Metallschrott

Klüngelskerle im Kreis Recklinghausen stehen vor dem Aus

Den Klüngelskerlen im Kreis Recklinghausen droht das baldige Aus.

Den Klüngelskerlen im Kreis Recklinghausen droht das baldige Aus.

Foto: Oliver Mengedoht / WAZ FotoPool

Recklinghausen.  Die Städte im Kreis Recklinghausen wollen das in der Region anfallende Altmetall selbst einsammeln. Mobile Schrotthändler dürfen ohne Genehmigung nicht mehr durch die Straßen fahren und die Wertstoffe einsammeln. Viele melden ihre Gewerbe ab. Denn jeder Auftrag muss lange vorher angemeldet werden.

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Die bekannten Melodien der Klüngelskerle werden wohl bald verstummen. Durften die mobilen Schrotthändler im Kreis Recklinghausen bislang mit ihren Lkw durch die Städte fahren und den Müll vor den Haustüren der Bürger einsammeln, müssen sie seit dem 1. September dieses Jahres für jeden Auftrag drei Monate im Voraus eine Genehmigung beantragen. Das besagt das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz. Wer sich nicht daran hält, bezahlt ein saftiges Bußgeld.

Der Hintergrund: Die Städte wollen sich das lukrative Geschäft mit dem Altmetall nicht entgehen lassen und den Müll selbst einsammeln. Allerdings möchten sie den ortsansässigen Klüngelskerlen auch nicht die Existenz rauben. Deshalb überlegen Kommunen und Kreis derzeit, wie sie mit dieser Situation umgehen.

Die Einsätze der Klüngelskerle im Kreis sind gezählt

Bis dahin hängen die Klüngelskerle in der Luft, die meisten haben ihr Gewerbe bereits abgemeldet, weil sie keine Hoffnung mehr haben. Denn selbst wenn sie jetzt Genehmigungen beantragen: Bearbeitet werden diese im Kreis derzeit nicht. „Erst wenn entschieden ist, wie es mit den Klüngelskerlen weitergeht, werden wir die Genehmigungen bearbeiten“, sagt Jochem Manz vom Kreis Recklinghausen. Zur Zeit liegen dort 13 solcher Anzeigen von Schrotthändlern vor.

Sollte der Kreis als höchste Instanz entscheiden, grundsätzlich Genehmigungen zu erteilen, würde er vorher allerdings eine Stellungnahme bei den jeweiligen städtischen Entsorgungsbetrieben einholen. In Castrop-Rauxel würde also der EUV angeschrieben werden. Doch hier gibt es nur noch einen Klüngelskerl: Mike Wolf. Er fährt derzeit mit einer Sondergenehmigung der Stadt Castrop-Rauxel durch die Straßen. Doch diese läuft Ende des Jahres aus. Und anders als einige seiner Kollegen im Kreis möchte Wolf keine Genehmigung beantragen. „Welcher Kunde wartet denn drei Monate darauf, dass ich seinen Schrott abhole?“

Fraglich, wann die orangefarbene Mülltonne kommt

Also wird er sich „schon mal nach einem neuen Job umschauen“. Seit 30 Jahren ist er mit seinem Schrotthandel und Abschlepp- und Containerdienst selbstständig. Nun sind seine Tage als Klüngelskerl gezählt. Sollten Stadt und Kreis dabei bleiben und umsetzen, dass die Kommunen sich um die Entsorgung kümmern, müssten die Bürger in Zukunft selbst zur nächsten Müll-Deponie fahren. Zumindest bis die orangefarbene Wertstofftonne kommt. Wann das sein wird, ist allerdings auch noch nicht klar.

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