Eine Architektur-Kritik

Das Problem steht im Osten

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Zwei Neubauten, zwei Fassaden-Stile. Schon die Baupläne für die neuen Nachbarn der Petirkirche sorgten für Diskussionen. Jetzt sind beide Häuser bezogen. Was noch fehlt, ist die Freitreppe in der Mitte.

Zwei Neubauten, zwei Fassaden-Stile. Schon die Baupläne für die neuen Nachbarn der Petirkirche sorgten für Diskussionen. Jetzt sind beide Häuser bezogen. Was noch fehlt, ist die Freitreppe in der Mitte.

Foto: Foto Dieter Menne

Dortmund.  Zu groß, zu nah, zu klotzig es gab reichlich Kritik an den Plänen für die beiden Neubauten vor der Petrikirche. Jetzt stehen sie beide, ab Montag sind sie dann auch in Betrieb. Es ist Zeit für eine architektonische Bilanz, findet unser Autor.

Es war der "Würfel" vor dem Petrikirchturm, an dem sich besonders die Kritik der Bebauungs-Gegner entzündete. Die Planer versprachen mehr Transparenz mit gläsernen Fassaden.

Heute lässt sich feststellen: Das Bauwerk für das DSW-Kundencenter ist durchaus gelungen. Und es wirkt mit seiner Glas-Naturstein-Fassade auch nicht als Störfaktor vor dem historischen Kirchenbau.
Ohne die Modernität zu leugnen, passt sich der Bau durchaus harmonisch dem Gotteshaus an.

Das Problem steht etwas weiter östlich: Ein fünfgeschossiger schmaler Klotz mit weißer Putzfassade und schwarzen Mini-Balkonerkern über einem Sockel aus Sandstein.
Es ist nicht nur die Höhe, die stört, es ist vor allem die Fassade.

Verbindung schaffen

Dabei ist der weiße Putz keinem Sparprogramm des Bauherrn geschuldet, sondern architektonisches Kalkül, wie Architekt Niklaus Fritschi - der Mann, der auch die Idee zum Boulevard Kampstraße geliefert hat - zugibt.
Die Putzfassade solle eine Verbindung zu den Bauten der Umgebung schaffen, erklärt Fritschi, der Neubau so "zwischen Kirche und städtischem Umfeld vermitteln".

Bei allem Respekt für städtebauliche Zusammenhänge: Dass die oft schlichte Nachkriegsarchitektur im Dortmunder Zentrum stadtbildprägend ist, kann man nicht leugnen.
Doch muss sie nun auch stilbildend sein?

Kann man bei der Gestaltung eines Gebäude, das hochaufragend unmittelbar vor einer Kirche steht, wirklich einer Nachkriegs-Schlichtfassade einen höheren Stellenwert einräumen als den Sandsteinmauern des historischen Gotteshauses?

Fritschi, der sonst als Argument für die Umbauung der Kirchen gern auf Vorbilder früherer Jahrhunderte verweist, denkt hier auch erstaunlich unhistorisch.

Bezugspunkt

Ganz einfach gedacht: Die Petrikirche hat mehr oder minder unversehrt in ihrer Bausubstanz fünf Jahrhunderte und mehrere Kriege überstanden. Und sie wird - so Gott will - auch noch in 50 oder 100 Jahren stehen.

Beim - angesichts seines Alters - ohnehin schwer vermietbaren Büro-Nachbarn an der Kampstraße ist das zu bezweifeln. Gut möglich also, dass dieser Bezugspunkt in nicht allzu ferner Zukunft verloren geht.

Es bleibt abzuwarten, ob Verwaltung und Politik, die die Fritschi-Fassaden-Entwürfe gutgeheißen haben, dann bei einer Neugestaltung auf einer sonst eher verpönten Putzfassade bestehen

  • Am Montag um 11 Uhr öffnet das neue DSW21-Kundencenter im Neubau vor der Petrikirche an der Kampstraße. Es ersetzt die Kundencenter in den U-Bahnstationen Kampstraße und Reinoldikirche.
  • Neben Auskunft, Fahrkartenverkauf und Abo-Beratung bieten im Kundencenter auch die DSW-Töchter DEW (Ernergie und Wasser), Dogewo (Wohnen) und Dokom (Telekommunikation) Beratung an.
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