Politiker tritt als Ratsherr ab

Udo Behrenspöhler: Irgendwann muss Schluss sein

Udo Behrenspöhler sitzt jetzt eher auf dem Sofa als in Sitzungssälen. In seiner politischen Ära hat er keine Entscheidung getroffen, die er heute bereut, sagt er.

Foto: Tobias Weckenbrock

Udo Behrenspöhler sitzt jetzt eher auf dem Sofa als in Sitzungssälen. In seiner politischen Ära hat er keine Entscheidung getroffen, die er heute bereut, sagt er. Foto: Tobias Weckenbrock

Castrop-Rauxel.  Vom Opelwerk bis in den Ausschuss für Soziales führte Udo Behrenspöhlers Weg zwischen Gewerkschaft und Politik. Für ihn war die letzte Ratssitzung 2017 auch seine persönlich letzte. Nun will der 71-Jährige mehr Zeit im Baumhaus verbringen.

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An einem Donnerstagabend im Untergeschoss des Rathauses: Sitzung des Betriebsausschusses für Familie Jugend, Soziales und Bildung – oder auch nur kurz „B2“. Udo Behrenspöhler verliest die Tagesordnung. So wie er es in den vergangenen 13 Jahren immer gemacht hat. Erst im B3 und seit 2009 im B2. Noch vor dem ersten Tagesordnungspunkt fällt ihm Schuldezernentin Regina Kleff ins Wort. Man will den Ausschussvorsitzenden gebührend verabschieden. Schließlich ist es seine letzte Sitzung. Denn Behrenspöhler will nicht mehr. Keine Ausschusssitzungen mehr, an denen er schon 1997 als sachkundiger Bürger teilgenommen hatte – und auch keine langen Diskussionen im Rat. Es gibt einen hübschen Blumenstrauß, ein paar nette Worte und Dank von den Kollegen. Auch eine Malvorlage mit Bären drauf – wegen seines Namens eben. Und damit er in Zukunft nicht ganz auf Vorlagen verzichten muss.

Weit und breit keine Ausschussvorlage

Gut zwei Wochen später sitzt Behrenspöhler entspannt in seinem Wohnzimmer auf dem Sofa. Weit und breit keine Malvorlage zu sehen – und erst Recht keine Ausschuss- oder Ratsvorlage. Die brauche er ja jetzt nicht mehr, sagt er. Aber irgendwie fühle sich das im Moment schon noch komisch an: „Wenn man 20 Jahre in Ausschüssen und 13 Jahre in so einer großen Fraktion war und dann ausscheidet, dann fängt das da oben an zu rotieren. Ich habe vor ein paar Wochen gegenüber dem Bürgermeister meinen Rücktritt erklärt. Ganz offiziell nach Gemeindeordnung. Das war schon merkwürdig.“ Schließlich seien der jetzige Bürgermeister und Behrenspöhlers Sohn schon in ihrer Jugend gut befreundet gewesen. „Und jetzt musste ich mich quasi schriftlich in seinem Beisein bei Rajko Kravanja abmelden“, sagt Behrenspöhler. Seine politische Vita begann 1969, da trat er dem SPD-Ortsverein Obercastrop bei. Damals, so der 71-Jährige, habe er mit Norbert Römer in der Juso-Gruppe gewirkt.

Römer ist inzwischen Vorsitzender des SPD-Landtagsfraktion – Behrenspöhler hingegen bis heute Ortsvereinsvorsitzender. Der gelernte Bauschlosser hat 41 Jahre bei Opel gearbeitet, war aber stets nur „einer von“, wie er sagt. Gruppensprecher sei er durchaus gewesen. Und später im Betriebsrat. Und seit nunmehr 11 Jahren Vorsitzender des DGB-Ortsverbands. Aber in den Vordergrund habe er sich nie spielen wollen.

„Aber das war mir auch egal.“

„Wenn es um Aufstiegsmöglichkeiten ging, sind damals im Betrieb viele an mir vorbeigezogen, die noch um einiges jünger und deutlich kürzer dabei waren“, sagt Behrenspöhler und lacht: „Das lag wohl an meiner offenen gewerkschaftlichen Arbeit. Da musste ich eben hinten anstehen. Als ich mich 2004 nach dem überstandenen Arbeitskampf entschloss, in den Vorruhestand zu gehen, war ich der einzige, der ohne Abfindung ausgeschieden ist. Aber das war mir auch egal.“

Viel wichtiger sei ihm zu dieser Zeit gewesen, für die Opel-Belegschaft einen guten Vertrag auszuhandeln. Wenn Behrenspöhler über diese Zeit spricht, dann kommen ihm immer noch die Tränen: „Dass der Bochumer Standort geschlossen wurde, hat an mir mehr als nur geknabbert – weil da Leben dranhängt.“

Nach dem Ausscheiden bei dem Autobauer kandidierte der Obercastroper erfolgreich für den Rat, war bis vor zwei Monaten stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

„Ich mochte es noch nie, wenn Politiker an ihrem Stuhl kleben“

Und warum tritt er zurück? „Ich mochte es noch nie, wenn Politiker an ihrem Stuhl kleben. Und bei mit steht jetzt eine Sieben vorne. Da ist der Zeitpunkt loszulassen gekommen.“ Mit Hendrik Moryson habe er einen guten Nachfolger im Rat. Und nun mehr Freizeit für die Familie, für Frau, Kinder und die beiden Enkel. Letztere will er öfter in Mülheim besuchen: „Mein Sohn hat ihnen im Garten ein Baumhaus gebaut. Vielleicht verbringe ich ein paar Stunden da drin.“ Bestimmt eine andere Atmosphäre als im Sitzungssaal – ganz ohne Vorlagen. Höchstens mit welchen zum Ausmalen.

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