Betreuung

Zwei Bottroperinnen bieten Senioren Unterstützung im Alltag

Kirstin Hater ist seit rund einem Jahr als Seniorenassistentin in Bottrop selbstständig. „Der Bedarf ist riesig“, sagt sie.

Kirstin Hater ist seit rund einem Jahr als Seniorenassistentin in Bottrop selbstständig. „Der Bedarf ist riesig“, sagt sie.

Foto: Thomas Gödde

  Kirstin Hater und Claudia Gareiß begleiten zu Terminen, bei Spaziergängen, machen Büroarbeiten, führen Gespräche. Sie sind Seniorenassistentinnen

Sie sind einfach da – hören zu, geben Rat, lesen vor, machen lästigen Bürokram, gehen mit ins Café und auch zum Arzt. Kirstin Hater und Claudia Gareiß sind Seniorenassistentinnen. Im vergangenen Jahr machten sich die beiden – jeweils für sich – selbstständig und betreuen seither Senioren in Bottrop und Kirchhellen. „Der Bedarf ist riesig“, sind sich die beiden Frauen einig. „Denn die Seniorenassistenz hilft den Senioren, länger ein selbstbestimmtes Leben zu Hause zu führen.“

Entlastung für pflegende Angehörige

Dabei füllt die Seniorenassistenz eine Lücke zwischen Haushaltshilfe, Pflege und Familie. „Ich putze, wasche und koche nicht und leiste auch keine Pflegedienste“, erklärt Kirstin Hater. „Vielmehr kümmere ich mich um die Senioren, begleite sie im Alltag und entlaste dabei oft auch pflegende Angehörige.“ Claudia Gareiß bietet zudem eine zertifizierte Generationenberatung an.

Gelernte Kauffrauen sind jetzt sebstständig

Die Idee, Senioren zu betreuen, entwickelte Kirstin Hater in ihrem alten Job. Als gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau hatte sie zuletzt als Vorstandssekretärin in einer Bank in Bochum gearbeitet. „Ein Kunde bat mich damals, ihm privat bei seinem Papierkram zu helfen“, erinnert sich die Kirchhellenerin. „Das machte mir so viel Spaß, dass ich überlegte, wie sich daraus mehr machen lässt.“

Als gelernte Bankkauffrau und Versicherungsfachfrau arbeitete Claudia Gareiß 16 Jahre im Vertrieb einer privaten Krankenversicherung. Es folgte die Zertifizierung zur Generationenberaterin (IHK) – „das ist ein Spezialbereich aus der Finanz- und Versicherungswelt, wo es um Themen geht wie Vorsorge für den Pflegefall oder den letzten Willen“, erklärt Gareiß, die für einen Dienstleister der Notfallplanung den Vertrieb in NRW aufbaute. Zertifizierte Seniorenassistentin ist sie seit Dezember 2017.

Ausbildung nach dem Plöner Modell

Beide Frauen absolvierten ihre Ausbildung zur Seniorenassistentin nach dem Plöner Modell. Fort- und Weiterbildung gehören weiterhin zum Berufsalltag. Mit Kompetenz und Erfahrung stehen sie Senioren bei Alltagsproblemen aller Art zur Seite. Teils wenden sich die Senioren selbst an sie und bitten um Unterstützung, teils sind es die Angehörigen. „Meist tue ich etwas gegen die Einsamkeit. Der Gesprächsbedarf ist immer groß“, berichtet Kirstin Hater von ihren Erfahrungen. „Mitunter gehen wir auch spazieren oder ins Café, bummeln an Geschäften entlang oder schauen alte Fotoalben an.“

Eine Assistenz bietet mehr als Freizeitgestaltung

Doch die Seniorenassistentinnen sorgen nicht nur für Unterhaltung, Bewegung und Gedächtnistraining, sondern begleiten die Senioren auch zum Arzt und bei Behördengängen, bieten Informationen rund um Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, kümmern sich um Bürokram wie Beantragung von Pflegestufen, Beihilfe oder Abrechnungen mit der privaten Krankenkasse – letzteres aufgrund ihres beruflichen Hintergrunds ein Steckenpferd von Claudia Gareiß. „Eine Assistenz geht weit über eine Betreuung hinaus“, unterstreicht sie, die sich als zweite Vorsitzende auch in der Bundesvereinigung der Senioren-Assistenten Deutschland engagiert. „Uns geht es darum, den Begriff der Seniorenassistenten bekannt zu machen. Bisher wissen so wenige Familien, was ihnen an Leistungen zusteht.“

Vertrautes Verhältnis

Eine mögliche anfängliche Ablehnung der Hilfe lege sich stets schnell und weiche einem durchweg herzlichen Verhältnis, meint Kirstin Hater: „So oft werde ich beim Abschied fest gedrückt. Die Dankbarkeit ist unglaublich.“ Klar müsse man aufpassen, dass die professionelle Distanz gewahrt bleibe. Claudia Gareiß bestätigt: „Das Verhältnis wird immer vertrauter. Mir persönlich ist es wichtig, da auch immer die Familie – wenn sie greifbar ist – mit ins Boot zu nehmen.“

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