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2012 haben in Dortmund 70 Kneipen dicht gemacht

Architekt Reinhard Menne (l.) und Fred Baron von Hahn (r.) wollen in der Gaststätte „Kronen am Rathaus“ einen Raucherclub gründen. Menne hat eigens zu diesem Zweck das Gebäude gekauft

Architekt Reinhard Menne (l.) und Fred Baron von Hahn (r.) wollen in der Gaststätte „Kronen am Rathaus“ einen Raucherclub gründen. Menne hat eigens zu diesem Zweck das Gebäude gekauft

Foto: WR

Dortmund.   Von den 1000 Kneipen in Dortmund haben seit Jahresanfang 70 dicht gemacht, schätzt Claus Altendorf, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes. Davon 50 Eckkneipen – und die, meint er, verschwänden mit dem neuen Rauchergesetz komplett aus dem Stadtbild.

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Von den 1000 Kneipen in Dortmund haben seit Jahresanfang 70 dicht gemacht, schätzt Claus Altendorf, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes. Davon 50 Eckkneipen – und die, meint er, verschwänden mit dem neuen Rauchergesetz komplett aus dem Stadtbild.

Die Einigung von SPD und Grünen auf ein striktes Rauchverbot in nordrhein-westfälischen Gaststätten ab dem 1. Mai 2013 wird die Lage an der Tresenfront verschärfen. „70 Betriebe von etwa 1000 Betrieben haben wir zwischen Januar und November in Dortmund bereits verloren,“, schätzt Claus Altendorf, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes. Davon seien ungefähr 50 Eckkneipen, solche also, deren Restauration sich allenfalls auf Frikadellen erstreckt. Wo Zigarette und Pils ihre Lebensgemeinschaft nach Jahrzehnten des symbiotischen Miteinanderauskommens nun aushauchen müssen. „Solche Kneipen werden ganz verschwinden.“ Nahezu jedenfalls.

Mit seiner Einschätzung ist Altendorf nicht allein. „Wir sind verärgert über das neue Gesetz“, bestätigt Bajram Zeqiri von der Pizzeria Zucchero. „Wir haben kürzlich in einen extra Raucherraum investiert, die Nichtraucher werden von dem Qualm nicht belästigt. Schätzungsweise kommen dann ab Mai 2013 weniger Gäste, weil bislang doch viele nur mal eben etwas trinken wollten.“

Die Stimmung kippt

Die Musikkneipe B-Trieb im Kreuzviertel sieht allerdings auch große Probleme. „Das Rauchverbot wird das Kneipensterben beschleunigen“, der Meinung ist Wirt Wolfgang Gärtner. „Der Umsatz am Wochenende wird auf jeden Fall fallen, es wird keine ‘Runde Stößchen’ mehr geben. Die Nichtraucher sind eigentlich zufrieden mit der Lösung der Trennwand. Aber durch das Ausbleiben des Rauchens wird die Stimmung deutlich kippen“, nimmt er an.

„Lokales“ im Kreuzviertel befürchtet indes kein Ausbleiben des Umsatzes. „Anfangs waren wir kritisch, doch wir hatten aufgrund eines Umbaus zwei Wochen keinen Raucherraum mehr. Da stieg der Umsatz sogar, aber wir sind ja auch keine typische Eckkneipe“, nimmt Anika Döring Stellung zum Thema.

Für den Vorsitzenden des Raucherclubs Smokey’s kommt die Ankündigung nicht ganz überraschend. Auch der von ihm ins Leben gerufene Club wird wohl zum Rauchopfer der Entwicklung werden. Allerdings erlaubt sich Reinhard Menne eine exklusive Meinung, die bürgerlichen Ungehorsam einschließt. Er suche keinen Streit, aber er will den Einschnitt in seine Bürgerrechte so ohne weiterses nicht hinnehmen. „Ich werde auch nach dem 1. Mai weiterrauchen“, kündigt er an. Sogar im Club, der ja längst keine Kneipe mehr sei, sondern ein Vereinsheim mit einer Schankerlaubnis. Wenn er deswegen verklagt würde, na bitte. Pragmatiker ist er allerdings auch. „Ich sehe das Ganze gelassen“, meint er: „Wenn ich gewinne, habe ich Glück gehabt und wenn nicht, dann eben Pech.“ Aber so ganz schlecht schätzt er seine Chancen nicht ein.

Was sich so nach einem generellen Problem anhört, ist wohl ein spezifisches. „In Restaurants und Szenekneipen“, sagt Altendorf, „ist das alles überhaupt kein Thema.“ Selbstverständlich werde da nicht geraucht, das fänden inzwischen sogar Raucher gut. Das Rauchverbot sei ein spezifisches Problem für Eckkneipen. Dort am Tresen, wo der eine Kumpel den anderen zum Labern trifft – bei Pilsken und Fluppe.

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