den Grünen. Ein Grüner bezeichnete ihre Inhalte als "marktradikal".Der Kreisverband der Grünen ruft dazu auf, am Sonntag (15.6.) für eine möglichst hohe Beteiligung zur Oberbürgermeister-Wahl zu gehen. Hier begründen Hilke Schwingeler und Remo Licandro vom Kreisverband der Grünen ausführlich, warum ihre Partei für die Stichwahl kein Votum ausspricht:


Hier die Schnellkritik unseres Reporters:

Die Landtagsabgeordnete und bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 gescheiterte Daniela Schneckenburger formulierte die Frage des Abends so: "Wieviel Grün steckt in den Kandidaten?" Gleich in ihren jeweils 10 Minuten dauernden Eröffnungsreden ließen Herausforderin Dr. Annette Littmann (CDU) und Amtsinhaber Ullrich Sierau (SPD) klar erkennen, ob sie allein schwarz oder rot sind.

Littmann (52) bezeichnete sich selbst als "Finanztante" und ließ erkennen, dass sie die Stadtverwaltung umkrempeln will, um in 60 Jahren gewucherten roten Filz abzutragen ("das tut Not"). "Mehr Effizienz", "Wirtschaft", "Finanzen" und "Knowhow", "straff geführte Sitzungen" - mit diesem Vokabular waren grüne Zwischentöne nicht sichtbar.

Ullrich Sierau wollte einmal die SPD verlassen

Sierau arbeitete mit einer anderen Sprache. Er setzte anfangs Begriffe wie "Bürgerinitiativen", "Kreuzviertel", "Atomkraftgegner", "Gorleben" und "Gewerkschaft" ein. Wörter wie aus einem Grünen-Lehrbuch für Politik. Da schimmerte viel Rot-Grün durch. Zumal der Amtsinhaber in jungen politischen Jahren einmal ernsthaft darüber nachgedacht hat, die SPD zu verlassen und "Grüner" zu werden. Mehr Applaus erhielt Sierau von den 140 Gästen dafür allerdings nicht.

Grüne Stammwähler haben die Qual der Wahl

Während der sehr kontroversen Debatte war unverkennbar, wie unterschiedlich die Oberbürgermeister-Kandidaten politisch ticken und wie unterschiedlich ihre Persönlichkeiten sind - aber grüne Ur-Wähler dürften bei der Stichwahl am 15. Juni weder Dr. Annette Littmann noch Ullrich Sierau aus tiefer Überzeugung wählen.

Rechtsextremismus und Linksextremismus

Sympathie für Sierau und Antipathie gegen Littmann wurde erst zum Schlusss deutlich, als es um das Thema Rechtsextremismus ging. Allein die Tatsache, dass die CDU-Kandidatin in diesem Zusammenhang das Wort "Linksextremismus" fallen ließ (gegen den sie ebenso ist wie gegen Rechtsextremismus), sorgte bei den Grünen-Wählern zu Punktverlusten. Sympathien erwarb sie sich bei der Flughafen-Frage: Sie sieht den Airport kritisch - nicht aus ökologischen, sondern aus finanziellen Gründen. Wenn der Flughafen weiter rote Zahlen schreibe, müsse er "abgewickelt" werden.

Keiner biederte sich an

Fazit: Dr. Annette Littmann und Ullrich Sierau kamen sehr authentisch rüber. Beide biederten sich nicht bei den grünen Wählern an und ließen klar erkennen, für wen sie parteipolitisch zuallererst stehen: für die CDU (Littmann) oder für die SPD (Sierau).


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