Kultur

Winterliche Klänge im sonnigen Burginnenhof Dinslaken

Das Akkordeonorchester 1980 Dinslaken/Oberhausen spielte im Burginnenhof des Rathauses Dinslaken.

Das Akkordeonorchester 1980 Dinslaken/Oberhausen spielte im Burginnenhof des Rathauses Dinslaken.

Foto: Jochen Emde/Funke Foto Services / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Das Akkordeon-Orchester 1980 Dinslaken/Oberhausen bot beim Konzert im Dinslakener Burginnenhof Jazz und Tango Nuevo auf sehr hohem Niveau.

Winterlich ist an diesem Sonntagnachmittag nur die melancholische Stimmung von Astor Piazzollas „Invierno Porteno“, einem Satz aus der Antwort des argentinischen Komponisten auf Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Die Arbeitsgemeinschaft musischer Vereinigungen hat mit den warmen, sommerlichen Temperaturen Glück gehabt und konnte so ihren Gästen im sehr gut besuchten Burginnenhof einen Konzertrahmen bieten, der dem Thema des Nachmittags mehr als angemessen war. „Tango, Latin & Jazz“ vereinte die mitreißende Melancholie des Tango Nuevo mit zeitgenössischem Jazz. Es spielten das Akkordeon-Orchester 1980 Dinslaken/Oberhausen unter der Leitung von Folkwang-Dozent Johannes Burgard, die Pianistin Beate Grziwotz aus den Reihen des Orchesters und als Gastsolist der Dinslakener Saxophonist Ralf Bazzanella.

Hervorragendes Zusammenspiel

Es passt perfekt: Johannes Burgard liebt Tango und die Dinslakener lieben nun einmal Astor Piazzolla. Er ist derjenige, der als klassisch ausgebildeter und studierter Komponist den Tango in die Kunstmusik erhob und dem man nicht nur unvergessliche Melodien wie die des „Libertango“ verdankt – das Stück war selbstverständlich die „Zugabe“ des Konzerts am Sonntag – sondern auch kluge Kompositionen voller Zitate und Querverweise wie eben jenes Invierno Portendo, das mit einer Variation über den Kanon von Pachelbel endet. Aber Piazzolla verstand auch etwas von Jazz: Davon gaben Ralf Bazzanella und das Orchester mit „Years of Solitude“ eine Kostprobe.

Collaboration 2 im Mittelpunkt

Die Stücke von Astor Piazzolla arrangiert Johannes Burgard selbst. Geboten wurden im Burginnenhof aber auch Originalkompositionen für das Akkordeon-Orchester. Wolfgang Russ gehört derzeit zu den beliebtesten und meistgespielten Komponisten für diese Besetzung. Doch er ist auch Jazzer. Und das führt direkt zu Ralf Bazzanella. Vor 20 Jahren spielten die beiden die Collaboration 2 auf, eine Jazz-Suite für Saxophon, Klavier und Akkordeon-Orchester. Und genau dieses Werk stand im Mittelpunkt des Konzerts.

Nur fast perfekte Bedingungen

Es war eine beachtliche Leistung. Der Profimusiker und das Amateurorchester boten ein hervorragend aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel. Und dies nicht einmal unter perfekten Bedingungen. Es war relativ windig im Burginnenhof, das nahm den Akkordeons schon hörbar etwas von ihrem Druck. Doch dafür waren die Nuancen in der Interpretation und die technische Präzision aller umso klarer zu hören. Und Russ verlangt einiges: Funk, Jazz Waltz und beinahe freie Tonalität im abschließenden Boppin Salsa. Der Solo-Klavierpart ist anspruchsvoll, vom Saxophon-Part ganz zu schweigen. Für das Publikum bedeutete das alles: zurücklehnen und genießen.

Nächstes Mal gibt es eine „Salsafonia“

Und dies galt für das ganze Konzert. „Milonga del Serafin“ des in Berlin lebenden Argentiniers Coco Nelegatti, aber auch der „ARTango“ von Thomas Ott waren hörbar von Piazzolla beeinflusst, was ja nicht das schlechteste ist. Eröffnet wurde das Konzert allerdings mit dem Danzón“ No. 2 von Arturo Marquez. Nicht nur Argentinien, sondern auch Mexiko hat Musik, die dem Tanz entnommen ist, aber durch ihre komplexen synkopischen Rhythmen und ihren dahingleitenden Melodien in Moll konzertanten Wert hat.

Die Zeit flog dahin, schon war der „Libertango“ verklungen. Doch Burgard wird Dinslaken weiter mit Südamerikanischem verwöhnen. Dass es beim nächsten Mal eine „Salsafonia“ geben soll, hat Sabine Masur in einer Ansage versprochen.

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