Finanzen

Wenn eine falsche Mahnung ins Haus flattert

Mahnschreiben durch Inkasso-Unternehmen landen nicht immer an der richtigen Adresse.

Foto: dpa Picture-Alliance / Christian Charisius

Mahnschreiben durch Inkasso-Unternehmen landen nicht immer an der richtigen Adresse. Foto: dpa Picture-Alliance / Christian Charisius

Bottrop.   Verbraucherberatung rät: Das ist zu tun, wenn ein Inkasso-Unternehmen eine Forderung für eine Bestellung schickt, die man gar nicht getätigt hat.

Fälle von unberechtigten Mahnungen durch Inkasso-Unternehmen beschäftigen derzeit vermehrt die Bottroper Verbraucherberater. In der Folge von Datenmissbrauch und Datendiebstahl, so deuten es die Verbraucherschützer, bekommen ahnungslose Kunden plötzlich Post und sollen für Bestellungen zahlen, mit denen sie gar nichts zu tun haben. Als Reaktion darauf empfiehlt Beraterin Anette Abraham, der Forderung schriftlich zu widersprechen und Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Forderung von knapp 500 Euro

Gleich drei Schreiben von zwei verschiedenen Inkasso-Unternehmen erreichten seit Ende 2017 eine Bottroperin (49), zahlen sollte sie zwischen 156,28 und 485,95 Euro. Was sie gleich stutzig machte: „In der Adresse stand der Nachname, den ich vor meiner Hochzeit trug. Der Vorname stimmte gar nicht – und war bei zwei Schreiben auch noch verschieden“, erzählt die Bottroperin. Beim dritten Schreiben aber wurde dann ihr richtiger Mädchenname genutzt – „da habe ich Angst bekommen und mich an die Verbraucherzentrale gewandt.“ Gleichzeitig sollten Forderungen etwa der Telekom und vom Schwab Shop bei ihr eingetrieben werden – bei beiden war die 49-Jährige aber gar nicht Kundin.

Die Inkasso-Unternehmen selbst seien in diesem Fall echt, erklärt Anette Abraham. „Sie bekommen die Daten und werden beauftragt, das Geld einzutreiben“, erläutert die Fachfrau. „Sie überprüfen aber erst einmal nicht, ob das auch stimmt.“ Grundsätzlich gelte, solche Schreiben nicht in den Papierkorb zu werfen. Zunächst müsse immer geprüft werden, ob die Forderung nicht doch rechtmäßig sein könnte. Ist das nicht der Fall, sollte man sich an das Inkasso-Unternehmen wenden und ihm schriftlich mindestens per Einschreiben mitteilen, dass man die Forderung abstreitet und das Unternehmen nachweisen soll, dass man tatsächlich zahlungspflichtig ist. Entsprechende Musterbriefe gebe es bei der Verbraucherzentrale. Abraham: „Wenn es sich eindeutig um Datenmissbrauch handelt, sollte der Kunde bei der Polizei Anzeige erstatten.“

In weiteren Fällen war das Inkasso-Unternehmen nicht seriös

Dazu kommen Fälle, bei denen das Mahnungen versendende Inkasso-Unternehmen selbst nicht seriös ist. „Auffällig an den Schreiben ist, dass erst gar kein Gläubiger genannt wird und auch nicht aufgeführt wird, wofür überhaupt gezahlt werden soll“, sagt Beraterin Doris Grzegorczyk. Die angegebene Bankverbindung sei eine ausländische, zu erkennen an der IBAN: Statt DE für Deutschland sei dort zum Beispiel BE für Belgien angegeben. Gleichzeitig werde in dem Schreiben durch Begriffe wie Vorpfändung oder Arrest eine Drohkulisse aufgebaut, die den Verbraucher verunsichere. Die Forderung selbst fällt nicht ganz so hoch aus – „in der Hoffnung, dass die Verbraucher sagen: Das zahle ich lieber schnell“, so Grzegorczyk. Aber auch hier gilt, alles zunächst auf Plausibilität prüfen und bei Zweifeln schriftlich zu reagieren. „Wir haben eines dieser Unternehmen unter der angegebenen Adresse angeschrieben – unsere Post kam als unzustellbar zurück.“

Mahnung kommt auch per E-Mail

Datenklau und -missbrauch kommen immer wieder vor. „Vor rund einem Jahr hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik festgestellt, dass rund 1000 deutsche Online-Shops geknackt wurden“, sagt Ulrich Bauer vom Kriminalkommissariat Kriminalprävention/Opferschutz beim Polizeipräsidium Recklinghausen. Auf diese Weise etwa gelangen Internet-Kriminelle an Kundendaten.

Häufig würden auch E-Mails mit angeblich noch offenen Forderungen verschickt. Der Kriminalhauptkommissar hat einen Tipp: „Wenn man online bestellt, hat man bei den meisten Shops ein persönliches Konto.“ Dort können die Kunden den Stand jeder Bestellung/ Rechnung kontrollieren – bevor sie in der E-Mail einen weiteren Link anklicken, der Schadprogramme auf den PC spielt. Oder gar gleich die Mahnung ungeprüft bezahlen.

Bauers Tipp für ein sicheres Passwort: „Denken Sie sich einen Satz aus und benutzen Sie von jedem Wort den ersten Buchstaben.“ Am besten kommt noch eine Zahl im Satz vor. Für verschiedene Anwendungen kann man diese Grundphrase durch Zusätze variieren.

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