Fußball-Fans

Aktion "Ich fühl mich sicher" hat nach einem Tag schon 20.000 Unterstützer

Die Aktion "Ich fühl mich sicher" will den friedlichen Fans eine Plattform bieten.

Die Aktion "Ich fühl mich sicher" will den friedlichen Fans eine Plattform bieten.

Dortmund.  Es war eine spontane Idee der Macher des Fanzines schwatzgelb.de. Sie wollten ein Zeichen setzen, dass sich die große Mehrheit der Fußball-Fans sicher in deutschen Stadien fühlt. Sie schalteten die Website "Ich fühl mich sicher" mit einer Namensliste. Offenbar haben sie damit einen Nerv getroffen.

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Eine Plattform für die schweigende Mehrheit der friedlichen Fußball-Fans in Deutschland soll die Internetseite www.ich-fuehl-mich-sicher.de sein. Die Idee kam den Machern des BVB-Fanzines schwatzgelb.de spontan, nachdem sie festgestellt hatten, dass zwar immer wieder von Randale, Ausschreitungen und Verletzten bei Fußball-Spielen die Rede ist, aber so gut wie nie darauf hingewiesen werde, dass der Zuschauerboom der Bundesliga kaum möglich wäre, wenn die Massen Angst beim Stadionbesuch verspürten. An Allerheiligen, 12 Uhr mittags, ging die Seite offiziell online. Knapp sieben Stunden später hatten sich 10.000 Fans aus ganz Deutschland gefunden, die sich mit Namen und Lieblingsverein in eine Liste eingetragen hatten, die nur eine Aussage hat: "Ich fühl mich sicher".

Wir sprachen mit Malte Schwietering, einem der Initiatoren der Aktion, über die starke Beteiligung, aber auch darüber, dass sich Gewalt beim Fußball nicht wegdiskutieren lässt.

10.000 Fans haben sich an einem halben Tag in Ihre Liste eingetragen und bekundet, dass sie sich sicher fühlen, wenn sie im Stadion sind. Nach 24 Stunden sind es mehr als 20.000. Wurden die Erwartungen übertroffen?

Malte Schwietering: Es übertrifft meine persönlichen Erwartungen ein wenig. Aber als ich gesehen habe, wie schnell die Zahl im Laufe des Tages wuchs, war abzusehen, dass sich der Schneeballeffekt so stark auswirkt.

Wie ist dieser Schneeballeffekt entstanden? Am Anfang haben sich fast ausschließlich BVB-Fans eingetragen, inzwischen sind es Fans aus ganz Deutschland.

Schwietering: Ich denke, dass die sozialen Netzwerke große Multiplikatoren sind. Dadurch wurde es dann auch in die jeweiligen Fanforen getragen. Und in Berlin tagte ein Fan-Kongress, von dem aus sicherlich auch eine große Wirkung ausgegangen ist. Wenn die richtigen Leute zusammen sitzen, spricht sich so eine Aktion schnell herum.

20.000 Fans sind quasi ein volles Zweitliga-Stadion. Was macht man mit so einer Zahl? Hoffen, dass es noch mehr werden oder planen Sie schon, wem Sie die Liste zukommen lassen?

Schwietering: Erstmal hoffen wir, dass es noch mehr werden, auch wenn wir keine offizielle Zielsetzung haben. Dann müssen wir schauen, wie wir die Liste dann produktiv einsetzen und an den richtigen Adressaten bringen.

Beim Pokalspiel von Dynamo Dresden in Hannover hat es erneut einen Platzsturm und viel Pyrotechnik auf den Tribünen gegeben. Ein Bärendienst für Ihre Aktion?

Schwietering: Leider ja. Es ist natürlich ein Bärendienst. Aber häufig ist es auch die Macht der Bilder, die überwiegt. Und genau dagegen wehren wir uns ja. Der Großteil der Menschen im Stadion war sicher - trotz Pyrotechnik und Platzsturm. Man sieht ja, dass sich die Leute trotz der Vorkommnisse in Hannover in die Liste eintragen.

Momentan ist Gewalt ja generell wieder ein Thema. Speziell nach dem Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke sowie dem Pokalspiel der Dresdener.

Schwietering: Ja, und trotzdem tragen sich innerhalb von nicht mal 24 Stunden 20.000 Leute in die Liste ein. Das heißt doch, dass es darauf ankommt, die Gewalt, die im Stadion vorkommt, in die richtige Relation zu setzen.

Sie können aber auch nicht verhehlen, dass es rund um Fußballspiele Situationen gibt, in denen man sich als Fan besser nicht zu erkennen gibt. Das gilt vielleicht nicht im Stadion, aber oftmals auf dem Weg dorthin. Gilt der Eintrag in die Liste denn nur für das Sicherheitsgefühl im Stadion und nicht für den Weg, etwa vom Parkplatz zur Tribüne?

Schwietering: Nein, ich denke, dass sich der Großteil der Fans, die sich in die Liste eintragen, auch auf dem Weg zum Stadion sicher fühlt. Natürlich passieren auf den Wegen zum Stadion unschöne Dinge. Aber die Wucht, mit der darüber berichtet wird, ist nicht angemessen, wenn man sie einmal mit der tatsächlichen Verletztenstatistik vergleicht.

Wenn man sich nun in die Liste einträgt, ist das so etwas wie eine Selbstverpflichtung, dazu beizutragen, dass sich Fans auch weiterhin sicher im Stadion fühlen dürfen? Oder ist das eine einmalige Meinungsäußerung ohne Substanz?

Schwietering: Ich denke, jeder hat Verantwortung, unabhängig davon, ob er sich in eine Liste einträgt. Grundsätzlich sollte einem schon der gesunde Menschenverstand sagen, dass man Verantwortung trägt, sobald man mit anderen Menschen zusammen ist. Sei es im Stadion oder im Straßenverkehr.

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