Gericht

Baumhögger muss ins Gefängnis

Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Der Großinvestor Reinhard Baumhögger wurde zu drei Jahren und vier Monaten Haftstrafe verurteilt Zunächst ist er aber auf freiem Fuß, da er gegen Kaution aus der U-Haft entlassen worden ist.

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Der Herrscher über ein mächtiges Hotel,- und Geschäftsimperium hörte gestern im Landgericht eine gute und eine schlechte Nachricht: Reinhard Baumhögger nahm sie beide äußerlich absolut regungslos auf. Zum einen schickte ihn die 33. Große Strafkammer für drei Jahre und vier Monate ins Gefängnis, zum anderen wurde der 65-Jährige nach fast drei Monaten gegen Zahlung von 500.000 Euro Kaution aus der U-Haft entlassen.

Das bedeutet, dass der gesundheitlich angeschlagene 65-Jährige, der während der langen Verfahrensdauer einen Herzinfarkt erlitten hat, aus der Freiheit heraus seine Gefängnisstrafe antritt – sobald das Urteil rechtskräftig ist. Die 33. Große Wirtschaftsstrafkammer verurteilte den Großinvestor, der allein mit seiner Hotelgruppe „Arcadia“ an bundesweit 25 Standorten vertreten ist, wegen Bankrotts in besonders schwerem Fall, Falschbeurkundung, Untreue und versuchter Steuerhinterziehung. Die Vorwürfe liegen zum Teil lange zurück: Im Jahr 2002 entschloss sich Reinhard Baumhögger, den wirtschaftlich maroden Teil seines Firmenimperiums ins Ausland abzustoßen. Dort, so der Plan, sollten die Firmen gezielt in die Pleite geführt werden. Den in Deutschland ansässigen Gläubigern waren damit die Hände gebunden. Um seinen Plan auszuführen, so rekapitulierte der Vorsitzende Richter Michael Hammeke in seiner Urteilsbegründung, nahm Baumhögger Kontakt mit einem „professionellen Firmenbestatter“ auf. Jener Mann, ebenfalls im Fokus der Ermittler, kannte wiederum andere duiose Geschäftsleute.

„Es hat schon eine besondere Qualität“, so der Kammervorsitzende, „wenn man als seriöser Geschäftsmann Firmen ganz gezielt gegen die Wand fährt“. Um das Abstoßen der maroden Hotels möglich zu machen, hat der Angeklagte zudem bei Notaren falsche Angaben gemacht.

In Dortmund hat Reinhard Baumhögger einst unter anderem mit seinen gewagten Bauplänen eines Konzerthauses nahe der Westfalenhalle für Schlagzeilen gesorgt. Die Auflagen, gegen die der 65-Jährige gestern die U-Haft verlassen durfte, sind streng: Neben der Zahlung von 500.000 Euro Kaution musste er seinen Personal,- und Reisepass abgeben. Zweimal in der Woche muss er sich in seiner Wahlheimat Hamburg bei der Polizei melden. Die Wochentage Montag und Donnerstag hat das Gericht dabei mit Bedacht gewählt: Denn Mittwochs und Freitags wird im Saal 130 gegen den schillernden Projektentwickler weiter verhandelt. Es geht um Steuerhinterziehung im großen Stil. 7,5 Millionen Euro Steuerschuld hat Reinhard Baumhögger zugegeben, drei Millionen davon gezahlt. Und dann laufen da noch die Ermittlungen wegen Titelmissbrauchs: Der Hotel-König soll sich seinen Titel schnöde in der Schweiz gekauft haben.

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