Klavierfestival Ruhr

Junger Pianist gibt beachtliches Debüt beim Klavierfestival

Mit seinem Konzert im Kammermusiksaal gab Pianist Till Hoffmann sein Debüt beim Klavierfestival Ruhr.

Mit seinem Konzert im Kammermusiksaal gab Pianist Till Hoffmann sein Debüt beim Klavierfestival Ruhr.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop  Der Mann ist erst 23, hat aber schon sein Repertoire und das Publikum im Griff: Till Hoffmann gastierte im Kammerkonzertsaal in Bottrop.

. Zum Debüt beim Klavier-Festival Ruhr gab sich Till Hoffmann als ungemein vielseitiger und kluger Nachwuchskünstler. Er ist nicht der Typ Jungpianist, der mit Tastenfeuerwerk blenden will, sondern ein Musiker von umfassender stilistischer Bildung. So schlug er von Johann Sebastian Bach einen kühnen Zirkel über 300 Jahre bis hin zu seinem Altersgenossen Jakob Raab.

Fast ohne Atempause

Bach und Rachmaninow fast ohne Atempause hintereinander? Der Dreiundzwanzigjährige brachte es fertig dank seiner analytischen Schärfe und rationalen Kontrolle, die ihm auch in den Etudes-Tableaux op. 33 nie entglitt. Weder im virtuosen Ritt der Nr. 1 noch im Wechselspiel von Akkordhymnik und reißenden Klangfluten der Nr. 7, und auch der melodischen Verführungskunst des amerikanischen Russen erlag er nicht durch rosarote Farbfilter.

Bach ist modern

Die Englische Suite Nr. 6 gab Hoffmann in scharf angerissenen Linien und energisch-bewusstem Anschlag, plastisch im polyphonen Stimmengeflecht und einfühlsamer, wärmer timbriert in Sarabande und Gavotte. Und wie bahnbrechend modern Bach bis heute tönt, zeigten eindrucksvoll die chromatisch donnernden Strudel der Gigue.

Eigentlich war der Steinway für den kleinen Kammerkonzertsaal schon viel zu mächtig. In seinen Variationen über ein Thema von Robert Schumann fordert Brahms die gestalterischen Qualitäten des Interpreten heraus. Till Hoffmann nahm an und verschmolz dieses Kaleidoskop der Ausdrucksmomente – traurig-verhangen, trotzig, kantabel schön – zum stimmigen Bogen, der zum wehmütigen Ausgangsthema zurückkehrt. Stille im Publikum.

Variationen wie eine Lichtstudie

Über Anton Weberns zwölftönigen Variationen op. 27, sensibel ausgelotet zwischen zarten Farbtupfern und unwirscher Geste, führte der Weg zu jenem Jakob Raab (Jahrgang 1995), dessen Klaviervariationen „Glasschach“ sich wie eine Lichtstudie ausnahmen. Hell, durchsichtig, ja grell ausgeleuchtet, surreal und mysteriös in der Wirkung, schlug Raab seine Wurzeln vom spätromantischen Brodeln bis zu Webern und Philip Glass – ein Jungkomponist, der sich auf mitvollziehbare Entwicklungen, Kontraste und Spannungsbögen versteht.

Nach reichem Applaus kam Till Hoffmann mit dem bekannten Bachchoral „Wohl mir, dass ich Jesum habe“ zum Ausgangspunkt der Reise zurück. Geradezu weise von ihm, dass er darauf keine Bravourzugabe mehr setzte.

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