Themenwoche Henrichenburg

Spielend Henrichenburg erkunden

Vanessa findet den Spielplatz an der Grundschule "Alter Garten" prima.

Foto: WAZ FotoPool

Vanessa findet den Spielplatz an der Grundschule "Alter Garten" prima. Foto: WAZ FotoPool

Castrop-Rauxel.   Der dörfliche Stadtteil ist beliebt bei Familien. Wir haben mit Vanessa und Heike Hotho den Test gemacht, ob hier auch Kinder auf ihre Kosten kommen.

Grün ist es hier links und rechts. Spielen kann man dort prima und direkt vor der Haustür auf Fahrradtour gehen. Genügen diese Aspekte schon, um Henrichenburg den Stempel „familienfreundlich“ zu verpassen? Wir haben den Test gemacht und sind mit den beiden Henrichenburgerinnen Heike Hotho und ihrer Tochter Vanessa, neun Jahre alt, durch den Stadtteil gezogen. Familie Hotho wohnt an der Borghagener Straße. Bei der Frage nach schönen Spielplätzen aber muss Mutter Heike erst einen Moment lang überlegen. Tochter Vanessa kommt ihr zur Hilfe. „Der Spielplatz an der Grundschule Alter Garten ist toll“, ruft die Neunjährige und braust auf ihrem Fahrrad los.

Nach ein paar Kurven sind wir da. Eingebettet in sattgrüne Wiesen liegt der Spielplatz seitlich des Schulgebäudes – und darf von jedem, der sich gut benimmt, benutzt werden. Besonders toll findet Vanessa die großen Edelstahlröhren, die in einen bewachsenen Hügel führen. Von oben kann sie sich an einem dicken Tau abseilen und verschwindet unter der Erde, bevor sie lachend an der Seite des Hügels wieder auftaucht. „Hier kann man die Eltern gut veräppeln, weil die nie wissen, wo man rauskommt“, erzählt die Neunjährige. Auch die Kletterwand, die ein Stück weiter hinten auf dem Gelände steht, macht Vanessa Spaß. Geschickt schafft sie den Aufstieg bis nach ganz oben. Von dort aus hat sie einen guten Überblick und erspäht sogleich den anderen Spielplatz, der am Ende der Sackgasse „Alter Garten“ liegt. Vanessa klettert flink die Wand herunter, schwingt sich auf ihr Rad und düst rüber.

Dort gefällt ihr die Seilbahn am besten – zack, schon sitzt sie auf dem runden Teller, hält sich an dem Seil fest und schwingt mit ordentlich Anschwung los. „Ich mag schnelle Sachen, das macht richtig Spaß“, sagt die Neunjährige ein wenig außer Atem, aber sichtlich glücklich. Gerne würde die Grundschülerin auch ein bisschen schaukeln – geht aber nicht. Irgendjemand hat die Schaukelbretter samt Ketten über den oberen Tragbalken geschlagen, ein paar Mal, so dass die Sitzflächen nun eng an der Trägerstange anliegen. Da käme nur ein Zwei-Meter-Mann dran, um die Schaukeln zurückzuholen. Vanessa und ihre Mutter versuchen es einige Male mit einem langen Ast, allein die Schaukelbretter sind zu schwer. „Schade“, sagt das Mädchen enttäuscht. Ihre Mutter meint: „Hier treffen sich abends oft Jugendliche, die haben das wohl gemacht.“ Aber zumindest sei dieser Spielplatz sauber, die Kinder liefen nicht Gefahr, in Glasscherben oder Hundehaufen zu treten.

Spielplätze bleiben häufig leer

Doch obwohl die beiden nahe beieinander liegenden Spielplätze gut bestückt sind mit unterschiedlichen Geräten, ist an diesem Nachmittag nichts los. Dabei regnet es noch nicht einmal. Heike Hotho kennt das Phänomen des verwaisten Spielplatzes und erklärt: „Die meisten Familien hier in Henrichenburg wohnen ja im Eigenheim und haben dann ihren Spielplatz direkt im Garten.“ Für Vanessa ist das schade, wünscht sich die Neunjährige doch Anschluss beim Spielen.

Deshalb geht sie auch gerne ins Marcel-Callo-Haus oder ins Center Pöppinghausen. Aber dorthin muss ihre Mutter sie immer mit dem Auto bringen. Vanessa findet das blöd und fragt: „Warum gibt’s kein Jugendzentrum hier in Henrichenburg? Da könnte ich dann mit dem Fahrrad hinfahren.“

Im Großen und Ganzen wohnt es sich gut im Dorf

Eigentlich wohnen die Hothos gerne in Henrichenburg – doch so manches Angebot fehlt „Familienmanagerin“ Heike schon. Wenn sie etwa Schulbücher für ihre Tochter Vanessa bestellen muss, die nach den Sommerferien auf die Fridtjof-Nansen-Realschule kommt.

„Da orientiere mich mich dann eher Richtung Lange Straße oder fahre direkt in die Innenstadt“, sagt Heike Hotho. Gleiches gilt, wenn Vanessa Materialien für die Schule braucht – Hefte, Stifte, Blöcke, Schnellhefter. „Außer im Supermarkt gibt es sowas nicht in Henrichenburg“, hat die Mutter die Erfahrung gemacht. Und auch, wenn Vanessa mal wieder die Hosen zu kurz werden, oder ihr die T-Shirts nicht mehr gefallen, müssen Mutter und Tochter losziehen, raus aus Henrichenburg, im Zweifel bis zum Einkaufszentrum Ruhr-Park in Bochum. Immerhin gebe es Edeka und Aldi im Ortskern, außerdem einen Bäcker und ein Café, bewertet Heike Hotho das Angebot zur Nahversorgung positiv.

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