Dortmund. Auch in Dortmund funktionieren Tuner und Raser den christlichen Feiertag zum Car-Freitag um. Nicht alle fahren mit ihren Autos wieder nach Hause.

Schicke Spoiler, tiefer gelegte Fahrwerke, edles Interieur: Tuner verwenden viel Zeit und Geld, um ihre Autos zu veredeln. Es geht um's Sehen und Gesehenwerden. Der christliche Karfreitag ist für die junge Tuning-Szene jedoch kein stiller Feiertag, sondern der Car-Freitag. An dem das sportlich aufgemöbelte Automobil im Mittelpunkt steht. Der Car-Freitag ist damit ein Arbeitstag auch für die Dortmunder Polizei. Welchen Stellenwert der Car-Freitag für die Szene hat, erklärt der Opel-Corsa-D-Fahrer Michael Makowski. Hier sein O-Ton:

Der Polizei geht es am Car-Freitag weniger ums Schönsein. Sie will illegale und gefährliche Umbauten erkennen und Raser aus dem Verkehr ziehen. Polizeisprecher Sven Schönberg erklärt im Video, wen sie dabei ins Visier nimmt:

20 Uhr auf Phoenix-West in Hörde: Das frühere Hochofen-Areal ist, wie seit fünf Jahren, wieder ein Treffpunkt für überwiegend junge Auto- und Motorradfahrer, die mit Auspuffanlagen und illegalen Rennen die Geduld der Anwohner aus den benachbarten Wohnquartieren arg strapaziert haben. Kaum Lärm, weniger Müll: An diesem Car-Freitag ist es deutlich ruhiger als sonst. Bei Sonnenuntergang fährt der Verkehrsdienst der Dortmunder Polizei vor und riegelt für technische Kontrollen eine Sackgasse ab.

Polizei kontrolliert über 40 getunte Autos

Jetzt gibt es kein Vor und Zurück mehr. Eine Stunde lang nehmen die Polizisten über 40 Autos unter die Lupe. Die meisten Tuner können unbehelligt weiterfahren. Laut Heiko Radmacher von der Polizei fallen aber 5 Pkw durch - die Fahrer müssen ihre Lieblinge auf vier Rädern unverzüglich in die Prüfhalle eines Dortmunder Kfz-Sachverständigen steuern und auf eigene Kosten begutachten lassen.

Während die Kontrollen auf Phoenix-West auf das Ende zusteuern, tappt auf der Bundesstraße 54 ein Raser in die Tempo-Falle. Polizisten ziehen ihn aus dem Verkehr, weil das Messgerät 117 km/h anzeigt - erlaubt sind 60 km/h. Obendrein fällt der Fahrer mit einer Fahne auf.

Die Sackgasse auf Phoenix-West ist längst verlassen, da erkennt eine Zivilstreife der Dortmunder Polizei auf der Ruhrallee in der Innenstadt einen verdächtigen Audi TT. Der Fahrer lässt sich mit einem Mercedes C300 auf ein Rennen ein. Die Polizisten verfolgen die Raser und filmen das Rennen bei bis zu 120 km/h. Erlaubt ist Tempo 50. Dann schnappt die Falle zu: Die Polizei stoppt den 24-jährigen Mercedes-Fahrer auf dem Königswall und den Audi-Fahrer auf der Hansastraße.

Raser müssen Schlüssel und Führerscheine abgeben

Ein Telefongespräch mit der Staatsanwaltschaft, dann steht fest: Die Polizei stellt beide Fahrzeuge und die Führerscheine der Raser sicher. Der 250-PS-Mercedes kostet neu rund 65.000 Euro. Geld für neue Reifen hatte der 24-Jährige offenbar nicht mehr: Das Reifenprofil war unter der Verschleißgrenze. „Bei so hohem Tempo ist das lebensgefährlich“, sagt Andreas Dreistomark von der Polizei.

Er und seine Kollegen bewerten die Sicherstellung beider Fahrzeuge und der Führerscheine als einen Erfolg. Ein Erfolg, der erst seit wenigen Monaten möglich ist. Denn illegale Rennen werden in Deutschland inzwischen als Straftaten bewertet, nachdem Raser in Köln, Berlin und anderen Städten tödliche Unfälle verursacht haben.

Unfreiwilliges Ziel einiger Fahrer ist an diesem Abend in Dortmund die Prüfhalle eines Kfz-Sachverständigenbüros. Nach und nach trudeln im Schlepptau der Kradfahrer und Streifenwagen der Polizei immer mehr tiefergelegte Pkw ein, nachdem die Polizei bereits auf den Straßen offenkundige Mängel festgestellt hat. Ein Sachverständiger soll die getunten Fahrzeuge begutachten. Seine Aussagen sind für die anschließenden Ermittlungsverfahren wichtig.

Tuner muss 400 Kilometer ohne eigenen Pkw zurück in die Heimat

Zwischen 20 und 23.30 Uhr müssen acht Pkw auf die Hebebühne. Einige werden wegen gravierender technischer Mängel direkt stillgelegt. Ein aus Baden-Württemberg angereister Tuner muss die 400 Kilometer zurück in die Heimat ohne seinen Pkw antreten.

Wenig amüsiert ist auch ein BMW-Fahrer aus Soest. Er darf die Prüfhalle zwar fahrend verlassen, aber nur bis zur gegenüber liegenden Straßenseite. Auf einem hoch umzäunten und mit einer Videokamera überwachten Parkplatz muss er den Wagen abstellen - die Polizei hat ihn wegen der technischen Mängel u. a. am Fahrwerk stillgelegt.

Verfahren wegen Urkundenfälschung

Die Zahlenkombination „1312“ auf seinem Nummernschild steht für die Reihenfolge der Buchstaben A, C und B im Alphabet. So dargestellt ergibt ACAB dann die Abkürzung für „All Cops are Bastards“. Die Verkehrs-Cops in der Prüfhalle nehmen das auf die leichte Schulter, denn die 1312-Kombination auf Pkw-Kennzeichen ist nicht verboten. Allerdings ist das Nummernschild manipuliert worden und und damit ungültig. Dem Fahrer aus Soest droht auch ein Verfahren wegen Urkundenfälschung.

Nach Mitternacht steuert die Dortmunder Polizei auf das Ende des Car-Freitags 2018 zu. Den nächsten Einsatz gegen illegales Tuning und gegen Raser bereit sie bereits vor.