Schulstreik

Rund 400 Schüler bei „Fridays for Future“-Demo in Dinslaken

Dinslaken.  Bei der zweiten „Fridays for Future“-Demo nahmen erneut rund 400 Schüler teil. Ein Paar feierte so eine gut besuchte standesamtliche Hochzeit.

Die Kleinsten, die bei der ersten „Fridays for Future“-Demo in Dinslaken das größte Banner gebastelt hatten, sind auch zum zweiten Klimastreik in der Stadt wiedergekommen. Dieses Mal aber sind sie nicht die Kleinsten. Vor dem Rathaus, etwas abseits des wieder rund 400 Schüler fassenden Pulks, steht Jona. Aufgeregt blickt der Zweijährige umher – und klatscht sichtlich begeistert in die Hände, als auch die anderen es tun.

Jona ist natürlich nicht alleine zu der Klimademo gekommen – auch seine Mutter ist da. Einige der Kleinen mit dem großen Banner gehören zu ihr, erklärt sie – und um sie zu unterstützen, seien auch sie und Jona hergekommen. „Toll“ findet sie das Engagement der Schüler auch dieses Mal wieder – und „unterstützenswert“, schiebt sie noch hinterher.

Fensterscheiben am Rathaus zum Beben bringen ist nicht das Wichtigste

Der Rest ihrer Worte geht unter im Getöse. „Hopp, hopp, hopp, Klimastopp“ tönt es aus hunderten Kehlen. „Wir wollen wieder so laut sein, wie beim vergangenen Mal“, ruft der 18-jährige Jordan, der die Demo dieses Mal angemeldet hat, durch das Mikrofon. „Wir wollen die Fensterscheiben am Rathaus wieder zum Beben bringen.“

Doch natürlich wollen die Demonstranten an diesem Tag viel mehr. „Ich streike und demonstriere, weil die Politiker und Staaten zwar beschlossen haben die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, aber nicht entsprechend handeln“, sagt die 18-jährige Hannah. „Ich streike, weil die Klimaerwärmung noch weiter – auf anderthalb Grad – begrenzt werden muss, damit es nicht zu Dominoketten, wie dem Abschmelzen der Polarkappen, kommt, damit nicht innerhalb weniger Jahrzehnte 200 Millionen Menschen ihr Zuhause verlieren.“

Angst davor, dass Lebensmittel knapp werden und deshalb irgendwann Kriege ausbrechen

Sie habe Angst davor, dass die Nahrungsmittel auf dieser Erde knapp würden; Angst davor, dass deswegen eines Tages Kriege ausbrechen könnten. „Es ist wichtig, dass ab sofort jedes Jahr weniger und bis zum Jahr 2050 gar kein CO2 mehr entsteht“, fordert die Schülerin und weist darauf hin, dass es Maßnahmen gebe, die das bewirken könnten. „Und solche Maßnahmen können nicht von uns oder von Braunkohleunternehmen veranlasst werden, sondern nur von Politikern.“

Einen von ihnen, nämlich Landrat Dr. Ansgar Müller, adressiert Jordan in seiner anschließenden Rede. Dieser habe im Laufe der Debatte um die Finanzierung der Straßenbahnlinie 903 gesagt, dass das ÖPNV-Angebot im Kreis Wesel „in seiner Struktur angemessen“ sei. „Ich weiß ja nicht, ob Sie es nicht einsehen wollen oder einfach ignorieren, aber: Ein verbesserter ÖPNV könnte zur Minderung der CO2-Ausstöße beitragen“, sagt Jordan.

Zwischen Bagger und Schülerdemonstranten steht ein frisch verheiratetes Brautpaar

Wie jeder der Redner erhält er Jubel und Applaus für seine Worte, immer wieder stimmen die Schüler auch Sprechchöre an. Diese übertönen sogar den Bagger, der ein paar Meter weiter neben der Kathrin-Türks-Halle arbeitet. Inmitten des Trubels steht dann auch noch ein frisch vermähltes Brautpaar.

Das hatte die NRZ-Redaktion kontaktiert, nur wenige Minuten, nachdem sie den Klimastreik ankündigte – besorgt darüber, dass die Trauung nun auf der Kippe stehen könnte. „Aber es hat ja alles geklappt. Wir sind glücklich“, sagt Nun-Ehemann Mirko Neuhaus. Stolz hält er Stefanie, seine frisch Angetraute, im Arm. Auch sie lächelt glücklich. Und als dann der Schülerpulk dem Brautpaar auch noch geschlossen gratuliert, da entsteht dann auch ein weiterer Moment, an den Stefanie und Mirko Neuhaus sich sicherlich ewig erinnern werden.

  • Die zweite „Fridays for Future“-Demo in Dinslaken ist erneut vor allem von Schülern des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG) organisiert worden. Anders als beim ersten Mal, hatte THG-Leiter Thomas Nett die Schülerschaft dieses Mal nicht dafür freigestellt - der NRZ auf Nachfrage aber erklärt, dennoch „mit Augenmaß“ bei jedem Schüler, der dem Unterricht aufgrund der Demo fernbleibe, einzeln zu entscheiden.

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