Gewässerverschmutzung

Öl auf dem Rhein nahe dem Kraftwerk Voerde gibt Rätsel auf

Eine Vermutung ist, dass die Verunreinigungen auf dem Rhein vom stillgelegten Kraftwerksgelände in Möllen ausgingen

Eine Vermutung ist, dass die Verunreinigungen auf dem Rhein vom stillgelegten Kraftwerksgelände in Möllen ausgingen

Foto: Heiko Kempken / Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Voerde.  Bisher ist das stillgelegte Kraftwerksareal als Quelle der Verschmutzungen nicht bestätigt. Ergebnisse der Proben werden nächste Woche erwartet.

Die vier innerhalb der vergangenen 14 Tage gemeldeten Verunreinigungen auf dem Rhein in Höhe des stillgelegten Kraftwerks Voerde von RWE und Steag geben weiterhin Rätsel auf. Die Vermutung, dass die Quelle auf dem ehemaligen Industriegelände liegen könnte, ist bislang nicht bestätigt. Die Ergebnisse der beiden am 9. Juni durch die Wasserschutzpolizei entnommenen Proben aus dem Rhein – an diesem Tag war zum dritten Mal ein Ölfilm auf dem Fluss im Bereich der früheren „Stromfabrik“ ausgemacht worden –und der vom 13. Juni stammenden Vergleichsprobe aus der Abwasservorsorgeanlage auf dem Areal liegen noch nicht vor. Nach Angaben des Labors sei mit Ergebnissen in der nächsten Woche zu rechnen, teilte die Bezirksregierung Düsseldorf am Dienstag auf NRZ-Nachfrage mit. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Quelle der Gewässerverunreinigungen tatsächlich auf der Fläche des vor mehr als zwei Jahren stillgelegten Industriebetriebs liegt, lässt sich nach Angaben von Beatrix Van Vlodrop, Sprecherin der für den ehemaligen Kraftwerksstandort zuständigen Behörde, nicht sagen.

Im Frühjahr 2017 vom Netz genommenes Kraftwerk wurde danach „trocken gelegt“

Anfallendes Niederschlagswasser gelangt laut Bezirksregierung über Regenfallrohre und Straßeneinläufe in die werkseigene Kanalisation, die in die besagte Abwasservorsorgeanlage (AVA) münde – getrennt nach Einzugsgebieten der beiden Eigentümer RWE und Steag. In der AVA finde in beiden Becken eine Ablagerung von absetzbaren Stoffen und eine Abtrennung von Leichtflüssigkeiten (zum Beispiel Ölen) statt, bevor das Niederschlagswasser zusammenfließe und nach dem Absperrschieber, wenn dieser geöffnet sei, in einen Kanal in Richtung Rhein abgegeben werde. Im Normalfall sei anfallendes Niederschlagswasser eines stillgelegten Kraftwerks – außer bei einer Havarie – „nicht stärker belastet als Dachflächen und Wege/Straßen in wenig befahrenen städtischen Gebieten“. Eine Behandlung sei wasserwirtschaftlich nicht erforderlich, finde dort aber historisch bedingt dennoch statt. Die vorhandene AVA reinige das Niederschlagswasser. Darüber hinaus habe die Abwasservorsorgeanlage gemäß ihrer früheren Bestimmung die Funktion, „mögliche Havarien per Öldetektor zu erkennen und zurückzuhalten, indem der Absperrschieber automatisch geschlossen“ werde.

Um Havarien nach der im Frühjahr 2017 erfolgten Stilllegung auszuschließen, sei das Kraftwerk „trockengelegt“ worden, führt die Sprecherin der Bezirksregierung aus. Auch hier sei nicht mit einer Kontamination des Niederschlagswassers zu rechnen – „weshalb auch immer noch keine Ursache für die Ölfahne auf dem Rhein identifiziert wurde“.

Bezirksregierung: Sehr kleine Mengen Öl können sehr großen, schillernden Ölfilm erzeugen

Die Trockenlegung eines Kraftwerks diene vornehmlich dem Boden- und Gewässerschutz und solle unter anderem verhindern, dass Schadstoffe in die Umwelt gelangen können. Es befänden sich nach bisherigem Erkenntnisstand „keine Behälter oder Rohrleitungen mit Betriebsmitteln mehr“ auf dem Gelände. Die Steag habe mit Schreiben vom 27. Dezember 2017 den Abschluss zur Trockenlegung des Kraftwerks mitgeteilt und die geforderten Nachweise wie etwa gutachterliche Bescheinigungen der fachgerechten Entleerung der Läger, Anlagenteile und Systeme von Einsatzstoffen, Betriebsstoffen, Kraftwerksnebenprodukten und Abfällen und deren ordnungsgemäße Entsorgung übermittelt, wie Behörden-Sprecherin Beatrix Van Vlodrop erläutert.

Die „Entsorgung aller Betriebsmittel“ beinhalte keine Säuberung von zum Beispiel Rohrwänden, an denen noch Reste hafteten. Die Menge der Schadstoffe auf dem Rhein sei nicht bestimmbar gewesen. Prinzipiell könnten „sehr kleine Mengen Öl einen sehr großen, schillernden Ölfilm erzeugen“.

Seit dem 12. Juni hat es laut Behörde auf dem gesamten Rhein keine weiteren Meldungen gegeben

Nach dem zuletzt am 12. Juni ausgemachten Ölfilm in der Nähe des stillgelegten Kraftwerkes in Möllen hat es laut Bezirksregierung keine weiteren Meldungen von Verunreinigungen auf dem gesamten Rhein gegeben. Das Becken der Abwasserversorgeanlage, von der aus ein Einleitungsrohr in Richtung Fluss führt, sei in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni per Schieber verschlossen worden, erklärt Van Vlodrop. Zwei Tage, bevor zum bisher letzten Mal ein Ölfilm auf dem Rhein in Kraftwerksnähe gemeldet wurde.

Auch Lohberger Entwässerungsgraben und Rotbach-Mündung wurden in Augenschein genommen

An dessen südlicher Grundstücksgrenze fließt der Lohberger Entwässerungsgraben in den Fluss. Auch der sei von der Bezirksregierung bei der Begehung am 12. Juni in Augenschein genommen worden, aber dort seien keine Anzeichen für Ölrückstände gefunden worden. Zwar könne man einen Eintrag über diesen Weg nicht vollständig ausschließen, jedoch seien zwischen Mündung und Kraftwerk keine weiteren Ölfilme am Ufer in Totzonen entdeckt worden wie unterhalb des Kraftwerks. Deshalb konzentrierten sich die Nachforschungen derzeit auf den Bereich des ehemaligen Industriegeländes. Auch die Rotbach-Mündung sei begangen worden. Auch dort habe es keinerlei Hinweise auf Verschmutzungen gegeben.

Laut Bezirksregierung käme auch ein Schiff als mögliche Quelle in Frage

Es bestehe auch die Möglichkeit, dass von einem Schiff (mehrfach) illegal Öl in Höhe des Kraftwerks abgelassen worden sei, wie Beatrix Van Vlodrop erklärt. Direkt am Gelände befinde sich ein Anleger, der früher zur Beladung von Schiffen mit Abfällen aus dem Kraftwerk genutzt worden sei. Die Videoüberwachung sei seit Stilllegung des Kraftwerks außer Betrieb. Jährlich gebe es mehrere Meldungen über nicht zugeordnete Ölteppiche auf dem Rhein, nach denen die zuständige Wasserschutzpolizei Ermittlungen aufnehme. Diese laufen auch im aktuellen Voerder Fall.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben