Europawahl

So erleben zwei Wahlhelferinnen aus Dinslaken die Europawahl

Lena Bruns, links, und Selcan Koymat haben sich als Wahlhelferinnen für die Europawahl gemeldet.

Lena Bruns, links, und Selcan Koymat haben sich als Wahlhelferinnen für die Europawahl gemeldet.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Dinslaken.   Ehrenamtliches Engagement: Deshalb zählen Lena Bruns und Selcan Koymat aus Dinslaken als Wahlhelferinnen bei der Europawahl Stimmen.

Sie sind vor Ort, wenn Bürger in Dinslaken morgen ihre Kreuze machen: Lena Bruns und Selcan Koymat. Beide Wahlhelferinnen sitzen dann von 7 bis 13 Uhr im Wahllokal, Lena Bruns im Bruch, Selcan Koymat in der Dorfschule in Hiesfeld. Doch warum so früh aufstehen, um den halben Tag im Wahllokal zu verbringen? Immerhin gehen viele Mensch nicht einmal wählen. „Wir können doch froh sein, dass wir in einer Demokratie leben und mithelfen können“, findet BWL-Studentin Lena Bruns. Es sei zudem interessant, wie es hinter den Kulissen einer Wahl vor sich geht, fügt Selcan Koymat hinzu. Die Auszubildende bei der Stadt Essen ist zum ersten Mal als Wahlhelferin dabei.

Was im Wahllokal nicht geht

Wie der Wahltag in den Lokalen abläuft, weiß Lena Bruns hingegen schon genau. Sie war bereits bei der Bundestagswahl als Helferin aktiv. Denselben Andrang erwartet die Studentin am Sonntag allerdings nicht, obwohl das Interesse an der Europawahl in den vergangenen Jahren sicherlich zugenommen habe, wie die 20-jährige Dinslakenerin schätzt. Kompliziert sei die Stimmabgabe jedenfalls nicht.

Also einfach Wahlbescheinigung und Personalausweis mitbringen und morgen ein Kreuzchen machen? Es ist zumindest fast so einfach, weiß Lena Bruns. Ein paar Verhaltensweisen gingen im Wahllokal jedoch nicht. Etwa, den ausgefüllten Stimmzettel vor Abgabe im Wahllokal wieder zu öffnen oder die Wahlhelfer nach einer Wahlempfehlung zu fragen. „Dann müssen wir darauf hinweisen.“ Bei der Bundestagswahl sei es in ihrem Lokal dazu gekommen, dass sich ein Wähler beim Ankreuzen vertan hatte, erinnert sich Lena Bruns. Nachdem er dies rechtzeitig den Wahlhelfern mitgeteilt hatte, vernichteten diese den Stimmzettel und händigten einen neuen aus.

Leben ohne EU nicht vorstellbar

Auch über die Europawahl hinaus interessieren sich die beiden Wahlhelferinnen für Politik, ehrenamtlich in einer Partei seien sie aber nicht aktiv. „Noch nicht“, sagt Selcan Koymat. Sie möchte sich an die Profile der Parteien herantasten. Die Wahl zum europäischen Parlament habe der 23-Jährigen vor Augen geführt, wie wichtig politisches Engagement sei.

Ein Leben ohne ein offenes Europa können sich Lena Bruns und Selcan Koymat kaum vorstellen, assoziieren sie mit der EU doch vor allem Sicherheit, grenzenloses Reisen und einheitliches Bezahlen. Vor allem Skandinavien begeistert Lena Bruns, die gerne ein Erasmus-Auslandsemester machen würde. Sie besucht gerne Freundinnen, die in Breda und Enschede studieren. „Vor allem hier am Niederrhein sind wir der niederländischen Grenze so nahe.“ Gerade das Reisen sei für beide der Inbegriff europäischer Freiheit.

Vorurteile abbauen

Deshalb findet Lena Bruns: „Die EU soll so bleiben, wie sie ist und sich nicht zum schlechteren wandeln.“ Selcan Koymat befürchtet vor allem einen Rechtsruck in vielen europäischen Staaten, der sich auch in der EU-Politik niederschlagen könnte. „Ich habe einen türkischen Migrationshintergrund und fühle mich sehr wohl hier in Deutschland.

Doch gibt es ab und an Ausnahmesituationen, in denen ich komisch angeguckt werde.“ Eine gute Zusammenarbeit der EU-Staaten untereinander habe jedoch das Potential auch gesellschaftlich Vorurteile abbauen, findet die Auszubildende. Deshalb hofft auch Lena Bruns, dass die Auszählung der Stimmzettel ab 18 Uhr auch ihre Zeit dauert. „Lieber länger zählen, denn das bedeutet eine höhere Wahlbeteiligung.“

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