Prozess

Brüder sollen Kinder für Drogengeschäfte angeheuert haben

Foto: Lennart Preiss

Dortmund.   Zwei Brüder aus der Dortmunder Nordstadt sollen Kinder für Drogengeschäfte eingesetzt haben. Jetzt stehen sie vor Gericht.

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Gepflegte junge Männer sind es, die am Donnerstag vor der Dortmunder Jugendstrafkammer Platz nehmen. Harmlos wirken sie, aber gefesselt werden sie aus der U-Haft vorgeführt. Denn die Brüder, 18 und 23 Jahre alt, sollen ein Jahr lang im großen Stil den Marihuanahandel in der Dortmunder Nordstadt beherrscht haben. Selbst Kinder, Elfjährige darunter, setzten sie laut Anklage für ihren Drogenhandel ein.

Rund 800.000 Euro sollen sie durch den Rauschgiftverkauf erzielt haben. Zum Prozessauftakt äußern sie sich zu den Vorwürfen noch nicht. Ihre Verteidiger Markus Blumenstein und Jan-Henrik Heinz kündigen aber umfassende Aussagen am nächsten Verhandlungstag an. Blumenstein: „Mein Mandant wird sich in wesentlichen Teilen geständig einlassen.“

Schwunghafter Handel in der Nordstadt

Im März 2017 sollen die Brüder begonnen haben, mit Familienmitgliedern einen schwunghaften Handel in der Nordstadt aufzubauen. Lief das Geschäft nicht so, wie sie es geplant hatten, sollen sie brutal gehandelt haben. Einen Erwachsenen hatten sie dazu gebracht, ihnen seine Wohnung als „Bunker“, also als Versteck für Drogen, zu überlassen.

Irgendwann hätten sie aber geglaubt, dass er Teile des bei ihm versteckten Marihuanas selbst geraucht habe. Mit Fäusten und einem Stuhl sollen sie so heftig auf ihn eingeschlagen haben, dass er einen Zahn mit Wurzel verlor. Zur Behandlung sei er ins Krankenhaus gegangen. Als er es verließ, sollen sie ihn noch auf der Straße erneut zusammengeschlagen haben.

11 bis 13 Jahre alte „Drogenbunker“

Besonders streng lastet die Anklage den Brüdern aber den Einsatz von Kindern an. „Sie schreckten nicht einmal davor zurück“, hieß es. Von 11 bis 13 Jahre alten Kindern ist die Rede, die als „lebende Bunker“ missbraucht worden seien. Kleinere Mengen Marihuana seien ihnen übergeben worden, die bei einem erfolgreichen Verkaufsgespräch abgerufen wurden.

Vorwiegend rumänische Kinder sprachen sie dafür auf Spielplätzen in der Nordstadt an. Die Brüder selbst sind in Dortmund geboren und aufgewachsen, sollen aber die türkische Staatsbürgerschaft besitzen. Ganz so einfach bekamen sie die Kinder wohl nicht in ihre Gewalt. Manche sollen sie mit Schlägen gefügig gemacht haben. Oft zahlten sie ihnen auch Geld oder gaben ihnen Zigaretten, damit sie für die Bande jeweils rund fünf Gramm Marihuana an ihrem Körper verbargen.

Polizei schickte „Scheinkäufer“

Hinweise aus der Szene hatten die Polizei auf ihre Spur gebracht. Hilfreich war, dass der laut Anklage zusammengeschlagene Erwachsene bei der Polizei auspackte. Schließlich setzten die Ermittler „Scheinkäufer“ ein. Sie erweckten den Eindruck, an Drogen interessiert zu sein. Dokumentiert sollen mehrere Fälle sein, in denen die Angeklagten auf die verdeckten Ermittler herein fielen.

Insgesamt muss die 31. Strafkammer Vorwürfe aus drei Anklagen verhandeln. Da geht es um 287 Fälle des bandenmäßigen Rauschgifthandels, aber auch um die Körperverletzungen. Aufgelistet sind die neun Gramm Marihuana, die auf einem Spielplatz gefunden wurden, und ein Kilo des Stoffs, den sie auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants für 7000 Euro verkauft haben sollen.

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