Bahn

Diebe legen Geldautomaten auf Gleise – Güterzug entgleist in Dinslaken

Die Unbekannten schleppten den Geldautomaten aus dem Bahnhof und legten den Tresor auf die Gleise.

Die Unbekannten schleppten den Geldautomaten aus dem Bahnhof und legten den Tresor auf die Gleise.

Foto: Lars Fröhlich

Dinslaken/Wesel/Oberhausen.  Ein Tresor auf den Schienen am Bahnhof Dinslaken führte am Donnerstag zu Zugausfällen. Bisher unbekannte Täter hatten Geldautomaten geraubt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Weil Diebe einen Geldautomaten aus dem Dinslakener Bahnhof gestohlen und auf die Schienen gelegt haben, ist ein Güterzug in der Nacht zum Donnerstag entgleist. Die Bundespolizei vermutet, dass die Unbekannten den Tresor mithilfe des Zuges öffnen wollten. Der Zug wurde dadurch im Frontbereich schwer beschädigt.

Die Spurensicherung ermittle vor Ort. An der Lok wurde ein Rad beschädigt. Um die Lok zu bergen, musste sie angehoben werden, teilte Uwe Eßelborn, Sprecher der Bundespolizei am Morgen mit.

Geldautomat war laut Unternehmen im Boden gesichert

Durch die Wucht auf des Aufpralls seien die Geldscheine auf die Gleise geschleudert worden. Wie viel Geld sich in dem Automaten befunden hat, dazu konnte der Sprecher keine Angaben machen. Der Geldautomat gehört dem Trierer Unternehmen Cardpoint. Den Schaden konnte man auf Anfrage nicht genau beziffern, er liege "bei mehreren Tausend Euro". Der Automat sei im Boden gesichert gewesen, sagte Geschäftsführer Chris Hanig auf Anfrage.

Neun Waggons mit Gefahrgut - Flüssiggas und Kältemittel - waren an den Triebwagen angehängt, die Beamten konnten aber Entwarnung geben – es waren keine gefährlichen Stoffe ausgetreten. Verletzt wurde niemand, es entstand aber ein hoher Sachschaden.

Zugverkehr zwischen Wesel und Oberhausen unterbrochen

Für Pendler zwischen dem Ruhrgebiet und dem Niederrhein begann der Donnerstag deshalb holprig. Für Stunden fuhr kein Zug. Der Deutschen Bahn gelang es nicht, einen Notverkehr mit Bussen auf die Beine zu stellen: "Wir haben keine Bus-Kapazitäten bekommen", sagte ein Sprecher. Der Anbieter Abellio fand schließlich einen Betreiber, der ab 6 Uhr zwischen Wesel und Oberhausen einen Bus einsetzte und von 7.30 Uhr an auch auf der Verbindung Wesel-Bocholt. Beides bis gegen 9 Uhr, als wieder erste Züge zwischen Wesel und Oberhausen fahren konnten. Ab dem Mittag konnten die Züge wieder planmäßig auf der Strecke fahren.

Bei Abellio waren neben der Linie RE 19 (Düsseldorf-Emmerich) und RB 35 (Mönchengladbach-Wesel) auch die Linie RB 32 (Wesel-Bocholt) vom Streckennetz abgeschnitten: "Die Züge werden nachts in Wesel und Emmerich geparkt", sagte Sprecherin Anamaria Preuss. Ein Zug der Linie RB 32 war in Duisburg abgestellt und konnte zu Dienstbeginn ebenfalls nicht nach Wesel fahren.

Auch nachdem am Morgen erste Züge wieder fahren konnten, kam es noch zu erheblichen Verspätungen: Züge konnten die Unfallstelle nur in Schrittgeschwindigkeit passieren, hieß es bei der Deutschen Bahn.

Verspätungen auch im Fernverkehr

Die Züge der Linie RE5 (Koblenz-Wesel) fuhren auch am Vormimttag noch nicht bis Wesel durch, sondern endeten vorzeitig in Oberhausen Hauptbahnhof. Es ist nur eine begrenzte Zahl an Gleisen zur Verfügung und "die Schäden sind doch erheblich", sagte ein Bahnspprecher. Gegen Mittag war auch die Linie RE 5 wieder auf ihrem Regelweg unterwegs, hieß es bei der Bahn.

Der Fernverkehr war am Morgen ebenso betroffen, mittlerweile kann die ICE-Linie zwischen Amsterdam und Frankfurt wieder über Dinslaken fahren. Es kommt aber weiterhin zu massiven Verspätungen.

Die Bergungsarbeiten sollen den Donnerstag über andauern.

>> Stichwort Fahrgastrechte: Wann der Bahnbetreiber Taxikosten übernimmt

Ob ein Tresor auf den Gleisen oder Schnee und Eis: Ist die Bahn zu spät oder fällt gar aus, haben Kunden unter Umständen ein Anrecht auf Erstattung, wenn sie ihre Fahrgastrechte einfordern. Vorausgesetzt ist, dass ein Zug bei Ankunft am Zielbahnhof mindestens 60 Minuten Verspätung hatte. Dann werden 25 Prozent der Fahrkartenkosten erstattet. Bei 120 Minuten Verspätung die Hälfte. Dauer-Pendler mit Monatsticket jedoch können nur 1,50 Euro pro Verspätungsfahrt geltend machen – und müssen Verspätungen sogar „sammeln“, weil Beträge unter 4 Euro nicht ausgezahlt werden. Wer nachts zwischen 0 und 5 Uhr auf der Strecke bleibt, kann ein Taxi nehmen. Kosten bis 80 Euro für das „alternative Verkehrsmittel“ muss das Bahnunternehmen auf Antrag erstatten.

Infos gibt es im Internet unter www.fahrgastrechte.info und bei der www.schlichtungsstelle-nahverkehr.de. Bei DB und bei Abellio kann man sich Erstattungs-Formulare aus dem Internet herunterladen unter www.bahn.de oder www.abellio.de („Unsere Garantien“). (dae/memo)

>>> Die Bahn informiert online über aktuelle Ankunfts- und Abfahrtszeiten:

Zur Online-Auskunft
Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (10) Kommentar schreiben