Römerlager in Krudenburg

Ein germanischer Soldat aus Bruckhausen im Römerlager

Erwin Hellmanczyk aus Bruckhausen als germanischer Soldat beim Römerlager in Krudenburg.

Erwin Hellmanczyk aus Bruckhausen als germanischer Soldat beim Römerlager in Krudenburg.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Hünxe.  Der Name „Cohors Prima Nervana Germanica“ ist historisch belegt. Erwin Hellmanczyk ist mit seiner Kohorte beim Römerlager in Krudenburg dabei.

An diesem Wochenende fallen rund 15 bis 20 Römer und Germanen wieder ins alte Lippetreidlerdorf Krudenburg ein. Kein Grund zur Sorge – das tun sie seit 2011 regelmäßig. Sie sind Gäste beim Sommerfest des Schützenvereins Krudenburg und der Dorfgemeinschaft (siehe Box). Gestern Mittag begann der Aufbau für das Lager auf der Festwiese am Lippe-Ufer.

Und der erste Germane vor Ort stammt aus der Gemeinde Hünxe: Es ist Erwin Hellmanczyk aus Bruckhausen. Der 61-jährige Rentner, früher auf der Schachtanlage Lohberg als Elektriker unter Tage beschäftigt, ist mit Dirk Steinhorst aus Oberhausen Mitbegründer der „Cohors Prima Nervana Germanica“. Seit 2011 schlägt die Kohorte – der 10. Teil einer Legion – in unregelmäßigen Abständen ihr Lager in Krudenburg und anderswo auf.

„Wir sind untereinander befreundet und schätzen uns“

„Wir sind Leute, verschieden alt und mit unterschiedlichen Berufen, einige kommen sogar aus dem Raum Aachen, Köln und Bonn, aus Koblenz oder Darmstadt“, erklärt André van de Bruck aus Moers, der später zum Aufbau hinzustößt. „Wir sind untereinander befreundet und schätzen uns, ob Römer oder Germanen.“ Die gemeinsamen Lager und seinem Hobby zu frönen, sei für viele der Höhepunkt in jedem Jahr. Leider könnten jetzt in Krudenburg einige aus verschiedenen Gründen nicht dabei sein und hätten abgesagt.

Die Idee zur Namensgebung „Cohors Prima Nervana Germanica“ sei übrigens in England entstanden – bei einem Marsch entlang des Hadrian-Walls und des Antonius-Walls. „Cohors ist historisch belegt“, weiß van de Bruck.

Zusammen mit seiner Familie am Wochenende vor Ort

Inzwischen hat Erwin Hellmanczyk seine drei Zelte für einen Teil des Lagers aufgebaut. Zusammen mit seiner Familie wird er am Wochenende vor Ort sein und den Besuchern in Montur eines Soldaten Rüstungen, Schwerter, Werkzeuge und Laternen präsentieren. „Alles in Handarbeit selbst gemacht“, erklärt der Hobby-Feinschmied, der zumeist Kupferlegierungen und Zinn verwendet. Eine Laterne sei ein Originalfund aus Pompeji, die er als Replik, auch für Aufträge, in seiner Werkstatt in Bruckhausen eins zu eins nachbaue. Die Arbeitszeit pro Exemplar beziffert er mit knapp 40 Stunden. Auch an ein Programm für Kinder denken die Hellmanczyks am Wochenende in Krudenburg. So können an einem Stand Glücksamulette aus Münzen hergestellt werden.

Fünf- bis sechsmal im Jahr sei er noch für diverse Lager auf Festen unterwegs („es waren mal zwölf“), zuletzt eine Woche in Bayern. In diesem Jahr stehe noch eine internationale Begegnung in Bergkamen sowie zum „Limes-Tag“ am 3./4. Oktober eine in der Nähe von Idstein an. „Mehr Termine sind zu stressig“, sagt Erwin Hellmanczyk, der auf manches Historisches in der Gemeinde Hünxe hinweist – alte Keltenwege, Hünengrab, Ringwallanlage.

Nur die Rüstung ist 27 Kilo schwer

Dann legt er für das Foto seine Rüstung an – 27 Kilo schwer, ohne Schwert, Lanze und Schild. „Ich bin ein Auxiliar, die gab es überwiegend in germanischen Einheiten“, erklärt der Hünxer. „Für das Lager in Krudenburg sind wir als ‘Cohors Prima Nervana Germanica’ schon von Wesel oder Bruckhausen aus hierhin gelaufen, immer schön durch die Wälder. Auf den Straßen wäre ein Verkehrschaos vorprogrammiert. Alle würden bremsen.“ Für ihn bleibe die Veranstaltung sein Hobby, „auch wenn manche mittlerweile auf die Gage schauen“.

Seine Schmiede zur Anschauung sei auf Festen stets umlagert, „einige Germanen nebenan machen Holz- und Schnitzarbeiten“, sagt der Pfeifenraucher, der sich sein Pfeifenbesteck natürlich selbst gefertigt hat. Wenn es gesellig wird, trinken Römer und Germanen auch mal gern „Mulsum“, einen selbstgekelterten Wein. „Wir verstehen uns untereinander gut und freuen uns, dass die Gemeinde Hünxe, Schützenverein und Dorfgemeinschaft Krudenburg das Lager mit unserer ‘Cohors Prima Nervana Germanica’ immer unterstützen.“

Und Erwin Hellmanczyk fügt lächelnd hinzu: „Auch Kaiser Nerva war ein Guter und hat viel gemacht für sein Volk.“

Sommerfest und Römerlager auf der Festwiese am Lippeweg

Der Schützenverein Krudenburg und die Dorfgemeinschaft laden am Wochenende gemeinsam zum Sommerfest und Römerlager auf der großen Wiese am Lippeweg ein. Beginn ist am Samstag um 14 Uhr. Gegen 15 Uhr gibt es einen kleinen Umzug der Römer in Uniform mit dem Schützenverein durch Krudenburg. Auf der Dorfstraße findet ein Trödelmarkt statt, für Kinder gibt es kleine Spiele und die Hüpfburg. DJ Maik sorgt für Unterhaltung. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Die Römer tragen im Lager Wettkämpfe aus. Der Sonntag beginnt mit einem Frühschoppen, Ende offen.

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