Gartenbauverein

Zukunft von „Gut Grün“ in Voerde-Möllen bleibt ungewiss

Noch ist unklar, was mit den Gartenanlagen von „Gut Grün“ passieren soll.

Noch ist unklar, was mit den Gartenanlagen von „Gut Grün“ passieren soll.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Voerde.  Nach der Kündigung der ersten von acht Gartenanlagen bei „Gut Grün“ in Voerde-Möllen gibt es ein weiteres Gespräch zwischen Verein und Vivawest.

Noch tappt der Gartenbauverein „Gut Grün“ in Möllen darüber im Dunkeln, wie es um die Zukunft all seiner Parzellen und damit letztlich auch um seine eigene bestellt ist. Möglicherweise weiß er bereits bald mehr.

Am Montag soll es einen weiteren Termin mit der Vivawest Wohnen GmbH, Eigentümerin der Fläche, geben. Bislang hat „Gut Grün“ dies hier schwarz auf weiß: Zum 31. Oktober 2020 soll der Verein die von ihm gepachtete Gartenanlage 2 vollständig räumen und in einem ordnungsgemäßen Zustand an die Besitzerin zurückgeben.

Vertrag für erste Anlage wurde Mitte Juli gekündigt

In ihrem Kündigungsschreiben vom 15. Juli begründet Vivawest ihren Schritt damit, das 1840 Quadratmeter große Grundstück „für eigene Zwecke“ zu benötigen und dieses zu verkaufen. Auf der Fläche befinden sich sechs Parzellen. Eine Woche zuvor hatte der Wohnungsanbieter mit Sitz in Gelsenkirchen den Vorstand von „Gut Grün“ zu einem Gespräch eingeladen und diesem mitgeteilt, dass zukünftig nur noch Sechs- beziehungsweise Zwölf-Monatsverträge ausgestellt würden. Sieben Tage später traf dann für den Verein überraschend bereits die Kündigung für die erste von acht Gartenanlagen mit insgesamt 123 Parzellen ein.

Ein Vertreter des Wohnungsunternehmens habe sich gemeldet und erklärt, dass einiges falsch gelaufen sei, berichtet Norbert Lauerwald, der erste Vorsitzende von „Gut Grün“, auf Nachfrage der NRZ mit Hinweis auf das für kommenden Montag anberaumte Gespräch. Auch sei von einer Ausweichmöglichkeit für die gekündigte Gartenanlage die Rede gewesen. Vivawest-Sprecher Gregor Boldt bestätigt gegenüber der NRZ, dass mit dem Gartenbauverein Anfang Juli das Gespräch gesucht worden sei, um rechtzeitig vor Ablauf der Verträge im Oktober kommenden Jahres eine Änderung der bisher geltenden Laufzeiten und der Kündigungsfristen anzukündigen.

Vivawest-Sprecher räumt Versäumnisse ein

Hintergrund seien „Überlegungen zur Entwicklung des Quartiers, die eine größere zeitliche Flexibilität“ erforderten. „In diesem Zusammenhang ist nach dem Gespräch die Kündigung von sechs Parzellen erfolgt“, erklärt Boldt. Der Vivawest-Sprecher räumt Versäumnisse ein: Leider hätten in diesem Fall „die interne Abstimmung und die Kommunikation gegenüber den Pächtern und unseren Mietern nicht so funktioniert, wie es unser Anspruch ist. Das tut uns leid“.

Was ganz konkret im Bereich der Gartenanlagen geplant ist, darüber schweigt sich das Wohnungsunternehmen aus. Nähere Details zur Quartiersentwicklung in Möllen könne man zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht nennen. Vivawest befinde sich dazu „im konstruktiven Austausch mit der Stadt “. Weitere Kündigungen der Pachtverträge seien „zunächst nicht vorgesehen“. Welcher Zeitraum mit „zunächst“ gemeint ist, lässt Vivawest offen.

Quartiersentwicklung: In Möllen brodelt die Gerüchteküche

Man habe mit „Gut Grün“ vereinbart, sich zeitnah zusammen zu setzen, „um alle offenen und strittigen Punkte zu den Pachtverträgen und zur zukünftigen Nutzung zu besprechen und gemeinsam zu einer für alle Beteiligten zufriedenstellenden Lösung zu kommen“. Das versandte Kündigungsschreiben für die sechs betroffenen Pachtverhältnisse werde ebenfalls Gegenstand dieses Gespräches sein, kündigte Boldt an. Er bat um Verständnis, dass der Wohnungsanbieter nun zunächst das Ergebnis dieses Treffens abwarte, bevor weitere Informationen zu dem Thema mitgeteilt werden könnten.

Unterdessen bereiten bereits geschehene und möglicherweise noch folgende Kündigungen von Pächterseite Norbert Lauerwald Kopfzerbrechen. Der erste Vorsitzende von „Gut Grün“ fragt sich, wer bis zum 31. Oktober 2020 die Pacht an Vivawest bezahlt. Der Gartenbauverein könne dies nicht leisten. Auch treibt Lauerwald die Frage um, wer die „ganzen Kosten“ für die Räumung der gekündigten Gartenanlage trägt.

Was die weitere Quartiersentwicklung angeht, brodelt in Möllen die Gerüchteküche. Die Gartenanlage, für die Vivawest den Pachtvertrag gekündigt hat, soll für Eigentumshäuser weichen, ist da zu hören. Die Pläne dafür gibt Vivawest, wie beschrieben, derzeit nicht preis. Auch ist zu vernehmen, dass der Wohnungsanbieter in Möllen Mietshäuser etwa an der Schlesierstraße sukzessive leer ziehen soll, um diese am Ende abzureißen. Vivawest dementiert: Die von außen sichtbaren Leerstände resultierten aus normalen Kündigungen der Mieter. Ein Leerzug seitens Vivawest erfolge nicht. Durch Modernisierungen zur Vorbereitung von Neuvermietungen stünden die betreffenden Wohnungen eine Zeit lang leer, bis die Arbeiten fertig gestellt seien, erklärt Gregor Boldt.

>> HINTERGRUND

  • Im Voerder Stadtteil Möllen hat Vivawest nach eigenen Angaben 735 Wohnungen in 178 überwiegend zweigeschossigen Mehrfamilienhäusern. Die in den vergangenen Jahren im Quartier vorgenommenen „Modernisierungs- und Aufwertungsmaßnahmen“ etwa in den Bereichen „Am Biesen, Horstweg, Knappenstraße, Auf dem Bünder, sollen in den nächsten Jahren Schritt für Schritt und mit Blick auf die Bedürfnisse der Mieter fortgesetzt werden“, kündigt Gregor Boldt, Sprecher des Wohnungsanbieters an.
  • Auch Eigentumsmaßnahmen wurden von Vivawest in Möllen umgesetzt: So entstanden vor einigen Jahren etwa an der Straße Am Leitkamp 20 Einfamilienhäuser, für die zuvor insgesamt 20 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern abgerissen worden waren. Neun Einfamilienhäuser wurden an der Hauerlandstraße gebaut und verkauft.

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