Vor drei Schulen

Stadt hat weitere Tempo-30-Zonen ausgewiesen

Foto: WAZ FotoPool/KerstinKokoska

Castrop-Rauxel.  Die Stadt Castrop-Rauxel hat jetzt an drei Stellen auf der Bahnhofs- und der Wartburgstraße vor Schulen neue Tempo-30-Zonen eingerichtet.

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Erst Ende der vergangenen Woche hat die Stadt drei neue Tempo-30-Bereiche vor der Willy-Brandt-Gesamtschule und der Martin-Luther-King-Schule an der Bahnhofstraße sowie vor dem Berufskolleg an der Wartburgstraße eingerichtet. Eine weitere 30er-Zone vor dem Altenzentrum St. Lambertus an der Dortmunder Straße soll Anfang des kommenden Jahres folgen. „Dafür sind die Schilder bestellt, sobald sie da sind, werden sie aufgestellt“, so Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi auf Anfrage unserer Redaktion.

Für vier weitere Tempozonen, die von der Politik im November abgesegnet worden waren, ist laut Fulgenzi dagegen das Land zuständig. Wann die eingerichtet werden, war der Stadt am Mittwoch unbekannt. Es handelt sich um die Bereiche vor dem Seniorenheim der AWO an der Langen Straße 200, dem AWO-Kindergarten Habinghorst an der Recklinghauser Straße, dem Katholischen Kindergarten St. Elisabeth an der Bochumer Straße und der Franz-Hillebrand-Hauptschule an der Uferstraße.

„Sinnvolste Maßnahme seit Langem“

Lutz Stickeln, der an der Bahnhofstraße 252 die Firma Polarkreis-Reisen betreibt, ist über die Temporeduzierung im Bereich der Martin-Luther-King-Schule sehr glücklich: „Wir sind Anwohner und beobachten täglich auf dem Fußweg zur Arbeit, wie der Zebrastreifen vor der Martin- Luther-King-Schule mit ambitionierten 70 bis 80 km/h angefahren wird. Anhalten für Fußgänger wird von Auto- und Lkw-Fahrern eher als Kavaliersdelikt denn als Pflicht angesehen. Ob man Handzeichen und Blickkontakt zum Fahrer aufnimmt, ist dabei übrigens völlig unerheblich. Wenn dann doch angehalten wird, erntet man böse Blicke, weil man den laufenden Verkehr unterbrochen hat.“ Kein Wunder daher, dass Stickeln meint, dass das „Aufstellen der neuen Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder eine der sinnvollsten Verkehrsmaßnahmen in Castrop-Rauxel seit Langem ist“.

An Tempo 30 in Städten scheiden sich aber die Geister. Im niedersächsischen Göttingen etwa gehen gerade die Gemüter sehr hoch. Denn der Rat der Stadt hat sich dort mit der Mehrheit von SPD und Grünen in der vergangenen Woche für eine Teilnahme am Modellprojekt „Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen“ des Landes Niedersachsen ausgesprochen. Anlass dafür ist nach einem Bericht der Göttinger Zeitung das Klimaschutzkonzept. Danach ist die Stadt verpflichtet, entsprechend der Zielvorgaben der Bundesregierung die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. Das Land Niedersachsen will in seinem Modellprojekt mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung von 50 auf 30 Stundenkilometer auf innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen untersuchen, welche Auswirkungen und Veränderungen Tempo 30 gegenüber Tempo 50 bezogen auf die Indikatoren Luft, Lärm und Verkehrssicherheit haben.

Pläne in Münster gehen noch viel weiter

Und der Rat der Stadt Münster hat in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit einen Lärmaktionsplan beschlossen und damit Tempo 30 auf insgesamt neun Straßen innerorts besiegelt. Das neue Tempolimit kommt auf den Straßen voraussichtlich zum Frühjahr 2019. Bis dahin müssen erst entsprechende Schilder auf- und Ampelanlagen umgestellt werden. Über den Lärmaktionsplan war in der Stadt mehrere Jahre diskutiert worden. Durch den Plan soll der Straßenlärm gesenkt werden – zum Wohle der Anwohner. Denn wer direkt an einer sehr lauten Straße wohnt, kämpft laut Umweltbundesamt häufig nicht nur mit Schlafproblemen. Betroffene leiden auch körperlich und geistig.

Nicht nur Münster reduziert das Tempo: „NRW-weit haben sich 44 Kommunen im Lärmaktionsplan für die Senkung von Tempo 50 auf Tempo 30 innerorts entschieden“, sagt René Usath vom Verkehrsministerium NRW. Möglicherweise sind es sogar mehr.

Die Maßnahme ist durchaus umstritten. Viele Autofahrer sind nicht erfreut. „Tempo 30 ist aber sehr gut geeignet, um den Lärm zu reduzieren“, sagt Thomas Myck vom Umweltbundesamt. Laut dessen Erhebungen bringt die Reduzierung innerorts im Mittel eine Lärmminderung von zwei bis drei Dezibel. Der richtige Untergrund bringt allerdings deutlich mehr. Ein Beispiel: Verkehr bei Tempo 30 ist auf Pflaster im Schnitt zwei bis drei Dezibel lauter als auf Asphalt.

Der ADAC wehrt sich dagegen

Der ADAC hält dagegen Tempo 30 nicht für eine wirksame Maßnahme, um Lärm zu reduzieren. Für das menschliche Gehör sei eine Lärmreduzierung erst ab drei Dezibel wahrnehmbar, argumentiert Roman Suthold vom ADAC NRW.

Tempo 30 innerorts ist jedoch nicht nur in Sachen Lärmminderung in der Diskussion: Die Präsidentin des Umweltbundesamts, Maria Krautzberger, hatte im Frühjahr 2017 gefordert, auf allen Straßen innerorts generell statt Tempo 50 Tempo 30 einzuführen. „Das erhöht die Verkehrssicherheit und verbessert die Luftqualität“, argumentiert Detlev Lipphard vom Verkehrssicherheitsrat. Die Gegner wie Suthold vom ADAC ziehen das in Zweifel. Mehrere Länder und Kommunen experimentieren inzwischen mit Tempo 30 innerorts.

Auf die Frage an die Stadtverwaltung, ob es nun auch in Castrop-Rauxel Pläne gebe, zur Lärm- oder CO2-Reduzierung in Zukunft an weiteren Straßen, speziell aber an Hauptverkehrsstraßen, weitere Tempo-30-Zonen einzurichten, gab es eine recht dürre Antwort. Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi schrieb: „Die Stadtverwaltung und der EUV werden sich 2018 mit den Straßenbaulastträgern und ggf. der Bezirksregierung im Rahmen der regelmäßigen Treffen der Verkehrskommission mit der Prüfung im Hinblick auf diese Themen weiter beschäftigen.“

Mit dpa-Material

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