Kohlenabbau

Stärkere Bergsenkungen alarmieren Bürger und Parteien

Wegen Bergsenkungen stehen auch Teile des Köllnischen Waldes unter Wasser, und der Heidesee in Kirchhellen würde ohne den Einbau hoher Spundwände womöglich auslaufen.

Wegen Bergsenkungen stehen auch Teile des Köllnischen Waldes unter Wasser, und der Heidesee in Kirchhellen würde ohne den Einbau hoher Spundwände womöglich auslaufen.

Foto: Oliver Mengedoht

Bottrop.   An der Bottroper Straße sackt die Erde um zwei Meter tiefer ab als geplant. Bürgerinitiative und Politiker richten kritische Fragen an Behörden.

Stärkere Bergsenkungen in Kirchhellen haben den Initiativkreis bergbaubetroffener Bürger (IBB) alarmiert. Nach seinen Erkenntnissen sackte die Erde am Rand des Kohlefeldes Prosper-Nord um zwei Meter stärker ab als angenommen. Schon wirft die ÖDP die Frage auf: Müsste dort für das Bergwerk-Prosper-Haniel ein Kohleabbauverbot ausgesprochen werden? Auch die Grünen im Landtag wollen wissen: Werden die zulässigen Maximalsenkungen durch das Bergwerk Prosper-Haniel überschritten?

Anlass für die Fragen sind Messergebnisse der Bezirksregierung in Köln. Diese zeigen, so die Grünen-Abgeordnete Wibke Brems in einer Anfrage an die Landesregierung, „dass Senkungszielwerte bereits vorzeitig erreicht und seitdem massiv überschritten wurden“.

Senkungsziele gehen aus einer Karte hervor

Konkret geht es um zwei Stellen an der Bottroper Straße. Dort soll sich die Erde bis 2019 durch den Kohleabbau um zirka vier Meter und 6,50 Meter senken. So geht es aus einer Karte zum Betriebsplan des Bergwerks Prosper-Haniel hervor. Aus dem Vergleich mit den Kölner Messdaten ergibt sich aber, dass die Erde dort bis Mitte 2016 schon um sechs Meter und um 8,50 Meter abgesunken ist.

„Die Senkungsziele sind tatsächlich um zwei Meter überschritten“, stellte ÖDP-Ratsherr Johannes Bombeck daher jetzt im Ratsausschuss für Stadtplanung und Umweltschutz fest. „Wir sind überrascht, dass wir so erhebliche Überschreitungen haben“, sagte der Ratsherr, und Bürgermeister Klaus Strehl (SPD) merkte an: „Zwei Meter stimmen uns nachdenklich“. Bombeck kritisierte außerdem, dass ja auch die sogenannte Nulllinie, von der an es wegen des Kohleabbaus nicht mehr zu Bergsenkungen kommen dürfte, anders als in den Plänen der Behörden verlaufe.

Grünen-Abgeordnete fragt bei Landesregierung nach

Auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Wibke Brems fragte beim Land nach, welche Senkungsziele mittlerweile sonst noch überschritten seien. Zwar konnte das Wirtschaftsministerium nicht alle gewünschten Messdaten zusammenstellen, doch es weist darauf hin, dass das von den Behörden für die Bergsenkungen in Kirchhellen vorgeschriebene Höchstmaß noch nicht erreicht sei.

So hatte die dafür zuständige Bezirksregierung in Arnsberg festgelegt, dass die Erde im Einwirkungsbereich des Feldes Prosper-Nord durch den Kohleabbau nicht mehr als 11,50 Meter absinken darf. Aus seinen letzten Messdaten leitet das Ministerium ab, dass die Bergsenkungen bis jetzt neun Meter betragen. Somit verstoße das Bergwerk nicht gegen die Vorgaben.

Ministerium erklärt Angaben für unverbindlich

Die Werte der Bergsenkungen, die die Bergbaukritiker für ihren Vergleich aus der Senkungskarte herangezogen haben, seien nicht verbindlich und keine Größen, die einzuhalten seien. „Merkwürdig“, kommentiert das IBB-Sprecher Michael Farin. Denn für den Initiativkreis bergbaubetroffener Bürger werfen die abweichenden Messdaten und die Auskunft des Wirtschaftsministeriums weitere Fragen auf.

Es zeige sich nun ja, dass die Erde am Rand des Kohlefeldes deutlich stärker absacke. „Das sind Beweismittel dafür, dass auch die Senkung in Zentrum stärker sein dürfte oder aber dass sich die Nulllinie noch weiter verschoben hat“, sagt Sprecher Farin. Beides hätte Konsequenzen für Hausbesitzer im Abbaufeld Prosper-Nord und an dessen Grenze. „Bei einem stärkeren Senkungsverlauf müssen Hausbesitzer ja auch mit größeren Schieflagen rechnen“, erklärt Farin.

Initiativkreis fragt nach Rechtsansprüchen

Der IBB-Sprecher erinnert daran, dass bereits Mitte 2010 Bergsenkungen jenseits der Nulllinie festgestellt wurden. Die Bezirksregierung habe daher den Raum erweitert, in dem Bergschäden an Bauten anerkannt werden. Die Rechtsansprüche womöglich betroffener Grundstückseigentümer seien aber nicht abgesichert.

Auch die stärkere Vernässung im recht jungen Naturschutzgebiet Kirchhorst führt der Initiativkreis auf den Kohlabbau zurück.

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