Krebsskandal

„Wieder sind Menschen gestorben“

Bilder, Ballons und bunte Bänder erinnern vor St. Cyriakus an die Opfer des Apothekerskandals.

Foto: Thomas Gödde

Bilder, Ballons und bunte Bänder erinnern vor St. Cyriakus an die Opfer des Apothekerskandals. Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   Beim Mahn-Marsch zum Apothekerskandal berichten Betroffene von weiteren Opfern und erneuern ihre Kritik an den Justizbehörden

Geht es nach den Betroffenen des Apothekerskandals um gestreckte Krebstherapien, soll die Bundesregierung künftig die Übeprüfung der Zubereitung von Spezialmedikamenten übernehmen: „Die Kontrolle der Apotheken darf nicht Ländersache bleiben“, fordert Heike Benedetti, Sprecherin der Betroffenen und Nebenklägerin im Prozess vor dem Landgericht.

Sie bezog sich mit dieser Forderung auf eine Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag, das auf die Zuständigkeit der Länder verwies und darauf, dass NRW als Reaktion auf den Apothekerskandal seine Kontrollen schon verschärft habe.

Kritik an der Staatsanwaltschaft

Nach Benedettis Angaben sind in den vergangenen Monaten erneut Menschen gestorben, die mutmaßlich mit gestreckten Präparaten aus Stadtmanns Apotheke beliefert worden seien. In diesem Zusammenhang erneuerte sie zu Beginn des Mahn-Marsches durch die Innenstadt ihre Vorwürfe an die Adresse der Staatsanwaltschaft: Sie habe in ihrer Anklage den Betrug an den Krankenkassen in den Vordergrund gestellt und nicht die „Körperverletzung mit Todesfolge“, derer sich der Angeklagte schuldig gemacht habe. Seine gestreckten Medikamente hätten dafür gesorgt, „dass Menschen die Chance auf ein verlänergtes Leben genommen worden ist“. Außerdem beklagte sie Ermittlungsfehler: Blutproben und Patientenakten seien nich oder noicht rechtzeitig ausgewertet worden. Stadtmanns Verteidigern warf Benedetti vor, mit „schmutzigen Tricks“ zu arbeiten.

Lob für Betreuungsangebot

Auf den Streit der Betroffenen mit der Gesundheitsverwaltung der Stadt über Art und Umgang der Auklärungsarbeit nach Bekanntwerden des Skandals Ende November 2016 ging Benedetti dieses Mal nicht ein. Auf die Frage nach einer Bewertung der psychosozialen Betreuung, die die Stadt auf Wunsch der Opfer des Apothekerskandals imnzwischen eingerichtet und finanziert hat, sagte sie: „Eine gute Sache - aber sie kommt ein Jahr zu spät.“

Dennoch sei die Einrichtung sinnvoll, sagt ihre Mitstreiterin Ilona Strunk. Die ersten Gespräche seine angelaufen, das Betreuungsangebot sei professionell und kompetent: „Wenn das erst einmal angelaufen ist, können viele Menschen davon profitieren.“

Oberbürgermeister Bernd Tischler, sagt Benedetti, lasse sich entschuldigen wegen eines Termins, der ihm die Teilnahme an der Kundgebung nicht möglich mache. Wenn die Menschen sich am 14. März um 17.30 Uhr wieder an St. Cyriakus treffen, wolle er wieder dabei sein.

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