Karl-May-Festspiele

Dinslakenerin in Elspe: Vera Dittrich erfüllte sich Traum

Vera Dittrich aus Dinslaken reitet in Elspe an der Seite Winnetous.

Vera Dittrich aus Dinslaken reitet in Elspe an der Seite Winnetous.

Foto: andrea haverkamp

Dinslaken/Elspe.  Karl-May-Festspiele: Vera Dittrich reitet derzeit in Elspe an der Seite Winnetous. 22-jährige Dinslakenerin wollte „etwas Verrücktes“ machen.

Wenn Winnetou, der große Häuptling der Apachen, sterbend in den Armen seines Blutsbruders Old Shatterhand liegt, ist Vera Dittrich als Indianerkrieger nicht weit entfernt. Auf Jumper, einem Schimmel sitzend, blickt sie hinunter auf die Szene. Und obwohl sie weiß, dass Jean-Marc Birkholz, der Darsteller des Winnetou, sich zum Ende der Vorstellung im sauerländischen Elspe quicklebendig von den Zuschauern verabschiedet, geht ihr die ergreifende Szene nahe.

Bestandteil der Karl-May-Festspiele

Wie die 22-jährige Dinslakenerin es ohnehin auch nach zwei Monaten ist Elspe noch nicht fassen kann, dass sie ein Bestandteil der Karl-May-Festspiele ist. „Ich kann es nicht in Worte fassen, es ist wie ein Traum“, schwärmte die junge Frau gestern in der NRZ-Redaktion. Die 22-Jährige absolvierte nach dem Abitur eine Lehre zur Immobilienkauffrau. „Freunde nahmen sich nach dem Abi eine Auszeit, ich wollte jetzt etwas Verrücktes machen, bevor der Ernst des Lebens beginnt“, erzählt sie. Indianer hätten in ihrer Familie schon immer eine Rolle gespielt, die Mama sei nämlich ein großer Fan von Pierre Brice, der Karl Mays Winnetou in vielen Filmen verkörperte. „Auch ich habe die Filme gesehen und war als Kind in Elspe, außerdem ist Reiten eine Leidenschaft“, so Vera Dittrich, die dem Hiesfelder Reit- und Fahrverein angehört.

Als Reiterstatist engagiert

So kam ihr eines Nachts die Idee mit den Karl-May-Festspielen in Elspe. Sie schrieb die Veranstalter an, hörte zwei Monate lang nichts und dann plötzlich – die Einladung zum Vorreiten. Stuntkoordinator Marco Kühne begutachtete die Reitkünste der jungen Frau und engagierte sie vom Fleck weg – als Indianer. Im Mai ging es dann zu den Vorbereitungstreffen nach Elspe, ab Ende Mai begannen die Proben. „Ich konnte es kaum begreifen, ‘Du bis dabei’, das war alles wie ein Traum“, erzählt Vera Dittrich.

Während der Vorstellungen mimt sie den reitenden Indianer, vor dem Stück arbeitet sie als Ordner. Während der Sommermonate lebt sie im familieneigenen Wohnwagen auf dem Gelände. „Neben Winnetou, Old Shatterhand und den Pferdeställen“, berichtet sie. „Die Kollegen sind alle supernett, wir sitzen oft nach den Vorstellungen noch zusammen oder unternehmen etwas.“ Das schließt auch die beiden Fernsehschauspieler Jean-Marc Birkholz und Kai Noll mit ein. „Ich wusste anfangs nicht, wie ich mich gegenüber diesen beiden Fernsehstars verhalten soll, doch beide sind so unkompliziert und cool.“

Helio steht ihr in Elspe zur Seite

„An unseren freien Tagen unternehmen wir oft etwas gemeinsam. Nach Dinslaken komme ich eher seltener“, sagt sie. Einzig ihr vierbeiniger Freund Helio steht ihr in Elspe zur Seite. „In der Vorstellung kann ich ihn zwar nicht reiten, aber es ist schön, hin hier zu haben“, erzählt Vera Dittrich. „Helio hat ja auch keine Bühnenerfahrung, das wäre vielleicht auch zu gefährlich.“ Denn die Pferde sind schon Stress ausgesetzt.

Es wird schließlich geschossen, was das Zeug hält, selbst zu kleinen Explosionen kommt es während der Vorstellung. Und auch schon mal zu einer etwas stärkeren ungeplanten Rauchentwicklung, wie kürzlich. „Nach der Explosion kokelte das Gras ein wenig und es entwickelte sich Rauch“, berichtet Vera Dittrich. „Von hinten kam Wasser zum Löschen. Das Publikum hatte seinen Spaß.“ Bei der Trockenheit ist man auf der Naturbühne auf alle Eventualitäten vorbereitet. Es könne ja immer mal etwas passieren, obwohl das Gelände ständig mit Wasser besprengt wird. „Sonst würden wir im Staub versinken.“

Unerschrockener Jumper

Ein anderes Mal, „und das war mir peinlich“, so Dittrich, musste sie in der Vorstellung das Pferd eines anderen „Indianers“ halten. Doch das spazierte seinem Reiter einfach hinterher. „Man sah mir meine Verzweiflung richtig an“, berichtet die junge Reiterin. „Dabei komme ich sonst mit Pferden perfekt klar.“ Dachte sie zumindest, doch „Berge hoch zu reiten, das ist schon etwas anderes“. Jumper, ihr Elspe-Pferd, ist seit zehn Jahren dabei und versiert. „Er kennt jeden Schritt, jede Unebenheit. Während ich bei jedem Schuss zusammenzucke, steht Jumper wie eine Eins.“

Bis Mitte September laufen die Vorstellungen, dann beginnt für Vera Dittrich der Ernst des Lebens. Ab 1. Oktober nimmt sie ihren Job als Immobilienkauffrau auf. Sich der Schauspielerei als Profi zu widmen – das wäre nichts für sie. „Ich glaube, dazu fehlt mir das Talent. Aber mit der Arbeit in Elspe ist ein Traum in Erfüllung gegangen.“

Die Karl-May-Festspiele in Elspe, Sauerland, mit „Winnetou III“ laufen noch bis zum 15. September. Montags und freitags gibt es keine Vorstellungen. Abendvorstellungen sind an den Samstagen während der Ferien zu erleben. Ein Rahmenprogramm mit Musik- und Pferdeshow unterhält die Besucher der Karl-May-Festspiele. Ebenfalls möglich sind Bühnenführungen hinter die Kulissen der Festspiele.

Karten gibt es unter 02721/94440 oder www.elspe.de. Die Show ist wetterunabhängig, die Plätze sind überdacht.

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