Dessous-Schneiderei

Auf die Haut geschneidertes Darunter

Foto: Knut Vahlensieck - Sabine Hukriede und Barbara Majewski (v.l.) schneidern in ihrer Freizeit Dessous nach Maß und geben Nähkurse. Aufnahme vom 30.05.2011.

Foto: Knut Vahlensieck - Sabine Hukriede und Barbara Majewski (v.l.) schneidern in ihrer Freizeit Dessous nach Maß und geben Nähkurse. Aufnahme vom 30.05.2011.

Foto: Knut Vahlensieck

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Sabine Hukriede hat sich daran gewöhnt, dass ihre Freundinnen ihr ungeniert an die Wäsche gehen. Ein neugieriger Blick in den Ausschnitt: erlaubt. Jede schließlich will wissen, was die 49-Jährige heute so drunter trägt. Das weckt Begehrlichkeiten. Die Hukriede erfüllt: Sie schneidert den Damen die Dessous sozusagen auf die Haut.

In dem kleinen Atelier am Hafen hängt zarte Unterwäsche in allen Farben, Formen, Größen. Modisches Lila, sexy rot-schwarze Spitze, ein weißer Hauch von Nichts... Zarte Stoffe, fragile Spitze – eine Vielfalt von Verpackung für den weiblichen Körper. Genäht von Sabine Hukriede und Barbara Majewski, und immer öfter nachgefragt. Vielleicht, weil es so viele Wäschefachgeschäfte gar nicht mehr gibt. Sicher aber auch, weil die Konfektion von der Stange nicht jedem passt. Und ein Bügel, der sich in die empfindlichsten Stellen drückt, genauso unangenehm ist wie ein Slip, der klemmt.

„Eine 34er Figur mit einem 70 E-Oberweite: Die kriegt keinen Badeanzug, bei dem nicht alles rausfällt. Oder versuchen Sie mal in 105 F was Nettes und nicht hautfarben zu bekommen...“ Große Busen, kleine Busen, straffe Busen, schwere Busen, schmale Taillen, runde Pos, flache Pos – jede, zum Glück, sieht anders aus. Das, sagt Hukriede, führe aber auch dazu, dass trotz Standardgröße die Passform oft nicht hinkomme. „Und viele tragen die falsche Größe“. Dazu unterscheidet sich die linke oft von der rechten Brust. Die eine mag Formcups, die andere nicht; Krebspatientinnen haben ganz besondere Anforderungen. Sie alle landen immer öfter bei Hukriede und Majewski. Die einen in deren Nähkursen („Nichts für Anfängerinnen“), die anderen lassen lieber nähen.

Maßkonfektion, sagen die beiden. Das heißt: Sie vermessen die Damen, nähen nach Standard und verändern dann individuell. Drei bis sechs Stunden für einen BH brauchen sie im Schnitt. Kostenpunkt: um die 90 Euro, Slips 20 bis 30, Bodys 120 Euro. Daneben gibt’s Bikinis, Badeanzüge, Tankinis...

Es ist ein Kleingewerbe, ein Feierabend-Job. Eine Nische eben. Denn obwohl Hukriede schon ihre Puppenkleider selbst genäht hatte, war sie statt Schneidermeisterin oder Textilingenieurin dann doch Speditionskauffrau geworden. Und arbeitet jetzt als Assistentin in einem Software-Vertrieb. Auch Barbara Majewski hat ganz was anderes gelernt. Beide sind irgendwann in einem Dessous-Nähkurs gelandet. Der Rest – ergab sich quasi von selbst.

Die Anprobe – ganz privat zu Hause bei Hukriede (in Dortmund) oder Majewski (in Hagen). Genäht wird im Atelier am Hafen. Und die beiden sind ihre besten Models. Tragen das Darunter je nach Laune, je nach Anlass. Wie viele Büstenhalter sie so hat? Lachen. „Ich weiß nicht...“ Übrigens: Dieses „Hobby“ ist eines, das auch die Männer mögen... Angucken zumindest.

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