EUROPAWAHL

Das bedeutet Europa für uns in Dinslaken, Voerde, Hünxe

Ein blumiger Wahlaufruf: Im Kreisverkehr vor dem Rathaus Dinslaken wurde eine Europaflagge aus Blumen angelegt.

Ein blumiger Wahlaufruf: Im Kreisverkehr vor dem Rathaus Dinslaken wurde eine Europaflagge aus Blumen angelegt.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Dinslaken/Voerde/Hünxe.   Von Frieden und Freiheit bis Frikandel und Flüchtlingskrise: Menschen aus Dinslaken, Voerde und Hünxe sprechen über ihr Verhältnis zu Europa.

Was verbinden die Menschen mit Europa? Ist es nur die Annehmlichkeit, kein Geld mehr wechseln zu müssen, sondern überall mit dem Euro bezahlen zu können? Ist es der Einsatz der Politiker auf europäischer Bühne für die Rechte der Arbeitnehmer einzutreten oder der verbesserte Verbraucherschutz? Die NRZ hat verschiedene Personen gefragt, was sie mit Europa verbinden, was sie an der Union stört.

Reinhard Wolf, SPD-Stadtverbandsvorsitzender: „Mit Europa verbinde ich Freiheit, Frieden, Toleranz, grenzenlose Märkte, Chancen und Möglichkeiten. An Europa stört mich der zunehmende Rechtsruck nationaler Regierungen, fehlende Solidarität bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise und das Einstimmigkeitsprinzip bei wichtigen Entscheidungen.“

Thomas Pieperhoff, Referent des Dinslakener Bürgermeisters: „Mit Europa verbinde ich Frieden, Freiheit, Demokratie. Offene Grenzen, gemeinsame Währung, ein einzigartiger kultureller Reichtum. Europa ist für mich Heimat und Identität. An Europa stören mich die Regelungswut und die nationalen Egoismen, die letztlich zum Stillstand führen. Ich bin für ein Europa der zwei Geschwindigkeiten.“


„Nationale Egoismen beherrschen die öffentliche Diskussion“

Mirko Schombert, Intendant des Landestheaters Burghofbühne: Mit Europa verbinde ich ein diffuses, aber hoffnungsvolles Gefühl von Zukunft. Die europäische Idee ist so viel mehr als der Euro oder offene Grenzen. Sie ist eine zutiefst menschliche und historische Notwendigkeit, die es zu verteidigen und gleichzeitig nach außen hin durchlässig zu halten gilt. An Europa stört mich, dass es bis heute nicht gelungen ist, eine gemeinsame und menschliche Flüchtlingspolitik zu realisieren. Nationale Egoismen und populistisch geschürte Ängste beherrschen viel zu häufig die öffentliche Diskussion und vernebeln den Blick auf das Potential eines solidarischen Europas.“

Tobias Modrzejewski, Vorsitzender des Vereins Gänseblümchen-Voerde: „Mit Europa verbinde ich die uneingeschränkte Reisefreiheit, eine einheitliche Währung sowie über 70 Jahre Frieden in der EU. An Europa stört mich die hohe Bürokratie sowie zu hohe Regulierung von Brüssel ausgehend.

„Ein großer Binnenmarkt über viele Ländergrenzen hinweg“

Claus Overlöper, Vorstand der Volksbank Rhein-Lippe: „Mit der Europäischen Union verbinde ich einen großen Binnenmarkt über viele Ländergrenzen hinweg, Reisefreiheit und eine Säule für den Frieden in Europa. An der Europäischen Union stört mich, dass vereinbarte Regeln (hier im Bezug auf die Euroländer) nicht eingehalten werden, keine gemeinsame Linie zu strategischen Themen zu erkennen ist und viele Entscheidungen für den Bürger nicht mehr nachvollziehbar sind.“

Stefan Zimkeit, Landtagsabgeordneter der SPD: „Mit Europa verbinde ich Frieden, offene Grenzen, freies Reisen sowie Wohlstand und Demokratie. An Europa stören mich die Nationalisten und Rechtsextremisten die Europa und unsere Demokratie zerstören wollen.“

„Ohne Grenzkontrolle nach Mallorca“

Charlotte Quik, Landtagsabgeordnete der CDU: „Mit Europa verbinde ich, die Frikandel auf Ameland mit demselben Geld bezahlen zu können wie die Pizza in der Toskana, ohne Grenzkontrolle nach Mallorca fliegen zu können und das Wichtigste: Schützengräben, Bombenkrieg und Erbfeindschaft nur noch aus den Erzählungen meiner Großeltern, aus dem Geschichtsunterricht und aus historischen Romanen zu kennen – und das soll auch für meine Kinder so bleiben! An Europa stört mich die überbordende Bürokratie und die vielen Vorschriften in ganz kleine Bereiche hinein, die es uns auf Landesebene an vielen Stellen schwer machen, Politik ganz im Sinne von Nordrhein-Westfalen zu gestalten.“

Hintergrund: Das ist bei der Europawahl 2019 anders

Die Bedeutung der Europawahl ist in Deutschland oftmals unterschätzt worden. In diesem Jahr ist es anders. Immer wieder betonen Politiker, wie wichtig es ist, am Sonntag an die Wahlurne zu gehen. Denn es wird befürchtet, dass Parteien die Mehrheit im Europäischen Parlament erhalten, die die Union für überflüssig halten, sie am liebsten abschaffen möchten. In einem Appell werben der Landrat sowie die Bürgermeister der kreisangehörigen Städte und Gemeinden, sich an der Wahl zu beteiligen, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen. Und sie machen deutlich, dass dieses Mal die Bedeutung nicht unterschätzt werden dürfe.

Bedeutung bis auf die kommunale Ebene

Mit der Wahl am 26. Mai nehmen die Wähler direkt Einfluss auf die Zusammensetzung des Parlaments, das den Präsidenten der Europäischen Kommission wählt und über den Haushalt und wichtige Gesetze auf der europäischen Ebene mitentscheidet. Die Gesetzgebungskompetenz und die Europäische Struktur- und Investitionsfonds haben eine große Bedeutung bis auf die kommunale Ebene, wo die Menschen leben, wirken und arbeiten. In dem Appell wird aber noch ein Aspekt betont: „Der Europäischen Union verdanken wir die längste Friedensperiode in unserer Geschichte.“

Um die Zukunft zu gestalten, werde eine starke Gemeinschaft benötigt, denn die zentralen Zukunftsfragen wie die Wahrung von Sicherheits- und Handelsinteressen, der Klimawandel, die Migration oder die Herausforderung der Digitalisierung können nicht von jedem Mitgliedsstaat allein gemeistert werden, sondern nur auf europäischer Ebene. „Umso wichtiger sind demokratische Kräfte aus Deutschland in Brüssel, die die Strukturen der Europäischen Union sinnvoll weiterentwickeln“, heißt es in dem Appell. Europa gehöre uns allen und die Stimmabgabe am kommenden Sonntag sei der erste Schritt, zur europäischen Demokratie beizutragen.

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