Nach Revierderby

BVB entzieht Ultras nach Krawallen Auswärtsdauerkarten

Hässliche Szenen auf Schalke: Randalierer im BVB-Block zündeten beim Revierderby Pyrotechnik.

Hässliche Szenen auf Schalke: Randalierer im BVB-Block zündeten beim Revierderby Pyrotechnik.

Foto: Martin Möller/WAZ FotoPool

Dortmund.   Der BVB ergreift nach den Ausschreitungen beim Revierderby in der Gelsenkirchener Veltins-Arena Maßnahmen: Drei Fan-Gruppierungen werden die Auswärtsdauerkarten für Bundesliga und DFB-Pokal entzogen. Zudem sollen Stadionverbote verhängt werden.

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Nach den Ausschreitungen beim Revierderby entzieht der BVB den Fan-Gruppierungen "Desperados", "Jubos" und "The Unity" die so genannten Auswärtsdauerkarten für Bundesliga und DFB-Pokal. Die Strafe bezieht sich nur auf die Auswärtsdauerkarten. Beim Spiel des BVB gegen Schalke 04 waren im Gäste-Fanblock der Gelsenkirchener Veltins-Arena Feuerwerkskörper gezündet worden.

Die Aufklärung der Vorkommnisse rund um das Derby dauert indes weiter an. Sämtliche Personen, denen Straftaten zugeordnet werden können, werden mit einem Stadionverbot belegt. Borussia Dortmund rechnet gegenwärtig damit, dass 20 bis 30 Personen von dieser Maßnahme betroffen sein können.

Der Vorstandvorsitzende des BVB Hans-Joachim Watzke sagte zu der Maßnahme: "Ohne Ultras auswärts anzutreten, ist eine markante Maßnahme, die es meines Wissens nach so noch nicht gegeben hat." Im Vorfeld habe es "intensive Diskussionen" mit den Sprechern der betroffenen Gruppen gegeben. "Die Entscheidung hat natürlich am Ende der Klub getroffen." Die Gruppen-Sprecher hätten sich einsichtig gezeigt.

Auswärtsdauerkarte ist Privileg für "Allesfahrer"

Mitglieder der drei Ultra-Gruppierungen der BVB-Fanszene besuchen jedes Spiel der Borussia. Um diese besondere Treue zum Verein zu belohnen hat der BVB ein begrenztes Kontingent an Auswärtsdauerkarten geschaffen. Bei jedem Bundesliga-Spiel stehen dem Gast-Verein zehn Prozent des Ticket-Kontigents zu, die er seinen Fans anbieten kann. Aus diesem Karten-Pool versorgt der BVB die sogenannten "Allesfahrer", die im Besitz einer Auswärtsdauerkarte sind. Sie müssen sich nicht um eine Eintrittskarte bemühen und bekommen so bei jedem Auswärtsspiel ihre Karte.

Angehörige der von dem Auswärtsdauerkarten-Entzug betroffenen Gruppen können weiterhin versuchen, über die üblichen Wege — Ticket-Hotline und regulärer Vorverkauf — Karten zu bekommen. Ob die Ultras tatsächlich diesen Weg gehen werden, ist unklar. Die Gruppen leben von ihrer Solidarität untereinander. Dass eine Gruppe sich geschlossen über das reguläre Ticket-Kontingent eindecken kann, ist angesichts der Nachfrage höchst unwahrscheinlich.

Watzke hatte Choreographie verboten

In einer ersten Reaktion hatte Hans-Joachim Watzke vor dem Spiel der Borussia gegen den VfB Stuttgart eine lange geplante Choreographie der Ultras verboten. Unmittelbar vor dem Stuttgart-Spiel kam es zu einem Vorfall vor dem Vereinsheim der Ultra-Gruppe "Desperados", als ein Bengalo gezündet wurde. Die Polizei wollte daraufhin die Personalien aller Anwesenden aufnehmen. Die Ultras entzogen sich der Maßnahme, indem sie in ihrem Haus blieben und nicht ins Stadion gingen.

Dortmunds Polizeipäsident lobt BVB für Maßnahme

Der Dortmunder Polizeipräsident Norbert Wesseler lobte in einer ersten Stellungnahme die Maßnahme des BVB: "Das schnelle und vor allem konsequente Umsetzen der Maßnahme des BVB werte ich als einen richtungweisenden Schritt, Straftäter vom Fußball fern zu halten und ein wichtiges Signal an diese Ultragruppierungen", so der Polizeipräsident. Die strikte Durchsetzung des Auswärtsdauerkartenentzuges setze unbedingt eine enge Zusammenarbeit sowie den ständigen Austausch der Vereine und der Polizei voraus. "Unsere polizeitaktischen Einsatzplanungen werden wir dementsprechend ausrichten", so Wesseler.

Darüber hinaus arbeite die Polizei gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft an der Ermittlung der Fans, die beim Derby Bengalos gezündet und mit Pyrotechnik auf Zuschauer schossen. Die Polizei erwäge, im Vorfeld von Fußballspielen "präventiv-polizeiliche Maßnahmen" wie Betretungsverbote gegen ermittelte Täter umzusetzen.

Gespaltenes Echo in der Fanszene

Die Fans der Borussia diskutieren über die Auswirkungen der Strafe. Im Forum des Fanzines schwatzgelb.de fürchten einige Fans nun um die Stimmung bei Auswärtsspielen. Andere wiederum sehen in dem Entzug der Auswärtsdauerkarten lediglich ein Signal an die Medien. Die Ultras würden dennoch weiterhin bei Auswärtsspielen anzutreffen sein.

Szene-Kenner hoffen, dass die Maßnahme ein rechtzeitiger Schuss vor den Bug derjenigen in den Ultra-Gruppen war, die einen gemäßigten Kurs fahren wollen. Die größte Gruppierung "The Unity" stehe an einem Scheideweg. Durch die Möglichkeit, durch gutes Verhalten das Privileg der Auswärtsdauerkarte wiederzuerlangen, müssten nun die gemäßigten Kräfte gestärkt werden.

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