ARTENVIELFALT

Dinslaken und Voerde legen Wildblumenwiesen für Insekten an

Hegeringsleiter Dirk Gühnemann, Frank Heckes, Bürgermeister Dirk Haarmann, Dezernent Wilfried Limke und Jochen Hansen (Hegering) stellten das Blühstreifen-Projekt in Voerde vor. Foto:Heiko Kempken

Hegeringsleiter Dirk Gühnemann, Frank Heckes, Bürgermeister Dirk Haarmann, Dezernent Wilfried Limke und Jochen Hansen (Hegering) stellten das Blühstreifen-Projekt in Voerde vor. Foto:Heiko Kempken

Voerde/Dinslaken.   Dinslaken und Voerde setzen sich für Artenvielfalt ein und legen insektenfreundliche Flächen an. Ein Verbot von Steingärten lehnen beide ab.

Dinslaken und Voerde sollen blühen, Insekten sollen brummen und Vögel brüten – beide Kommunen bemühen sich um die Artenvielfalt auf ihrem Stadtgebiet und säen Wildblumensamen. In Spellen haben Hegering, Landwirte und Stadtverwaltung am Dienstag einen 1000 Quadratmeter breiten Ackerstreifen präpariert. Insgesamt sollen in diesem Jahr auf 10 Hektar Flächen in Voerde sogenannte Honigpflanzen wachsen.

Das macht Voerde

„Alle reden über Insektensterben und Artenschutz“, sagte Voerdes Bürgermeister Dirk Haarmann bei der Vorstellung des Projekts.

Der Hegering hat der Stadt angeboten, Blühstreifen an Ackerrändern und ungenutzten Wirtschaftswegen anzulegen und hat für 1400 Euro 200 Kilo Saatgut angeschafft. Landwirte und Stadt stellen ihre Flächen zur Verfügung. In Spellen etwa wurden zwei breite Streifen auf kommunalem und privaten Besitz angelegt, weitere insektenfreundliche Blumenwiesen sollen unter anderem in der Mommniederung an der Boltraystraße/Ecke Rheinstraße und im Bereich der Steag entstehen.

„Es wird fast wie auf einer Almwiese duften“

In zwei Monaten werden an diesen Stellen „wunderschöne bunte Beete entstehen“, so der Bürgermeister und es werde „fast wie auf einer Almwiese duften“: Dann sollen Sonnen-, Ringel- und Kornblumen, Klatschmohn und Kräuter wie Dill, Koriander und Schwarzkümmel blühen. Die Stadt bittet die Bürger schon jetzt, die Blumen dann nicht zu pflücken und die Wiesen nicht zu betreten, um das Leben darauf nicht zu stören.

Steingärten: Aufklärung statt Verbot

Die Stadt Voerde hoffe auf „viele Nachahmer“ bei Bürgern und Kommunen. so Haarmann. Schon die „Voerder Tütchen“ mit Wildblumensamen und die Insektenhotels, die die Stadt im vergangenen Jahr an ihre Bürger verteilt hat, hätten das Thema Insektenschutz in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt, so der Bürgermeister. „Das sieht man schon daran, wie intensiv die Diskussion um Steingärten geführt wird.“

Verbieten möchte Voerde diese übrigens nicht. „Verbote haben immer einen Gegenreflex“, begründet der Erste und technische Beigeordnete Wilfried Limke. „Ich setze dabei eher auf Aufklärung.“

Das macht Dinslaken

Ähnlich sieht es die Stadt Dinslaken. Hier hatten die Grünen beantragt, Steingärten zu verhindern und die naturnahe Gestaltung von Vorgärten vorzuschreiben. Die Stadt werde, so schreibt sie in ihrer Stellungnahme zu dem Antrag, die „künftige Entwicklung der Versiegelung von Vorgärten“ kritisch begleiten. „Dezidierte Festsetzungen zur Vorgartenbegrünung greifen tief in die private Gestaltungsfreiheit ein“, so die Stadt, die das unverhältnismäßig findet.

Bewusstseinsbildung und Anreize

Bebauungspläne und Gestaltungssatzungen wie in Lohberg würden in einem gewissem Rahmen schon die Nutzungsweise der Vorgärten vorschreiben. Statt auf Verbote setzt Dinslaken auf „Bewusstseinsbildung“ und Anreize wie die gestaffelte Abwassergebühr für versiegelte beziehungsweise nicht versiegelte Flächen.

Auch Dinslaken legt derzeit Blühwiesen auf städtischen Flächen an – am Kinderspielplatz Blumenanger, am Rand der Claudiastraße und am Berthold-Schön-Weg. Weitere Flächen am Voswinckelshof, den Kleingartenanlagen Am Heimchen und Heisterbusch, an der Stadtkirche und am Spielplatz Rilkeweg sollen folgen. Die Flächen „sollen den Bürgern als positives Beispiel dienen und somit ein Bewusstsein für das Thema Biodiversität und Artenschutz schaffen“, so die Stadt.

Dinslaken will Saatgutmischungen für Bürger anbieten

Im kommenden Frühjahr will Dinslaken – wie Voerde im vergangenen Jahr – Saatgutmischungen für Bürger anbieten. Außerdem sollen die geplanten Hochzeits- bzw. Erinnerungsbäumen in Form einer artenreichen Streuobstwiese angelegt werden, die Insektenfreundlichkeit auch bei den Neubaumaßnahmen am Bildungszentrum Hagenstraße und der Ernst-Barlach-Gesamtschule sowie bei Ausgleichsmaßnahmen – etwa einer Streuobstwiese an der Landwehrstraße – berücksichtigt. Seit 2012 würden zudem auf kommunalen Flächen, die nicht landwirtschaftlich, gärtnerisch oder forstwirtschaftlich genutzt werden, keine Pflanzenschutzmittel mehr verwendet.

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