Stadthalle

Zeitkapsel der Stadthalle Dinslaken entdeckt: Was drin ist

Die Zeitkapsel war hinter dem Stadtwappen an der Stadthalle eingemauert - der Dinslakener Bürgermeister Wilhelm Lantermann hat 1971 selbst Hand angelegt.

Die Zeitkapsel war hinter dem Stadtwappen an der Stadthalle eingemauert - der Dinslakener Bürgermeister Wilhelm Lantermann hat 1971 selbst Hand angelegt.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Die Zeitkapsel wurde zufällig bei der Sanierung der Stadthalle entdeckt. Sie lag 48 Jahre verborgen. Der Inhalt: eine Zeitreise.

Sand rieselt aus dem schweren Kupferrohr, ein paar Münzen klimpern auf den Holztisch des Stadtarchivs. „Fassen Sie ruhig hinein“, bietet Gisela Marzin, Leiterin des Stadtarchivs, an. Gemeinsam holen wir eine schwere Urkunde und Zeitungen und noch mehr Sand aus der Röhre. 48 Jahre lang, seit dem 17. August 1971, hat die Zeitkapsel der Stadthalle hinter dem Grundstein des Gebäudes geschlummert – nun wurde sie bei den Sanierungsarbeiten eher zufällig entdeckt.

Die Zeitkapsel lag hinter dem Wappen

Sorgfältig wurde bei den Arbeiten das Wappen aus dem Gemäuer operiert – es wird im Baustellenbüro an der Duisburger Straße ausgestellt und soll später wieder eingesetzt werden. Walburga Wüster, Geschäftsführerin der stadteigenen ProZent GmbH, die die Sanierung der Stadthalle leitet, hatte die Baustelle bereits verlassen und war schon wieder in ihrem Büro im Ledigenheim, als der Anruf kam, dass hinter dem Wappen noch etwas gefunden wurde. Ein paar Tage lag die Zeitkapsel auf dem Schreibtisch der ProZent-Geschäftsführerin, wurde dann ins Stadtarchiv gebracht. Dort dokumentiert Gisela Marzin den Inhalt. Auch für das Stadtarchiv ist die Zeitkapsel ein seltenes Stück. Etwas dergleichen habe sie noch nie in den Räumen gehabt, sagt Gisela Marzin.

Alte Urkunde: „Möge auf diesem Grundstein ein Haus in Frieden wachsen“

Die Röhre hat sich dem früheren Aussehen der Stadthalle angepasst: Wie die Kupferplatten am Bühnenturm der Kathrin Türks-Halle ist auch sie an einigen Stellen angelaufen. Ebenso wie der Glückspfennig, den die Bauherren vor 48 Jahren dem Grundstein beigegeben haben – gemeinsam mit allen damaligen Münzen vom 5-Mark-Stück abwärts.

Fast unbeschädigt ist die Urkunde zur Grundsteinlegung eingerollt worden: Das kräftige, pergamentartige Papier lässt sich kaum aufrollen. „Die Stadthalle ist gedacht als eine Stätte der Begegnung, der Erbauung und der Erholung für die Bevölkerung Dinslakens und des Niederrheins“, steht darauf. „Möge auf diesem Grundstein ein Haus in Frieden wachsen und bestehen, das stets vom Geist der Freiheit und Toleranz geführt ist.“ Bürgermeister Wilhelm Lantermann hat die Urkunde unterschrieben – und den Kuli, wie ein paar Striche zeigen, offenbar auf der Rückseite ausprobiert.

Die Stadthalle wurde pünktlich zum 700-jährigen Jubiläum der Stadt Dinslaken im September 1973 fertig. Bürgermeister Wilhelm Lantermann hat diesen Tag nicht mehr erleben dürfen: Er ist wenige Monate zuvor, im Mai 1973 verstorben.

Damals war Dinslaken noch Kreisstadt

Auch ein Stadtplan liegt in der Zeitkapsel bei – Dinslaken war damals noch Kreisstadt! – und die Tageszeitungen des 17. August 1971. Die Schlagzeile der NRZ von damals hätte – zumindest fast – aus der heutigen Zeit stammen können: „Amerikas Präsident verkündet drastisches Wirtschaftsprogramm. Keine Gefahr für die Mark für Nixons Dollar-Kur“. US-Präsident Richard Nixon hatte gerade unter anderem einen Einfuhrzoll von zehn Prozent auf Importwaren festgesetzt.

Willy Brandt war damals Bundeskanzler, Gustav Heinemann Bundespräsident. Die Realschule in Hiesfeld hieß noch Realschule, der Zusatz Gustav-Heinemann-Zentrum folgte erst 1977. In Dinslaken wurde laut NRZ aus der Kapsel am 17. August 1971 Hartmut Rotte, der 50.000 Bürger der Stadt, eingeschult. Das Kopernikus-Gymnasium in Walsum war gerade fertig geworden, die Volksparkschule zum Ärger der Stadtverwaltung nicht, wie im Teil für den „Kreis Dinslaken“ der NRZ an diesem Tage steht.

Hoffnung auf „langen Bestand“

Bürgermeister Wilhelm Lantermann selbst hat die Zeitkapsel damals, mit Schutzhelm und Wasserwaage ausgerüstet, in die Wand der Stadthalle, die erst im Jahr 2002 in Kathrin-Türks-Halle umbenannt wurde, eingemauert und nochmals betont, dass es sich nicht um ein Theater handele, „wenngleich die Halle auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden“ sollte, wie die NRZ am Folgetag schrieb. Zuvor hatte es eine lange Diskussion um den Neubau gegeben. Der Bürgermeister versprach, die finanzielle Belastung der Stadt durch den Bau möglichst gering zu halten – die Stadthalle hat 10,8 Millionen Mark gekostet. Vertreter der Baufirma und Architektengemeinschaft drückten in ihrer Rede die Hoffnung auf einen „langen Bestand“ aus.

So geht es weiter

Bevor die Stadthalle Ende 2020 wieder eröffnet werden soll, soll die Zeitkapsel ergänzt und gemeinsam mit dem Wappen wieder eingemauert werden. „Damit die Leute in 50 Jahren wieder etwas zum Staunen haben, sagt Gisela Marzin lächelnd.

Was bedeutet diese Inschrift?

Die Außenseite der Zeitkapsel ist mit dem Schriftzug „Dinslaken 152790“ versehen. Das Stadtarchiv kann mit der Zahlenfolge nichts anfangen. Vielleicht weiß jemand von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, was die Ziffern zu bedeuten haben? Dann melden Sie sich gerne bei uns unter 02064/620522 oder lok.dinslaken@nrz.de.

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