PCB-Skandal

Bezirksregierung Arnsberg kooperierte mit Envio-Boss

Foto: Franz Luthe

Dortmund.  Der Dortmunder Umweltausschuss brachte es ans Licht: Dirk Neupert, Chef der Giftskandal-Firma Envio, hat Antworten der Bezirksregierung Arnsberg auf kritische Fragen vorher abgesegnet — eine weitere Facette des bundesweit größten PCB-Skandals.

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Der Dortmunder Umweltausschuss brachte es ans Licht: Dirk Neupert, Chef der Giftskandal-Firma Envio, hat Antworten der Bezirksregierung Arnsberg auf kritische Fragen vorher abgesegnet — eine weitere Facette des bundesweit größten PCB-Skandals.

Die für die Überwachung des verseuchten Envio-Geländes zuständige Bezirksregierung Arnsberg ließ sich ihre Antworten auf politische Fragen zu Hintergründen des bundesweit größten PCB-Skandals vorher von Envio-Boss Dirk Neupert absegnen. Auf diese Enthüllung der Grünen im Dortmunder Umweltausschuss reagierte der verantwortliche Hauptdezernent der Bezirksregierung, Joachim Schmied, am Mittwoch (7. September 2011) überrascht.

Dokumente, die der WAZ vorliegen, bestätigen den Vorgang. Am 29. Januar 2010 brachte das Dezernat Abfallwirtschaft der Bezirksregierung einige Genehmigungen und Auflagen zu Papier, die für Envio galten. Die Grünen hatten gezielt danach gefragt. Die Antworten gingen aber nicht direkt ins Dortmunder Rathaus, sondern zunächst an Envio-Chef Neupert.

Bitte „vor Beantwortung solcher Anfragen kontaktieren“.

Der sagte „vielen Dank für die Zusendung“ und gab grünes Licht. „Nach gründlicher Durchsicht“ habe er „grundsätzlich keine Bedenken“ gegen die Darstellung. Nur noch dies: Sollten weitere Fragen gestellt werden, bitte er darum, ihn „vor Beantwortung solcher Anfragen zu kontaktieren“.

„Das ist nicht mehr Willfährigkeit, sondern eigentlich schon Kumpanei“, sagte Ratsfrau Ulrike Märkel (Grüne). Sie fragte: „Wie viele ihrer Stellungnahmen hat Neupert denn geschrieben?“ Schmied nannte keine Zahl. Das Ganze erscheine ihm „konfus“. Es sei „nicht korrekt, Mails von gestern“ anzuführen. Er wisse nicht, „um welchen Vorgang es geht“, das Thema sei auch „nicht Teil der Tagesordnung“. Die Bezirksregierung werde sich schriftlich äußern.

Druck auf die rund 650 Envio-Opfer wächst

Unterdessen wächst der Druck auf die Envio-Opfer. Rund 350 Personen wurden durch fahrlässige PCB-Entsorgung mit der Chemikalie vergiftet; 300 nehmen am medizinischen Betreuungsprogramm teil. Dessen Leiter Prof. Thomas Kraus erlebt bedrückende Schicksale. Ein Viertel der Betroffenen sei depressiv. „Wer Arbeit verloren hat und unfähig ist, neue zu finden, steht mit dem Rücken zur Wand.“

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